Die Krähen schrein
Und ziehen schwirrend Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. -
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!
Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?
Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.
Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.
Caspar David Friedrich, 1774 – 07.05. 1840 “Der Krähenbaum”
Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton!
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirrend Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Weh dem, der keine Heimat hat!
Friedrich Nietzsche (1884)
(1844-1900)




04.Sep.2009, 16:55
Nietzsche als Dichter, das ist vielen Leuten nicht bewusst. Insofern ist es sehr verdienstvoll, mal ein Gedicht des Philosophen, noch dazu ein Gedicht, das ins Herz trifft, aufgelegt zu haben.
Fritz Feder
04.Aug.2010, 12:07
Das Gedicht heisst “Vereinsamt”, “Herbst” ist ein anderes Gedicht von ihm.
04.Aug.2010, 14:55
Stimmt. Danke für den Hinweis.
Mit freundlichem Sommergruß, Jürgen Gottschling