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	<title>Neue Rundschau &#187; Sapere aude</title>
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		<title>„Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 07:46:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[﻿﻿﻿﻿Vertrauen ist der Anfang von allem. Der Ausgangspunkt &#8211; ist doch schließlich Vertrauen der Anfang von allem &#8211; so auch der Wiederbeginn der Studentenbewegung von 1998 in ihrem unerschütterlichen Glauben an die Zuständigkeit der Institutionen, an die sie sich adressiert. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich im Rahmen der für sie vorgesehenen Strukturen bewegt, zeugt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>﻿﻿﻿﻿Vertrauen ist der Anfang von allem. Der Ausgangspunkt &#8211; ist doch schließlich Vertrauen der Anfang von allem &#8211; so auch der Wiederbeginn der Studentenbewegung von 1998 in ihrem unerschütterlichen Glauben an die Zuständigkeit der Institutionen, an die sie sich adressiert. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich im Rahmen der für sie vorgesehenen Strukturen bewegt, zeugt von ihrer grenzenlosen Zuneigung zu den gegebenen Verhältnissen. <span id="more-7211"></span>So wie ihr Protest sich formal in vorauseilender Rücksichtnahme auf die öffentliche Meinung und allgemeine Stimmung erschöpft, so zielt er inhaltlich auf nichts anderes als die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung unter freundlicher Berücksichtigung studentischer Interessen.</p>
<p>Noch vor einer Generation konnte sich der Student den Luxus von Kritik und Widerstand leisten, da er seine Privilegien damit nicht aufs Spiel setzte, vielmehr im Rahmen einer Modernisierungsrevolte noch ausbauen konnte. Heute aber, wo eben diese Privilegien in Frage stehen, zeigt sich, daß auch Kritik und Widerstand den Gesetzen von Angebot und Nachfrage genauso gehorchen, wie der Student selbst den Anforderungen einer sozial differenzierten Marktwirtschaft. Das Prinzip von Leistung und Konkurrenz hat er so sehr verinnerlicht, dass er selbst dessen Kritiker mit dem gebührenden Respekt behandelt. Sogar die großen Verweigerungen sind in seiner Erinnerung aufgehoben, indem er den rituellen Wiederaufführungen der immergleichen Revolutionsspektakel begeistert Beifall zollt, und sei es nur für die Professionalität der Inszenierung. Hier feiert der Student sich selbst; im Theater seiner Eitelkeiten wird er zur großen alten Dame der Samstagabendunterhaltung.</p>
<p>Das allgemeine Interesse an den kleinen und großen Dramen vergangener Revolten erklärt sich vor allem aus der Begeisterung für das Modell des tragischen Scheiterns, zumal die aktuellen Protestversuche in ihrer selbst die Sicherheitskräfte entwaffnenden Armseligkeit außer einer Situationskomik dritten Grades in der Tat nichts abwerfen als die für den Studenten beruhigende Gewißheit, es selber (auch) mal versucht zu haben. Und so wiederholt er nicht nur die Geschichte als Farce, sondern auch jede je dagewesene Subversion als Seifenoper, indem er mit der unerträglichen Originalität dessen, was er für Protest hält, noch all das unterbietet, was im öffentlichen Raum sonst noch um Aufmerksamkeit buhlt. Das Vertrauen in die Vergeblichkeit jeden Widerstandes war schon immer der eigentliche Antrieb des Studenten, und die Einsicht in die Geschichte der Motor seiner Trägheit. Heute jedoch, wo keine seiner Forderungen noch im Widerspruch zu den bestehenden Verhältnissen steht, fiebert er einer Enttäuschung entgegen, die niemals kommen wird.</p>
<p>Die Studentenbewegung von 1998 träumt von Gegnern und halluziniert Frontverläufe, wo längst alles eins ist. Wer selber für den Standort kämpft, sollte nicht mit Steinen werfen, und wer selber an den Sachzwang glaubt, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Unter allgemeinem Beifall rennt diese Bewegung eine offene Tür nach der anderen ein. Jede ihrer Forderungen kommt einer Einverständniserklärung gleich, und jedes Ultimatum, das sie stellt, spart die teure Zeit ihrer Kontrahenten. Gerade im Kampf der Studenten um die immer knapper werdenden öffentlichen Mittel bilden sich die Tugenden heraus, mit denen die deutschen Universitäten im internationalen Konkurrenzkampf bestehen sollen, eben wie sich die Arbeiter im Kampf um ihr Urlaubs- und Krankengeld auf die Verhältnisse einrichten, die das globale Kapital ihnen bescheren wird.</p>
<p>Die Logik des Standorts verlangt nicht die Aufstockung irgendwelcher Budgets, sondern deren permanente Kürzung. Eine Studentenbewegung, die das nicht wahrhaben will, möge wieder in ihren Vorlesungsräumen verschwinden, um sich am Beispiel ihrer Dozenten zu vergewissern, daß es auch an den Universitäten einzig und allein um die möglichst kostengünstige Produktion billiger Nachwuchskräfte geht. Studenten, die selbst das nicht begreifen, bekommen die Jobs, die sie verdienen. Allen anderen sei geraten, ihr politisches Unbehagen möglichst schnell in jenes kulturelle Rauschen zu transformieren, das uns die Arbeit zum Vergnügen, die Freizeit zum Spektakel und sogar den Deutschen Herbst ein wenig schneller macht. Auf einen Frühling warten sie allenfalls und zwar wie auch wir dieser saukalten Kälte wegen. Aber die, die ist für die  ist ja auch draußen!</p>
<p>Die Kultur, das ist in der Tat das liebste Kind des Studenten. Seine Begeisterung für alles Kulturelle ist so bodenlos wie seine Bereitschaft zum Konsum und stößt erst am Ende des Dispo-Kredits auf ihre natürliche Grenze. Trotz eindeutiger Anweisungen der einschlägigen Fachmagazine beharrt er dabei auf seinem individuellen Geschmack, und so trifft man ihn oft zu später Stunde in den hintersten Ecken drittklassiger Erlebnisparks, wo er noch das als Avantgarde feiert, was die arbeitende Bevölkerung längst aus dem Einkaufsradio kennt. Ausgerechnet die Universität glaubt der Student als Freiraum für seine eigentümlichen kulturellen Vorlieben verteidigen zu müssen, und so hofft er auf ewige Selbstverwirklichung in den Kuschelecken der herrschenden Strukturen.</p>
<p>Die Trennung der Welt in Kultur und Politik hat der Student dabei so sehr verinnerlicht, daß sein Traum vom kulturellen Streichelzoo widerspruchslos neben der Phantasie von der unbedingten Rationalität des Politischen steht. Diese Rationalität fordert er von allen Instanzen, die den Rahmen festlegen, in dem sich sein studentisches Leben bewegt. Und so bleibt sein einziger politischer Vorwurf an die Universität, daß sie ihn für die bevorstehende Barbarei nicht effizient genug zurichtet. Doch wer der Effizienz den kleinen Finger reicht, dem reißt sie gleich die ganze Hand ab. Die Bitte um schnelleres Studium findet ihre Erfüllung erst in der Aufforderung zu schnellerer Arbeit, gründlicherer Freizeit, weniger Krankheit und kürzerer Rente. Dass also die Universitäten nicht mehr funktionieren, wäre angesichts der Zwecke, auf die ihr Funktionieren abzielt, eher eine gute Nachricht. Die Bücher, die in den Bibliotheken fehlen (Marginalie: am meisten wird bei den Theologen geklaut, dicht gefolgt von den Juristen), enthalten in zunehmendem Maße Anweisungen zu deren schnellstmöglicher Schließung. Wer dort vier Wochen auf ein Buch warten muß, hätte endlich Zeit zum Lesen.</p>
<p>Die Lieblingsautoren dieser Studentenbewegung aber sind der späte Hans Magnus Enzensberger, die frühe Rosa Luxemburg und alles von Roman Herzog. Von denen lernt man nicht nur fürs Studium, sondern vor allem fürs Leben: Vertrauen in die Geschichte ist gut, Kontrolle der Zukunft ist besser. In der Risikogesellschaft sympathischer Individualdemokraten übernehmen die Studenten dankbar ihre Rolle als Avantgarde einer präventiven Paranoia. Bis zu einem gewissen Grad mag es ihnen noch gelingen, die sie umgebende materielle Armut als kulturelle Bereicherung zu konsumieren, doch schon der in ihren Vierteln sich häufende Müll droht die Qualität ihres Bohèmelebens zu mindern, und selbst die sich allerorts ausbreitenden Graffiti werden zu Zeichen eines bevorstehenden Bürgerkriegs. Der einzige Mangel, den ein solcher Blick noch auszumachen vermag, ist der Mangel an Sicherheit, und unter dessen Bedingungen reicht die aktive studentische Konfliktbereitschaft bestenfalls bis zur ersten roten Ampel.</p>
<p>Statt also auf eine heilende Verschärfung der Krise zu setzen, sehnt sich der Student nach ihrer Bewältigung mit den Mitteln der Polizei. Insgeheim träumt er von öffentlichen Universitäten, an denen private Sicherheitsdienste seine Prüfungsangst bekämpfen. Was von der Angst noch übrigbleibt, begreift er nicht als öffentliches Anliegen, sondern als persönliches Problem, das er als Privatpatient zum Psychologen trägt, wenn nicht sogar, als braves Kind, zurück zu seinen Eltern. Sein Verlangen nach sicheren Studienplätzen deckt sich in allen Aspekten mit dem Begehren des Bürgers nach sicheren Straßen, und somit sind für beide auch die gleichen Behörden   zuständig, nämlich die für innere Sicherheit, öffentliche Ordnung und zudem, was Wunder,absolute Polizeipräsenz.</p>
<p>Jedes studentische Leben ist eine serialisierte kapitalistische Mini-Krise, ein Desaster, das eine Matrikelnummer trägt. Solange die Bewegung der Studenten statt auf die Abschaffung dieses Elends auf dessen fortwährende Verfeinerung zielt, werden wir ihren Demonstrationen genauso überzeugt fernbleiben wie den Heimspielen von irgendwelchen Fußballvereinen. „Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ (frei nach Edmund Burkes (1729 &#8211; 1797) Statement: „Those who don&#8217;t know history are destined to repeat it“.</p>
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		<title>Macht kaputt, was Euch kaputt macht und so weiter &#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 15:33:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Über Demonstrationskultur Es hilft nix: Keinem Karikaturisten läßt sich verbieten, mit Europa beschriftete Kühe zu zeichnen, die auf „Steuerzahler“ heißenden Weiden stehen, oder, andersherum, Kühe, die „Steuerzahler“ genannt werden, während dann ein Melker als „EG-Haushalt“ firmieren muß. Mit keinem Argument lassen sie es sich abgewöhnen, „aufgespießt“ heißt es mal hier, oder ist da mit „spitzer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über Demonstrationskultur<span id="more-7204"></span><br />
Es hilft nix: Keinem Karikaturisten läßt sich verbieten, mit Europa beschriftete Kühe zu zeichnen, die auf „Steuerzahler“ heißenden Weiden stehen, oder, andersherum, Kühe, die „Steuerzahler“ genannt werden, während dann ein Melker als „EG-Haushalt“ firmieren muß.<br />
Mit keinem Argument lassen sie es sich abgewöhnen, „aufgespießt“ heißt es mal hier, oder ist da mit „spitzer Feder“ geschrieben, wiewohl die Benutzung einer gemeinschaftlich genutzten Schablone um einiges wahrscheinlicher ist, mit der sie einen zipfelbemützten teutschen Michel zeichnen, oder einen Kapitalisten mit Bowler-Hut. Ebensowenig läßt sich einem Demonstranten untersagen, Pappsärge mit den Aufschriften „Demokratie“, „Frieden“ oder „Sozialstaat“ mit sich herumzutragen; zum einen sind die jeweils dran seienden Artefakte meist bereits ins Alter gekommen, weil man sich aber so schön an sie und aneinander gewöhnt hat, werden sie immer mal wieder ans Licht geholt; andererseits ist eben in gar die meisten Protestschädel nicht einmal die simple Wahrheit hineinzutrichtern, daß die Zumutungen, die die gesellschaftliche Wirklichkeit bereithält, nicht mit ebenso scheußlichen ästhetischen Mitteln bekämpft werden können.<br />
Der Einsatz von Lautsprecherwagen, die in den 2000er Jahren noch immer „Ton Steine Scherben“s „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ dröhnend einer Demonstration voranfahren, ist etwa ebenso nützlich und klug, wie das stereotype „Hopp, hopp, hopp, irgend etwas stop !“ Geblöke von Demonstranten, die sich, derweil sie es vorziehen, sich in der Masse zu blamieren, dann doch lieber gleich zur Love Parade gehen sollten. Aber dorten sind ja Sprüche wie diese nicht loszuwerden: „Jeder Mann und jede Frau, gegen den Sozialabbau“. Apropos Sozialabbau &#8211; da sind dann die Ärzte nicht weit: „Arzt und Patient, keine Kasse trennt“. Oder: „Die Kassen bauen manch Palais und sparen am Therapiebudget“. Gönnen wir uns einen Lichtblick: Als kürzlich Germanistikstudenten gegen Mittelstreichungen für die Unibibliothek auf die Straße gingen, hatten sie nicht nur &#8211; was Wunder &#8211; einen Pappsarg mit der Aufschrift „Germanistik“ dabei, sondern sie lasen &#8211; gleichsam zum eindrucksvollen Beweis, daß der Literatur existentielle Notwendigkeit sich immer aus der Literatur ableitet &#8211; ihre Lieblingstexte vor: Ein Gedicht von Erich Fried etwa, aber gleich einige von Heinz Erhard, damit &#8211; vielleicht &#8211; die Menschen wie du und ich gleich merken, daß Literatur und Lyrik auch etwas für Glotzengucker zu sein vermag. Mithin einen realen Stellen¬wert für die gesamte Menschheit habe. Sollten Germanisten doch auch mal sowas unter die Leute bringen, davon sind sie nämlich allemal auch betroffen: Käme Georg Büchner in die Akademie für Sprache und Dichtung, er erhielte statt des nach ihm benannten Preises die rote Karte: Du bist aus dem Spiel, Junge! Langhaariger Politextremist, Häuserzerstörer (Krieg den Palästen), Du vierundzwanzigjähriger Nicht-trocken-hinter-den Ohren.</p>
<p>Alsdann, schaun wir mal, was (wir) Piraten gegen das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) auf die Straße zu bringen in der Lage sind &#8211; aber, was genau ist das denn, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=9LEhf7pP3Pw">ACTA ?</a></p>
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		<title>… &#8220;über alles in der Welt&#8221;;  und über Presse &#8211; &#8220;und Recht und Freiheit&#8221;. Und &#8211; hoffentlich nicht mehr lange: Über Wulff und all das …</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 02:46:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist ein Teil der deutschen Tradition, ein Wort wie (und wäre das &#8220;nur&#8221; Presse-) Freiheit nicht für sich allein stehen zu lassen. Ruft da wer, egal was für eine  „Freiheit!“, schon gesellt ein anderer „Ordnung!“ dazu; wer da klug ist, redet gleich von „Freiheit und Verantwortung“ oder preist die Freiheit, warnt jedoch im gleichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein Teil der deutschen Tradition, ein Wort wie (und wäre das &#8220;nur&#8221; Presse-) Freiheit nicht für sich allein stehen zu lassen. Ruft da wer, egal was für eine  „Freiheit!“, schon gesellt ein anderer „Ordnung!“ dazu; wer da klug ist, redet gleich von „Freiheit und Verantwortung“ oder preist die Freiheit, warnt jedoch im gleichen Atemzug vor ihrem Missbrauch wäre es auch nur, einen auf einen Anrufbeantworter draufgerotzten Text zu veröffentlichen).<span id="more-7133"></span></p>
<div id="attachment_7148" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2012/01/präsidialer_kurzschluss2.jpg"><img class="size-full wp-image-7148" title="präsidialer_kurzschluss" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2012/01/präsidialer_kurzschluss2.jpg" alt="" width="250" height="360" /></a><p class="wp-caption-text">Vorsichtig, Herr Bundespräsident, gleich tuts einen Schlag - hören Sie auf damit … got</p></div>
<p>Diese Angst vor der Freiheit, der Verdacht, daß sie gar zu leicht zu Anarchie und Zügellosigkeit entarte, trifft merkwürdigerweise nur die friedsamen Anhänger des Rechtsstaates. Ihnen gilt die Obsorge unseres demokratischen Obrigkeitsstaates, der alles reglementiert, vom Autogurt bis zum Ladenschluß, Freiheit in Festreden großzügig austeilt, in der Praxis aber allenfalls häppchenweise.  Ein besonderer Argwohn der Machthaber hat &#8211; was Wunder &#8211; schon immer der Pressefreiheit gegolten, weil sie deren Wahrnehmungen am stärksten zu fürchten haben. In den Anfangsjahren der Bundesrepublik hatte das Bundesverfassungsgericht einiges dazu getan, die Presse- und Informationsfreiheit zu sichern. Inzwischen nähern wir uns einem Zustand, in dem die (wir) Journalisten als Stand von steuerlichem Entgegenkommen bis hin zum Zeugnisverweigerungsrecht privilegiert werden, aber &#8211; nicht nur aber auch dafür steht etwa der „Lauschangriff“ &#8211; außer Stand gesetzt werden könnten, ihrem kritischen Auftrag noch nachzugehen.   Gesetz gewährt Vertrauensvorschuß. Dass Kritik die Mächtigen stört, ist weder verwunderlich noch neu. Aus gutem Grund gibt es ein Recht auf Gegendarstellung, wird jemand durch eine Tatsachenbehauptung in seinen Rechten gekränkt, soll, muß er erwidern dürfen, ohne zuvor einen langwierig-umständlichen Prozeß führen zu müssen. Es wird ihm deshalb ein Vertrauensvorschuß vom Gesetz gewährt; er braucht nur die Gegenbehauptung zu dem über ihn Veröffentlichten in bestimmter Form aufzustellen, und diese muß gedruckt werden.  Als Behelf eines Einzelnen gegen die Medien der öffentlichen Meinung ist die Gegendarstellung ein geeignetes, ja manchmal notwendiges Mittel. In der Praxis ist sie längst zum Einfallstor von Interessen geworden, die unendlich mächtiger sind, als die Presse selbst. So ist es schon fast üblich geworden, daß falsche Gegendarstellungen durchgesetzt werden &#8211; einfach im Vertrauen darauf, daß der nachfolgende Prozeß sich hinziehe, bis der Augenblick der Gefahr vorüber, der Sachverhalt uninteressant geworden ist.</p>
<p>Es gibt freilich auch Politiker und Einflußinhaber, die ihr Privates entblößen, zum Blick hinter die Kulissen einladen, wenn sie sich Werbewirkung davon versprechen; mißlingt´s, ertönt ein Schrei von Ehrenschutz und Intimsphäre. Recht, aber Freiheit? Neue Rechtspraxis? Neuerdings treten Richter auf, die Berichte über beeidete Äußerungen verbieten wollen, wenn nicht das Presseorgan einen Wahrheitsbeweis für die Aussage antreten kann. Schon melden sich auch Rechtslehrer zu Wort, die die bloße Verwertung von Nachrichten untersagt wissen wollen, die „illegal“ zustande gekommen sind. Wenn dergleichen in diesem unserem Lande Rechtspraxis werden sollte, dann könnte in Deutschland nie ein Watergate enthüllt werden, dann hätte „Capital“ erst vor der IOS warnen dürfen, als Cornfeld bereits verhaftet war, und da hätten wir über Fürniß (wir sind gerade mal wieder in Heidelberg) erst schreiben dürfen, wenn dieser bereits wieder ganz nach Wiesloch zurückgekehrt sein wird. In anderen Ländern hüten sich die Gerichte, der Presse in den Arm zu fallen. Hingegen verhängen sie drakonische Strafen oder bewilligen hohen Schadenersatz, wenn jemandem Unrecht geschehen ist. Das ist allemal besser, als eine Einschränkung der Pressefreiheit. Die nämlich ist uns, wie jede Freiheit, teuer. So muß uns es deren Mißbrauch auch sein dürfen.  Und der Datenschutz? Wer heute über die Gefährdung der Privatsphäre &#8211; und auch das hat mit Pressefreiheit zu tun &#8211; durch Datenverarbeitung reden oder schreiben will, hat sich erst einmal zu entschuldigen. Er muß ein Bekenntnis nach etwa folgendem Muster ablegen: Ich bin gegen übertriebenen Datenschutz. Ich bin kein Maschinenstürmer. Ich will dem Fortschritt von Wissenschaft und Technik nicht im Wege stehen. Ich will den Staat nicht künstlich dumm machen und die Kriminalitätsbegrenzung nicht behindern. Ich erkläre deshalb, daß Datenschutz kein Täterschutz sein soll &#8230; Erst nach solchen Verbeugungen nach allen Seiten darf man dann, ohne krumm angesehen zu werden, zu reden beginnen.  Ach, wie doch das beruhigt: Eine Kontrolle sowohl der Presse wie die die Informationsnetze erfassende Kommunikation Fernsehen, Radio, Zeitung, Schreibmaschine, Computer und Rotationsdruck &#8211; , wird lückenhaft bleiben. Zur Erzeugung von Mißtrauen nämlich müßten Staat, Kirche und andere Institutionen das Prinzip der Begegnung  selbst zu fassen bekommen, jenen Funken, der Achilles in Bewegung setzte, wo Patroklos nichts zu erwarten wagte. Dieser rasende Eros dann überrascht die, die er erfaßt und läßt etablierten Machthabern, Kirchenoberen, Bundespräsidenten sowie Oberlehrern keine Ruhe.</p>
<p>Das hat, merkt <strong>Jürgen Gottschling </strong>fröhlichen Herzens an &#8211; einiges für sich. Dass nämlich gegen die „guten“ Sitten verstoßen und &#8211; wenn es der Wahrheitsfindung dient &#8211; für Ärger gesorgt werden darf. Und muß. Und dass die Neue Rundschau sich auch künftig als Hort nie erlahmender Subversion muß erweisen dürfen. Und dass er gehen müsse, das ihm zu erlauben, das sollten wir  uns und  auch unserem Bundespräsidenten erlauben. Aber, uns fragt ja keiner …</p>
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		<title>Ein in vino veritas &#8211; heute gewidmet dem, der mit der Wahrheit tanzt. Und, der -„die ihm noch eine Chance gibt“ &#8211; ehrenwerten Gesellschaft …</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 15:24:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass man den Worten der Menschen nicht trauen kann, dies Dilemma ist so alt wie die Sprache. Gleichermaßen aber unausrottbar wie die Lüge ist auch das Verlangen nach Wahrheit. Bei allen unzähligen Versuchen, Kontrollmöglichkeiten für sowohl die Verläßlichkeit von Aussagen, Erklärungen, Ehrenworten oder Schwüren zu entwickeln, stehen Publikum und Richter immer noch dort, wo auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass man den Worten der Menschen nicht trauen kann, dies Dilemma ist so alt wie die Sprache. Gleichermaßen aber unausrottbar wie die Lüge ist auch das Verlangen nach Wahrheit. Bei allen unzähligen Versuchen, Kontrollmöglichkeiten für sowohl die Verläßlichkeit von Aussagen, Erklärungen, Ehrenworten oder Schwüren zu entwickeln, stehen Publikum und Richter immer noch dort, wo auch die Geschichte des Betrugs begann: vor dem Fiasko, dem Zusammenbruch. Dies zu ändern, müßte man schon die Schöpfung verklagen, was immerhin ein kleiner Gott aus dem dritten oder vierten Glied jener Unsterblichen im Mythos der Antike bereits wagte: <span id="more-7127"></span>Schon Momos hat nach dem Zeugnis Lukians einen der höchsten Götter, Hephaistos, den Designer des homo sapiens, dafür getadelt, dass er den Menschen kein gläsernes Fenster in die Brust gesetzt hat: So nämlich hätte man ihnen ins Herz blicken und ihre Wünsche und Gedanken beobachten können, um so die Wahrheit ihrer Worte zu überprüfen.</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Evolution</strong><br />
Der Tadel blieb in der Evolution ohne erkennbare Wirkung. Bis einige hundert Jahre, nachdem des kleinen Gottes Kritik zu Protokoll genommen war, sich ein Autor vor sein Publikum begab und versprach, so aufrichtig über sein Leben und über seine Fehler zu schreiben, auf dass ein jeder Leser würde in seinem Herzen lesen können. Der Literatur- und Gesellschaftsreformer  Jean-Jaques Rousseau war es, der Sprache und Menschen wieder an ihren Ursprung zurückführen wollte, um Heuchelei und Lüge aus der Welt zu vertreiben. Der Gedanke jedoch an eine technische Lösung durch Götter war so leicht nicht zu vertreiben. Noch in Ludwig Tiecks Roman &#8220;William Lovell&#8221; (1795/96) klagte der Titelheld darüber, dass es keine Teleskope gäbe, um &#8220;in das tiefe Firmament unserer Seele zu schauen&#8221;. Ein Jahrhundert später erfand der italienische Jurist und Schriftsteller  Paolo Montegazza in seinem futuristischen Roman &#8220;Das Jahr 3000&#8243; dieses Teleskop, das erlaubte, es zu tun: in die Herzen der Menschen zu schauen.</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Daumenschrauben</strong><br />
Zwar ist die physikalische Teleskopie seither entscheidend fortgeschritten, wir blicken Millionen Lichtjahre weit in den Weltraum und in die Vergangenheit, der Blick hingegen in die des Tiefe des Herzens &#8211; das bemerken wir wieder einmal mehr- , der Blick also in jene Hirnregionen, innerhalb welcher der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge vielleicht an kleinen Spannungsdifferenzen zu messen wäre, bleibt noch versperrt. Dabei haben doch Richter, Ingenieure, Chemiker, Journalisten und Physiologen nichts unversucht gelassen: Man hat Daumenschrauben angelegt, Lügendetektoren unter Strom gesetzt, Wahrheitsdrogen verabreicht, mit in vino veritates unter die Leser gebracht und hypnotisiert, um &#8220;in den Herzen zu lesen&#8221;. Psychoanalytiker brachten sogar das Unbewußte zum Sprechen &#8211; doch die Nervenbahnen und Synapsenschaltungen, die das Wahre und das Unwahre regulieren, arbeiten weiter im Verborgenen.</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Vertrauen</strong><br />
So haben wir dem Problem der Unerkennbarkeit des Betruges am Körper und in den Worten des Sprechenden durch den Einsatz einer uralten Maschine recht getan: durch das Vertrauen. Es wird doch nicht nur unser Verhältnis zu Politikern, sondern unser gesamtes Sozialverhalten durch eine Art treuherziger Vorleistung gesteuert, die eben nun mal Vertrauen genannt wird. Ohne Vertrauen, so erklären uns das Psychologen wie Gesellschaftswissenschaftler, könne überhaupt kein Sozialsystem funktionieren, nicht einmal die Straße würde man betreten, ohne die vertrauensvolle Sicherheit, Autos würden an einer roten Ampel auch wirklich halten …</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; soziale Beziehungen</strong><br />
Es vergibt das Vertrauen aber seine Kredite nur solange, wie es nicht enttäuscht wird. Ein Verkehrsunfall kann mein Vertrauen in die Berechenbarkeit und Verläßlichkeit fremden Verhaltens gleichermaßen nachhaltig erschüttern, wie das Verhalten von Politikern. Bereits der Staatsphilosoph Thomas Hobbes  empfahl allen Herrschern (&#8220;Leviathan&#8221;), in ihren (eigenen) Herzen zu lesen und zu erkennen, wie sehr die in die Herzen geschriebenen Wahrheiten befleckt sind von Heuchelei und Lüge. Was aber ist Vertrauen? Es ist die mehr oder weniger bewußte Annahme, dass, was eine Person über sich selbst und ihre Absichten gesagt hat, nicht alledem zuwiderhandelte. Im Sinne also des Gottes Momos wäre Vertrauen die Erwartung, es spreche und handle ein jeder, als trüge er ein Fenster in der Brust. Sprechen und Handeln umfassen so allein das gesamte Spektrum sozialer Beziehungen.</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Fortschritt</strong><br />
Dazu, dass wir einem Politiker vertrauen, genügt(e) es häufig, dass er einer bestimmten Partei oder Konfession angehört. Ausfüllen aber können Politiker diese Funktion erst, nachdem wir sie mit jener magischen Kraft ausstatten, dass wir nämlich ihre Reden für wahr halten. Aber bitte, was ist das, die Wahrheit?<br />
Das fragte bereits Pilatus seinen Angeklagten Jesus; seine uralte und offenbar unerschütterliche philosophische Tradition versteht unter Wahrheit ein Abbildungsverhältnis zwischen der Wirklichkeit und der Sprache. Platon<br />
gab in seinem Dialog &#8220;Sophistes&#8221; die Definition: &#8220;Wahrheit ist die kundige Nachahmung, die richtige Rede vom Seienden&#8221;. Mehr als zweitausend Jahre später nahm sich Wittgenstein in seinem &#8220;Tractatus logico-philosophicus&#8221; des Themas an: &#8220;Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit&#8221; &#8211; diese beiden sehr ähnlichen Formulierungen müssen den Verdacht nähren dürfen, dass die Wissenschaft von der Wahrheit im Gang durch noch so viele Jahrhunderte keinen rechten Fortschritt gemacht habe.</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Philosophie</strong><br />
Es war eine der ersten großen abendländischen Kontroversen um die wahre Rede, die (vierhundert vor Chr.) Platon mit den Sophisten führte, die der Nachwelt als philosophische Debatte gilt; im Kern aber betraf dieser Konflikt bereits die Verteilung und Organisation der Staatsmacht. Platons Sokrates ließ keine Gelegenheit aus, den Sophisten &#8211; welche Rede zum käuflichen Gegenstand gemacht hatten &#8211; vorzuwerfen, sie verdürben und verführten die Jugend, indem sie rhetorische Trugbilder der Welt und der Wahrheit verbreiteten. In der platonischen und sokratischen Kritik  ist der Sophist ein Geschäftsmann, der bei seinen Zuhörern den Eindruck erweckt, seine Reden seien die Wahrheit und &#8220;nichts als die Wahrheit&#8221;, derweil Platon versprach, dass, habe sich der Staat erst einmal nach den Prinzipien der Gerechtigkeit aufgebaut, auch das Problem der Macht verschwinde. Solch ein Gemeinwesen wird nicht durch unzählige Gesetze regiert, sondern durch Vertrauen auf das Hergebrachte. Isokrates, ein Zeitgenosse Platons, hat dieses Staatskonzept auf die Formel gebracht: &#8220;Bürger, die richtig regiert werden, bedürfen nicht der haufenweise auf Säulen geschriebenen Gesetze, sondern sie tragen die Gerechtigkeit geschrieben in ihren Herzen.&#8221;</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Profitgier</strong><br />
Des Platons drei Elemente antisophistischer Kritik seien auch heute gültig wider den Betrug durch Mißbrauch der Sprache, gegen die das Wahrheitsstreben ruinierende  Profitgier und den Machtmißbrauch durch ein Übermaß an Vorschriften. Genau nämlich diese Vorwürfe kehren in den Revisionen der Macht und bei der Wiederaufbereitung des Wahren wieder. Zunächst im Kampf der christlichen Dogmatik gegen die jüdische Gesetzesdoktrin. Die vernichtende Kritik, die Jesus an den jüdischen Schriftgelehrten übte, zielte zugleich auf eine juristische wie sprachtheoretische Reform. Er warf ihnen vor, dass sie eine buchstäbliche Auslegung der alten Gesetzesbücher betrieben, statt ihren Geist zu erfassen. Matthäus und Lukas bezeugen, Jesus habe sie als Heuchler, als Blinde und Verrückte  beschimpft, denen  &#8211; weil sie das schriftliche Zeugnis der Wahrheit verfälscht haben &#8211; keine rechte Erkenntnis Gottes habe gelingen wollen und können.</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Schriftgelehrte</strong><br />
Auch den Pharisäern und Schriftgelehrten war ja bekanntlich der Vorwurf nicht erspart geblieben, dass sie nur um des materiellen Vorteils wegen ihre Ämter ausübten (Matth. 23 und Luk.11). Verfälschung der Wahrheit und Heuchelei und Lügen um des mammonal-finanziellen Interesses wegen, das waren schon damals die wesentlichen Anschuldigungen. Aber auch hier folgt die (sic) christliche Doktrin dem Vorbild der platonischen Polemik gegen die sophistische Legalität. So schrieb Paulus &#8211; der Justitiar unter den Aposteln &#8211; im Römerbrief, alle überlieferten Gesetze taugten nichts, denn entweder wären die Menschen gerecht oder nicht. Er begründete seine Beweisführung damit, dass auch die Heiden das Gesetz Gottes aus natürlichem Antrieb befolgten. Ihnen sei das Gesetz ins Herz geschrieben (Römer 2,15); mithin habe die aufwendige Gesetzesauslegung der Juden wenig bis gar keinen Wert. Vergessen wir nicht, dass es bei der christlichen Revision der alten jüdischen Gesetzeslehre vor allem um Politik und um Macht ging. Die christliche Eroberung erst Europas und dann &#8211; ja, genau &#8211; der ganzen Welt, hat diese Tendenz unbezweifelbar ins Licht gebracht. Wenn Weltpolitik damals wie heute und immerdar der christlichen Gesetzgebung im Namen Gottes geführt wurde, so geschah und geschieht das aus machttechnischen Notwendigkeiten: Wahrheit lockt Vertrauen aus der Reserve. Machiavelli hat das in seinen &#8220;Discorsi&#8221; in unbekümmerter Deutlichkeit ausgesprochen: &#8220;Es gab tatsächlich noch nie einen außergewöhnlichen Gesetzgeber in einem Volk, der sich nicht auf Gott berufen hätte, weil seine Gesetze sonst nicht angenommen worden wären&#8221;.</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Reformation:</strong><br />
<strong>Zurück in die Zukunft</strong><br />
Nach diesem Modell operierte auch Martin Luthers Reformation. In seiner Polemik gegen die römische Orthodoxie griff er just jene Formel auf, die bereits Jesus und Paulus gegen die jüdische Schriftverwaltung ins Feld geführt hatten. Die Lektüre seiner Reformationsschrift von 1520 &#8220;An den christlichen Adel deutscher Nation&#8221; läßt überdeutlich erkennen, dass es ihm nicht &#8211; nur &#8211; um eine Kirchenreform, sondern allemal um eine Gesellschaftsreform ging: &#8220;Der Papst, er ist ein Hirte &#8211; ja, wenn du Geld hast, und sonst nicht! Es ist ihnen nur um das verfluchte Geld zu tun und um sonst nichts. So rate ich, falls dieses Narrenwerk nicht abgeschafft wird, dass jeder fromme Christ seine Augen aufmache und sich nicht von den römischen Bullen, Siegeln und von der Heuchelei beirren lasse&#8221;.</p>
<p><strong>Wahrheit &amp; Politik</strong><br />
Bis heute zeigt die Geschichte der Wahrheit, dass die bisweilen sowohl Philosophen wie erst recht Politiker aus der Bahn werfende Macht nicht die einfache und banale Staatsmacht ist. Vielmehr haben wir es hier mit der Notwendigkeit zu tun, diese &#8220;Macht und die Herrlichkeit&#8221; mit Zyklen und Wiederaufbereitungen des Wahren zu bemänteln. So wird das von Politikern alleweil gern gespielte Spiel simulierter Wahrheiten irgendwann tatsächlich wahr. Und wer heute von Politikern Ehrlichkeit verlangt, darf nicht verdrängen, dass noch immer jede, in der Tat wirklich jede Wahrheit aus unzählbaren Wiederholungen auch von Lügen besteht. Das erleben wir immer mal wieder, derzeit gerade protagoniert diese Wahrheit als freilich widerwärtige Posse Christian Wulff von Merkels Gnaden …</p>
<p><strong>Wahrheit zu guter Letzt &#8211; die bundespräsidentiale:</strong><br />
Nennt man aber nicht gewöhnlich alle Mitglieder gesetzgebender Körperschaften ehrenwert? Was wäre da nun also neu? Meiner &#8211; das sei eingeräumt langen &#8211; Schreibe nun zu guter Letzt doch angenehm kurzer Sinn? Da habt Ihr ihn: Ein Bundespräsident, der. indem er die Wahrheit verschweigt, der Unwahrheit das Wort redet, muss zurücktreten. Da kann er noch so sehr und noch so viel den von ihm gefühlten Rückhalt in der Bevölkerung gespürt zu haben meinen. Ich jedenfalls -<strong> Jürgen Gottschling </strong>- kenne solche Bürger nicht“ &#8211; geben aber wir dem gläubigen Christen (siehe:  &#8220;Wulff im Schafspelz&#8221;) <a href="http://www.youtube.com/watch?v=qjyjn1AkXsg&amp;feature= ">dies wunderschöne Lied</a> aus dem evangelischen Kirchengesangbuch mit auf seinen steinigen &#8211; und, der Nachfolge wegen &#8211; dornenreichen Weg!</p>
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		<title>Mt 7,15: Wulff im Schafspelz</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 05:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche & Bodenpersonal]]></category>
		<category><![CDATA[Sapere aude]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschehen]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 30. Juni 2010 ab 21.23 Uhr konnten Sie hier in der Rundschau diesen Artikel lesen -  &#8220;Wulff im Schafspelz&#8221; haben wir des baldigen Rücktritts des Bundespräsidenten wegen hierher aktualisiert: Eine dumpf-machtorientierte Bundeskanzlerin hat ihren Kandidaten als den der Koalition durchgepaukt &#8211; „nach einem langen Tag für alle Beteiligten&#8221;. Es war in der Tat nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 30. Juni 2010 ab 21.23 Uhr konnten Sie hier in der Rundschau diesen Artikel lesen -  &#8220;Wulff im Schafspelz&#8221; haben wir des baldigen Rücktritts des Bundespräsidenten wegen hierher aktualisiert:</p>
<p>Eine dumpf-machtorientierte Bundeskanzlerin hat ihren Kandidaten als den der Koalition durchgepaukt &#8211; „nach einem langen Tag für alle Beteiligten&#8221;. Es war in der Tat nicht zu erwarten, dass „DIE LINKE“ über ihren Schatten zu springen in der Lage gewesen sein würde und jemanden wählte, der mit der stalinistischen Stasi-Bande in der DDR aufgeräumt hat. Was zu beweisen war &#8211; und noch im Nachhinein ein zumindest merkwürdiges Licht auf die Protagonisten wirft. Mitglieder der Bürgerrechtsbewegung hätten keine vorgeblichen Skrupel haben müssen, hätten Gauck &#8211; mit, eingeräumt, einigen Wenn und Aber &#8211; wählen können …<span id="more-5150"></span>Gesine Schwan hat sich ja wenige Tage vor der letzten Wahl, wo sie zur Bundespräsidentin kandidierte, nicht entblödet, lautstark zu verkünden, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen, um sich damit den LINKEn anzudienen. Das war von Gauck nicht zu erwarten und das ist auch gut so. Hätte es jemanden wie Gauck in der Adenauerära gegeben, dann wären all die Globkes und anderen Piefkes nicht in Amt und Würden gekommen sein, was die LINKE ja &#8211; hätte es sie denn damals schon gegeben &#8211; mit Sicherheit gefordert haben würde. Oder? Nun ham wa also Wulff, hinter dem &#8220;eine große Mehrheit im Land steht&#8221; (Angela Merkel am Wahltag um 21.45 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen). Mehrheit in der Versammlung, leider ja. Mehrheit im Land, dies zu verlautbaren grenzt an Volksverblödung, Mm Kanzlerin.</p>
<p><strong>Alsdann, wen haben die Machtarythmetiker da ins Amt gehoben?</strong></p>
<div id="attachment_5156" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2010/06/wulff.jpg"><img class="size-full wp-image-5156" title="wulff" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2010/06/wulff.jpg" alt="" width="250" height="184" /></a><p class="wp-caption-text">Kommet her, alle, die Ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken …</p></div>
<p>Christian Wulff sitzt &#8211; nur mal eben zum Beispiel -in der evangelikalen Missionsbewegung Prochrist im  <a href="http://www.prochrist.org/Main/Verein/Unterstuetzer.aspx">Kuratorium</a>. Seitdem wird auf humanistischen und Freidenkerforen angeregt diskutiert. Zum Beispiel bei <a href="http://www.wissenrockt.de/2010/06/09/entsetzen-uber-wulff-im-schafspelz/">wissenrockt.de</a>.<br />
Die Kollegen von Presse, Rundfunk und Fernsehen haben das Thema so gut wie überhaupt nicht aufgegriffen. Ist das alles wirklich so nebensächlich? Ist es nicht!</p>
<p>Prochrist, heißt es in einem sehr PR-mäßig klingenden Wikipedia-Artikel zur Organisation, &#8220;ist eine Großevangelisationsveranstaltung, die seit 1993 im zwei- bzw. dreijährigen Turnus per synchroner Satellitenübertragung in Europa stattfindet. Sie wird von Mitgliedern evangelischer Freikirchen und Landeskirchen getragen. Ziel der Veranstaltung ist die Bekehrung von Menschen zum Glauben an Jesus Christus.&#8221;</p>
<p>Das auf der Website von Prochrist formulierte &#8220;Leitbild&#8221; der Organisation klingt zunächst recht unverbindlich: &#8220;Prochrist möchte die Gute Nachricht zu Menschen aller Nationen bringen, hier in Deutschland und darüber hinaus in Europa.&#8221; Prochrist arbeitet dafür offensichtlich sehr gern mit Kirchengemeinden der Amtskirchen zusammen: &#8220;Prochrist wird fortgesetzt, solange Gott diesen Dienst bestätigt, indem Menschen durch diese Arbeit das Evangelium hören und zum Glauben an Jesus Christus kommen, und solange christliche Gemeinden Prochrist als Hilfe für ihren missionarischen Dienst annehmen.&#8221;</p>
<p>Woran genau &#8220;Prochrist&#8221; sonst noch glaubt, ist auf dieser Website zwar nicht festzustellen, aber durch einige Recherchen, auch in den bekannten Medien der evangelikalen Bewegung in Deutschland leicht herauszufinden.</p>
<p>Leiter und charismatische Figur von Prochrist ist der Fernsehprediger und evangelische Pfarrer Ulrich Parzany. Man kann seine Predigten auf Bibel TV sehen, findet sie ordentlich aufgereiht beim evangelikalen Sender ERF und auch bei Youtube. Auch in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und anderen Gotteshäusern überbringt er die gute Nachricht.</p>
<p>Parzany ist ein versierter Rhetoriker. In Predigten, wo es um das Werben neuer Gläubiger geht, umgeht er die neuralgischen Punkte der evangelikalen Ideologie eher. Klarer artikuliert er sie in Artikeln der evangelikalen Zeitschrift ideaSpektrum.</p>
<p>Was er in der Nummer 7/2008 von ideaSpektrum schreibt, klingt wie ein Bekenntnis zum Kreationismus: &#8220;Die aggressiven Reaktionen selbst auf die vorsichtigsten Versuche, die Evolutionstheorie als Theorie und nicht als allein wahres Dogma zu verstehen, zeigen, dass hier ein wunder Punkt getroffen wurde. An Gott, den Schöpfer, darf man offensichtlich nur glauben, wenn man zugleich augenzwinkernd zu verstehen gibt, dass dieser Glaube nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, sondern in das Reich der Märchen gehört.&#8221;</p>
<p>Parzany wendet sich auch gegen &#8220;praktizierte Homosexualität&#8221; und vertritt, wie viele evangelikale Christen die Theorie, dass Homosexualität gewissermaßen heilbar sei. &#8220;Selbstverständlich gibt es Fachleute, die die Möglichkeit sehen, dass Menschen ihre homosexuelle Neigung verändern und dass da Hilfe möglich ist&#8221;, sagte er in einem Streitgespräch mit dem Grünen-Politiker Volker Beck, das in IdeaSpektrum und auf der Website von Beck veröffentlicht ist.</p>
<p>Urlich Parzany glaubt an seine Botschaften. Er wird Prochrist nicht betreiben, um nicht auch andere Zweifler und Stauner von ihnen zu überzeugen.</p>
<p>Wie mächtig die Evangelikalen in Deutschland längst schon sind, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt.</p>
<p>Die beiden Journalisten Christian Baars und Oda Lambrecht haben ein alarmierendes und bestens belegtes Buch darüber geschrieben: &#8220;Mission Gottesreich &#8211; Fundamentalistische Christen in Deutschland&#8221; (Christoph Links Verlag, 2009). Sie führen auch ein kontinuierliches Blog zum Thema.</p>
<p>- 1,3 Millionen Gläubige werden dieser Glaubensrichtung in Deutschland zugerechnet. Das ist keine kleine Minderheit. Und natürlich ist sie besonders aktiv und engagiert in den Kirchen. Ein großer Teil der sonntäglichen Gottesdienstbesucher der evangelischen Kirche ist dieser Richtung zuzurechnen.</p>
<p>- Die Evangelikalen lehnen &#8220;praktizierte&#8221; Homosexualität und Abtreibung ab, sehen häufig die &#8220;Schöpfungstheorie&#8221; als Alternative zur Evolutionstheorie, und sie möchten auch Juden und Muslime bekehren.</p>
<p>- Sie betreiben in Deutschland etwa achtzig anerkannte Schulen, deren Lehrer vom Staat finanziert werden und deren Biologielehrer nicht zu den überzeugtesten Darwin-Anhängern gehören dürften &#8211; der Staat, so Oda Lambrecht und Christian Baars, kontrolliert hier offenbar mehr als nachlässig.</p>
<p>- Sie sind in Politik und Medien bestens vernetzt, bilden Journalisten aus und verfügen selbst über durchaus &#8211; was Wunder &#8211; professionell und ansprechend gemachte Medien in Print, TV und Internet.</p>
<p>Die niedersächsische Staatskanzlei bestätigt auf Nachfrage, die Mitgliedschaft Wulffs (der selbst Katholik ist) im Kuratorium von Prochrist: &#8220;Das ist richtig. Der Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat im Februar 2005 u.a. seine Bereitschaft zur Mitwirkung im Kuratorium von Prochrist für das Jahr 2006 erklärt, weil diesem auch der damalige EKD Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber (wie doch ein Amt einen Menschen zu ändern in der Lage ist. Dass wir Huber zu Beginn seiner Amtszeit als Landesbischof lobten, änderte sich, nachdem er als EKD-Ratsvorsitzender fundamentalistisch &#8211; zum Beispiel über Abtreibung &#8211; argumentierte.&#8221;</p>
<p>Und natürlich darin, seinen guten Namen, die Respektabilität seiner Person und seines Amtes für die Sache von Prochrist herzugeben. Der Hinweis auf Bischof Wolfgang Huber macht es schon deutlich: Wulff ist hier keineswegs allein. Huber zeigte sich gegen Ende seiner Amtszeit immer begeisterter von den Evangelikalen, die so virtuos zu mobilisieren zu verstehen und möglicherweise auch der Amtskirche Auftrieb geben &#8211; gerade darin scheint ja eines der Angebote von Prochrist zu bestehen.</p>
<p>Im Kuratorium sitzen laut Selbstauskunft von Prochrist außerdem noch: der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein, der Kaufmann Alexander Graf zu Castell-Castell, der ZDF-Moderator Peter Hahne, der Schuhfabrikant Heinz-Horst Deichmann, der Golfspieler Bernhard Langer, der ehemalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg Erwin Teufel, der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel und einige Kirchenobere.</p>
<p>Um es klar zu sagen: Evangelikale Christen dürfen glauben, was sie glauben. Sie dürfen Homosexualität ablehnen, sie dürfen gegen Abtreibung demonstrieren, sie dürfen glauben, dass die Welt eine Schöpfung ist.</p>
<p>Allerdings: Wie genau verläuft das Leben eines Jungen, der in evangelikalem Milieu aufwächst und schwul ist? Wie sehr wird er verbogen? Wie sehr wird er versuchen, sich selbst zu verbiegen? Und dürfen Schulkinder mit fabrizierten Alternativen zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen gefüttert werden?</p>
<p>Prochrist ist ohne Parzany nicht zu haben. &#8220;Das Programm besteht aus Musik, Interviews, Theater und einem Vortrag von Ulrich Parzany zu zentralen Themen des Lebens und des Glaubens. Der Eintritt ist frei. Sie sind herzlich zu den Abenden eingeladen&#8221;, steht im Konzept von Prochrist 2009.</p>
<p>Parzany hat keine Scheu sich zu bekennen: &#8220;Auch wenn uns diese Freiheit nicht zugestanden wird, werden wir Gott mehr gehorchen als den Menschen.&#8221; (ideaSpektrum 7/2008) Es klingt wie ein fundamentalistisches Programm, das sich zur Not auch über die Gesetze des Gemeinwesens hinwegsetzen würde.</p>
<p>Auch das soll Parzany noch denken dürfen. Demokratie verträgt sogar den Widerspruch gegen sich selbst, solange er auf Gewalt verzichtet und die Rechte anderer nicht beschädigt.</p>
<p><strong>Aber brauchen wir einen Präsidenten, der im Kuratorium dieses Vereins sitzt?</strong></p>
<p>Ist die Missionierung junger Leute im Sinne Parzanys der Unterstützung eines (seit einer Stunde: unseres!) Bundespräsidenten würdig? Haben wir mit Weihnachtsansprachen zu rechnen, die das segensreiche Wirken der Missionare preisen?</p>
<p>Wulffs christliches Engagement ist kürzlichauch  im Hinblick auf die BP-Wahl  im niedersächsischen Landtag diskutiert worden, ohne dass eine breitere Öffentlichkeit Notiz davon genommen hätte. Vorgeworfen wurde ihm eine Rede vor dem Arbeitskreis Christlicher Publizisten (ACP) in Bad Gandersheim, einer Organisation, die laut Sektenbeauftragten der evangelischen Kirchen als fundamentalistische Splittergruppe &#8220;am äußersten rechten Rand des Protestantismus&#8221; (so NDRInfo) anzusehen ist. Anfragen von Abgeordneten wurden mit der lapidaren Ansage beschieden: &#8220;Der Ministerpräsident wird keine Veranstaltung von verfassungsfeindlichen Organisationen besuchen.&#8221; Na ja, vielen Dank auch …</p>
<p>Das reicht jedendfalls nicht aus. In der Sendung &#8220;Farbe bekennen&#8221; beschwor Christian Wulff &#8220;die Gefahr der Parallelgesellschaft, des Gegeneinanders, Gewalttätigen und Fundamentalistischen&#8221;, der er entgegentreten wolle. Mit den Evangelikalen, die sich selbst gern als &#8220;entschiedene Christen&#8221; bezeichnen, geht das nun gerade nicht. Sie wollen wie gesagt Gesetzen, die sie als göttlich ansehen, mehr folgen als den Menschen, &#8220;auch wenn uns diese Freiheit nicht zugestanden wird&#8221;. Wulff hätte noch vor der Wahl in der Bundesversammlung aus dem Kuratorium von Prochrist auszutreten gehabt, er hielt das jedoch nicht für nötig &#8211; hat ja auch keiner gefragt. Und, was die Bundeskanzlerin angeht, so, <a href="http://www.rundschau-hd.de/archiv/dezember2005/NR_November_Seite4.pdf ">so schreiben wir nimmer wieder über sie!</a></p>
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		<title>&#8220;Sapere aude &#8211; wage zu wissen&#8221; …</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 09:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[In vino veritas]]></category>
		<category><![CDATA[Sapere aude]]></category>
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		<description><![CDATA[… ein Artikel unter dieser Überschrift (dem Rundschau-Motto) hat heute (3. Januar 2012) folgenden Kommentar provoziert, den wir ausnahmsweise dem (deshalb) jetzt &#8220;nach vorn geholten&#8221;, älteren Artikel voranstellen wollen: &#60;&#8221;Autor  : Muslim (IP: (die IP-Adresse veröffentlichen wir natürlich nicht). Kommentar: Ihre Ahnungslosigkeit fremder Kulturen, der islamischen ganz besonders, ist unterträglich und schreit gen Himmel. &#8220;&#8230; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>… ein Artikel unter dieser Überschrift (dem <a href="http://www.rundschau-hd.de/archives/8/">Rundschau-Motto</a>) hat heute (3. Januar 2012) folgenden Kommentar provoziert, den wir ausnahmsweise dem (deshalb) jetzt &#8220;nach vorn geholten&#8221;, älteren Artikel voranstellen wollen:<br />
&lt;&#8221;Autor  : Muslim (IP: (die IP-Adresse veröffentlichen wir natürlich nicht).</p>
<p>Kommentar: <em>Ihre Ahnungslosigkeit fremder Kulturen, der islamischen ganz besonders, ist unterträglich und schreit gen Himmel.</em><em> &#8220;&#8230; Es muss an der Religion liegen – an dieser Religion!&#8221; Bis hierhin habe ich aufrichtige Sympathie und Mitgefühl für Sie und Ihre Kleinbürger empfunden. Von da an mögen Sie bis in alle Ewigkeit in Isolationshaft leben, fern ab von aller öffentlicher Aufmerksamkeit.&gt;</em></p>
<p>Die mir anempfohlene Isolationshaft zeigt, wie sehr wir auch in älteren Rundschau-Artikeln  (&#8220;linken&#8221;  Sie sich doch bitte im Folgenden mal durch) recht haben &#8211; jedoch ist die Scharia hierzulande (noch) nicht in unser Rechtssystem eingeführt!<span id="more-6527"></span></p>
<p>Die Debatte um die Integration geht nach  jüngsten Äußerungen von vielen Menschen und Politikern unvermittelt heftig weiter. Wir setzen uns pointiert mit der Haltung der Kleinbürger gegenüber dem Islam auseinander und sagen, wo Sarrazin Recht hat: &#8220;Die &#8216;anständigen Deutschen&#8217; fühlen sich ignoriert, missachtet und übergangen.&#8221;</p>
<p>Wer hat eigentlich Deutschland aufgebaut? Das Deutschland, in dem Wirtschaftswunder und Demokratiewunder gleichzeitig, ja gemeinsam Karriere machten; das Deutschland auch, das in der ganzen Welt als politisch, kulturell und finanziell großzügige Nation wahrgenommen wird; das Deutschland der vergangenen 61 Jahre; das Deutschland von heute.</p>
<p>Waren es nicht die kleinen Leute, die dieses Deutschland aus der Taufe gehoben haben und seitdem als dessen Paten dafür einstehen – mit ihrem Fleiß, ihrem Pflichtbewusstsein, ihrer Ordnungsliebe, vor allem auch mit ihrem ganz normalen Gemeinsinn nach innen wie nach außen? Garantieren nicht diese Kleinbürger und ihr kleiner Wohlstand den Erfolg der ersten gesicherten deutschen Demokratie? Haben nicht vor allem sie für dieses Deutschland gearbeitet, geschuftet und sogar gestritten, ohne dabei viel Aufheben von sich selbst zu machen?</p>
<p>Einfache Leute, kleine Leute, Kleinbürger, oft und gern als Spießbürger verächtlich gemacht – um sie geht es in diesem deutschen Herbst: Zu Tausenden, zu Hundertausenden melden sie sich plötzlich zu Wort, nachdem Thilo Sarrazin eine Bresche für sie geschlagen hat. Es sind Spießer, die morgens eilig zur Arbeit gehen, nachdem sie ihre Kinder in die Schule gebracht haben; die sich am Tag mit der Zeitung und am Abend beim Fernsehen ihre Meinung bilden über die öffentlichen Angelegenheiten; die sich sonntags im städtischen Park ergehen und sommers am nahen See; die danach ordentlich die Abfälle ihres Picknicks zusammenräumen und entsorgen.</p>
<p>Auffällig geworden sind diese kleinen Deutschen bislang nie, darum auch nicht nennenswert erschienen für Politik und Publizistik, wenngleich ihnen Martin Walser, der Honoré de Balzac unserer Tage, in seinem Werk manch wunderbare Passage gewidmet hat. Diese Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen Jahrzehnten einfach nur still funktioniert. Und ebenso still ihre Stimme abgegeben: für SPD oder CDU/CSU oder FDP; nach dem Schock der 68er, denen sie zunächst nur erschrocken zuschauten, wählen sie mittlerweile auch die Grünen – neuerdings sogar die Linke.</p>
<p>Ja, die Kleinbürger sind Deutschlands Glück! Seit mehr als zwei Generationen. Das große Glück des Landes wurzelt im kleinen Glück seiner Bürger.</p>
<p>Haben nicht auch die Intellektuellen, die politischen Denker und Literaten, die Maler und Musiker und Theaterleute die deutsche Demokratie aufgebaut und befestigt? Sie verliehen ihr den Glanz, sie verdeutschten die Gedanken von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat. Sie dachten vor und sie dachten nach. Mit publizistischem Bienenfleiß befruchteten sie das politische Sehen und Denken. Ein vielstimmiges Summen erfüllte Deutschland – nach 1949, nach 1968, auch nach 1989. Vor allem nach 1989!</p>
<p>Nun hat einer aus diesen Gefilden ein Buch geschrieben und aufgedeckt, wie zerrissen die deutsche Gesellschaft ist: Hier die Elite, die sich auch selber gern so bezeichnet. Sie ist gegen Sarrazin. Und dort die Spießer, als die sie von der Elite gern bezeichnet werden. Sie sind für Sarrazin.</p>
<p>Was ist geschehen? Nichts ist geschehen. Und gerade darum ist etwas passiert: Die „anständigen Deutschen“ fühlen sich ignoriert, missachtet, übergangen, rechts und links liegen gelassen. Zu Unrecht? Zu Recht? Jedenfalls sehen sie es so, spüren sie es so, ist es für sie so: Allzu lange mussten sie zur Kenntnis nehmen, wie der Multikultikult aus den Migranten eine Art bessere Deutsche machte – unspießige Deutsche, weil „so erfrischend anders“, interessante Deutsche, weil aus fremden Welten, sympathische Deutsche, weil arm, weil ungebildet, weil ganz unten angesiedelt in der gesellschaftlichen Hierarchie, weil Opfer des Bösen in dieser globalisierten Welt, weil Opfer insbesondere eines brutal auf wirtschaftliche Effizienz dressierten Deutschland. Die Heilige Jungfrau dieser heiligen Einfalt ist Claudia Roth.</p>
<p>Zwar wird die Chancenlosigkeit der Migrantenkinder in den Schulen zu Recht beklagt. Nicht beklagt dagegen wird die Chancenlosigkeit deutschsprachiger Schülerinnen und Schüler, die als Minderheit, oft genug als verschwindende Minderheit in vielen Schulklassen um entscheidende frühe Entwicklungserfolge gebracht sind. Meist kämpfen die Eltern dieser Kinder vergebens um ein Plätzchen in sprachkulturell einigermaßen ausgewogenen Schulklassen. Wer es sich leisten kann, rettet sein Kind in die Privatschule. Den meisten aber fehlt dazu das Geld.</p>
<p>Und natürlich machen sich Deutschlands Spießer darüber ihre Gedanken. Da es sich bei den Erfolglosen unter den Migrantenkindern auffällig oft um Abkömmlinge der muslimischen Kultur handelt, verfestigt sich der Eindruck: Es muss an der Religion liegen – an dieser Religion!</p>
<p>Dies auch nur zu denken aber ist ein Verstoß gegen die guten Sitten etablierter Politik und Publizistik. Dort gilt die Doktrin: Der Islam ist eine Religion wie jede andere. Und also verweigerte sich Deutschlands linksliberales Establishment hartnäckig der Einsicht, dass es sich beim Islam um eine verspätete Religion handelt, die ihre archaischen Wertvorstellungen per Migration in den deutschen Alltag trägt, jeden Versuch zur Emanzipation ihrer Mädchen und Frauen unterdrückt und deshalb auch ihre Knaben und Männer in der Selbstfindung behindert. Aber den Islam als Feind der offenen Gesellschaft zu sehen, ihn konsequenterweise zu bekämpfen- das durfte und darf kein Thema sein.</p>
<p>Auch Ahnungslosigkeit spielt da wohl mit, genährt vom Ökumenedenken der christlichen Konfessionen. Ferner gibt es ernste Gründe, sehr deutsche Gründe: den Kulturkampf im 19. Jahrhundert zum Beispiel, vor allem aber die Vernichtung der Juden durch die Nazis.</p>
<p>Die von islamischen Verbänden geschickt inszenierte Gleichsetzung der Islamkritik mit Antisemitismus ist jedoch ebenso paradox wie absurd, gleichzeitig aber auch erhellend: Die Juden wurden von den Antisemiten aus der Bürgergesellschaft ausgegrenzt, von den Nazis um alle Rechte gebracht und ermordet. Die Muslime dagegen werden gedrängt, die bürgerlichen Rechte &#8211; bitte, bitte! &#8211; anzunehmen, und die bürgerlichen Pflichten &#8211; bitte, bitte! &#8211; zu befolgen. Die freieste deutsche Gesellschaft, die es je gab, würde sie ihnen nur allzu gern gewähren: Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat, vor allem Gleichberechtigung für ihre Frauen &#8211; und für ihre Jugend Koedukation statt Koran, Schulbildung statt Scharia.</p>
<p>Die Befreiung von den Fesseln ihrer eigenen Religionskultur ist das große Problem allzu vieler muslimischer Migranten. Sie ist ihre Bringschuld gegenüber der deutschen Bürgerschaft.</p>
<p>Wie soll ein braver, kleiner deutscher Demokrat die Verweigerung von Freiheit, von Gleichberechtigung, von Emanzipation begreifen? Die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik haben gelernt, dass das Grundgesetz die höchsten Werte europäischer Kultur verkörpert. Die Aufklärung! Die Menschenrechte! Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Haben die Spießer nicht von Politikern und Publizisten eingebläut bekommen, dass Deutschland nie mehr von diesen Werten lassen darf? Verfassungspatrioten sollen sie sein &#8211; auf alle Zeit. Nur: Muss das nicht auch für Einwanderer gelten? Und zwar vom ersten Tag an?</p>
<p>Doch man gewährt stillschweigend Ausnahmen: Kopftuchausnahmen, Burkaausnahmen, Zwangsverheiratungsausnahmen, Züchtigungsausnahmen, Frauenunterdrückungsausnahmen &#8211; <a href="http://www.rundschau-hd.de/archives/666/">Multikulturismus als Rassismus der Antirassisten</a>?</p>
<p>Der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble ließ sich – natürlich im Geiste des Grundgesetzes – dazu herbei, über Ausnahmen in einer fest installierten Islamkonferenz zu diskutieren. Die islamischen Verbände verhandelten auf Augenhöhe mit der Bundesregierung! Wann wäre den ganz gewöhnlich tüchtigen Deutschen je so viel Aufmerksamkeit widerfahren? Den ganz gewöhnlich tüchtigen türkischen Deutschen? Den ganz gewöhnlich tüchtigen persischen Deutschen? Arabischen Deutschen? Indischen oder pakistanischen Deutschen? Oder den überaus tüchtigen fernöstlichen Migranten? Wann wurden die Menschen, die das Land still und willig voranbringen, jemals zu solchen Ehren erhoben? Für sie gibt es den Tag der offenen Tür im Kanzleramt. Mit Würstchen. Und Senf.</p>
<p>Der neue Innenminister Thomas de Maizière verstieg sich gar zu dem Bekenntnis: „Der Islam ist uns willkommen.“ Nicht die Muslime, nicht die Menschen hieß er willkommen. Nein, die Religion – mitsamt ihrem demokratiefremden Gesetzeskanon aus Koran, Scharia und Überlieferungen.</p>
<p>Wie aber reden und schreiben Politiker und Publizisten über das Volk, das sich plötzlich so aufsässig bemerkbar macht? Sie nennen es „die Menschen draußen im Lande“. Wir drinnen, ihr draußen, fern von uns, dort, wo unsere Weisheit leider nicht immer ankommt – und wenn sie denn trotzdem ankommt, nicht verstanden wird!</p>
<p>Dieses ferne Volk ist derzeit offenbar nicht ganz bei Trost, wie der Spiegel gleich auf dem Titelbild seiner Sarrazin-Nummer klarmachte: „Warum so viele Deutsche einem Provokateur verfallen“. Verfallen! Wie die Kinder von Hameln dem Rattenfänger. Auch eine Karikatur mit diesem Sujet war in Sachen Sarrazin bereits zu sehen. Um mündige Bürger, die sich ihre eigene Meinung zu bilden imstande sind, kann es sich bei seinen Anhängern jedenfalls kaum handeln. Darum wird jetzt auch gewarnt davor, das Buch des Ketzers überhaupt zu diskutieren.</p>
<p>Im Stern kam Hans-Ulrich Jörges, wendiger Wöchner des Berliner Kreißsaals, mit folgendem Satz nieder: „Der Fall Sarrazin ist der größte mediale Kollateralschaden, an den ich mich erinnern kann.“ Wäre es nach ihm gegangen, hätte es in Bild und Spiegel keinen Vorabdruck der Sarrazin-Thesen gegeben, keinen „wahnhaften Hype“. Am besten hätte man das Sudelbuch gar nicht erst erwähnt, allenfalls zur Besänftigung des Publikums. In der Zeit rechtfertigte sich Chefredakteur Giovanni di Lorenzo dafür, „Thilo Sarrazin und seinem Buch einen Gefallen“ getan zu haben, indem man dessen Thesen diskutierte.</p>
<p>Doch was nicht geschehen durfte, ist nun passiert. Deutschland debattiert. Und zwar nicht, wie gewöhnlich, die selbst ernannte Elite unter sich und ganz hoch droben, sondern die Bürgerinnen und Bürger ganz tief unten. Der Pöbel diskutiert. Das ist der Gipfel!</p>
<p>Wer aber wäre nun gefordert, den Menschen eine Antwort zu erteilen, die da so plötzlich, so ungeplant und so unbotmäßig auf den Plan getreten sind? Die Sozialdemokraten! Ehedem politischer Arm der Arbeiterbewegung, heute bürgerlich arriviert, wären sie die klassischen Hüter der demokratischen Kultur. Traditionell richten sie sich gegen das „Laisser-faire“. Dem engagierten Sozialdemokraten und linken Bürger war einst die strenge Lebensregel heilig: acht Stunden arbeiten, acht Stunden lesen, acht Stunden schlafen.</p>
<p>Die alte sozialdemokratische Strenge steckt noch immer in vielen Bürgerköpfen. Auch eine weitere &#8211; spießige Lebenslosung hat in diesem Milieu ihre Gültigkeit bewahrt: „Schaffe, schaffe, Häusle baue!“</p>
<p>Wer seinen Alltag so sehr auf Tüchtigkeit baut, in dessen Ohren klingt es seltsam, wenn er von seinen Politikern hört: „Die Migranten bereichern uns.“ Mit diesem putzigen Klischee verweigerte sich die demokratische Linke in nahezu allen westeuropäischen Ländern ihrer aufklärerischen Pflicht: aus Drittweltromantik, aus elitärer Lust am pittoresken Multikulti, aus paternalistisch motivierter Fürsorge für die armen Ausgebeuteten.</p>
<p>Aus scheinbar moralisch allerbesten Gründen gab man sich dem Kulturrelativismus hin. Menschenrechte erschienen zunehmend als eurozentrisch, also kolonialistisch und imperialistisch. Es galt: andere Kulturen, andere Sitten. Die Frauenunterdrückung durch den archaisch belasteten Islam – Ausdruck anderer Kultur. Die Apartheid für Hunderte Millionen Musliminnen in aller Welt – Ausdruck anderer Sitten.</p>
<p>Der linke Blick in die weite Welt blieb verklärt an Figuren haften, die mit Revolution viel, mit Freiheit dagegen nichts am Hut hatten. Der südamerikanische Linkspopulist Chávez umarmt den iranischen Holocaust-Leugner Ahmadinedschad – und kein Linker oder Grüner regt sich darüber auf. Im Iran soll eine Frau wegen Mord an ihrem Ehemann gesteinigt werden, neuerdings nur noch erhängt; vorher aber erhält sie 99 Peitschenhiebe, weil eine englische Zeitung sie angeblich ohne Kopftuch abgebildet hat. Protestdemonstrationen vor den iranischen Botschaften Europas? Keine Spur: In Berlin und Potsdam demonstriert die Linke gegen Sarrazin.</p>
<p>In Genf gelang es Tariq Ramadan, Star der europäischen Muslimszene und Liebling linker Kulturrelativisten, die Aufführung eines <a href="http://www.rundschau-hd.de/archives/181/">Stücks von Voltaire </a>wegen angeblicher Islamfeindlichkeit zu verhindern &#8211; unter den wohlwollenden Blicken von Sozialdemokraten und Liberalen. Des Abendlandes radikalster Aufklärer fällt islamistischem Obskurantismus zum Opfer &#8211; ohne Widerstand der „Multikultis“.</p>
<p>Und, zu guter Letzt, die Burka? Wird doch freiwillig getragen, ja geradezu als Symbol der Religionsfreiheit.<br />
Wer sich nun aber über eine derart krude Logik empört, wird aus der üblichen  Ecke der „Islamophobie“ bezichtigt, der nur noch psychiatrisch beizukommen sei. Wer Mädchen von der Kopftuchpflicht befreien möchte, gilt schlicht als intolerant. Hierzulande nämlich werden Reservate für religiös-autoritäre Riten und Regeln des Migrantenislam gefälligst zumindest geduldet …</p>
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		<title>Utopie des Glücks als Hoffnung für morgen. Die Bergpredigt &#8211; wie wir sie verstehen &#8211; zu Sylvester 2011 / 2012</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:55:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir haben vor wenigen Minuten das Jahr 2011 verlassen und wollen nun &#8211; „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ &#8211; den phantastischen Gegenwelten utopischen Denkens nachgehen und sie auf ihre Brauchbarkeit für das Hier und Jetzt befragen. Das Kunstwort Utopie setzt sich zusammen aus der griechischen Verneinungsform ou (für nicht oder kein) und dem latinisierten griechischen Wort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben vor wenigen Minuten das Jahr 2011 verlassen und wollen nun &#8211; „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ &#8211; den phantastischen Gegenwelten utopischen Denkens nachgehen und sie auf ihre Brauchbarkeit für das Hier und Jetzt befragen.</p>
<p><span id="more-7088"></span>Das Kunstwort Utopie setzt sich zusammen aus der griechischen Verneinungsform ou (für nicht oder kein) und dem latinisierten griechischen Wort topos (für Ort, Gegend). Wörtlich übersetzt hieße Utopie also „Nichtort“. Gemeint hat man damit seit den Zeiten des Staatstheoretikers Thomas Morus (England, 16. Jahrhundert) einen Ort, nicht von dieser, sondern in einer anderen, einer besseren Welt.</p>
<p>Wir haben vor wenigen Minuten das Jahr 2011 verlassen und wollen nun &#8211; „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ &#8211; den phantastischen Gegenwelten utopischen Denkens nachgehen und sie auf ihre Brauchbarkeit für das Hier und Jetzt befragen. Grundlage unserer Erkundung sind uns Quellentexten zur Utopie, wie sie sich seit dem 16. Jahrhundert als Staatsutopie entwickelt hat, sowie ihren alttestamentarischen und antiken Vorformen bis hin zu ihrer modernen Abart im Roman des 20. Jahrhunderts.<br />
Es werden Immer mehr Menschen, die resignieren, die alle Utopien und jede Hoffnung fahren lassen, die meinen, sie würden „doch sowieso“ an der Realität zerschellen.</p>
<p>Aber, ist es nicht doch eigentlich so, dass nur wer Unmögliches will, das Potential des Möglichen auszuschöpfen in der Lage ist?<br />
Wahrlich: Wehe einer Welt ohne realitätsüberschreitende Utopien! Wehe einer Welt ohne realitätsanerkennende Analyse!</p>
<p>In den Sprüchen Salomos lesen wir: „Wo keine Verheißung ist, wird das Volk wüst und wild; aber wohl dem, der auf die Weisung achtet!“  Die da immer nur das (was immer das auch sein) „Gute“ wollen, verfehlen doch beinahe zwangsläufig das Bessere. Wer aber das Wirkliche mit dem Möglichen verwechselt, betrügt sich um die Perspektive. Wer nämlich nicht zu überschreiten bereit ist, was ist, wiederholt stets das, was schon war.</p>
<p>Wir dürfen den Bergprediger als einen Wegbereiter in eine neue Welt verstehen, der Mut macht, nicht stets das zu wiederholen, was schon war, und nicht erneut mit aller Kraft in Sackgassen zu rennen, sondern den „neuen Weg“ auch wirklich zu wagen.</p>
<p>Da setzt er sich auf einen Hügel. An den Ufern des Sees Genezareth. Am Horizont erscheint die Stadt Tiberias, genannt nach dem römischen Kaiser Tiberius. Jesus spricht in einem besetzten Land.</p>
<p>Die Bergpredigt fordert keine Duldermoral. Sie ist dem Glück der anderen verpflichtet. Zunächst acht Preisungen, Glücksversprechungen für Menschen, die anders leben, denken und fühlen, als es die Gewalt-Konkurrenz-Welt ihnen vorschreibt, Menschen, die aus Mitgefühl für andere leben. Ein Text für Verlierer – sofern man sich der Gewaltlogik der römischen Zentralgewalt oder der Vergeltungslogik der „Barrabas-Terroristen“ unterwirft.</p>
<p>Die Sanftmütigen, Gerechtigkeits-Hungernden, die Barmherzigen, die Offenherzigen, die Friedfertigen werden gepriesen. Und es wird ihnen Gelingen zugesprochen – Verfolgtwerden und Scheitern wird zwar nicht verschwiegen. Aber, wer so zu leben versteht, der wird „Salz der Erde“, „Licht der Welt“ genannt. Wer so zu leben versteht, dessen „Licht soll leuchten vor den Menschen“. Ausdrücklich warnt der Bergprediger vor dem Schätzesammeln und der Sorge, vor der Illusion, durch mehr Dinge mehr Leben zu bekommen. Man kann nicht zwei Herren dienen, sondern nur einem; man könne nicht (seis mal drum) Gott und dem Geld dienen.</p>
<p>Die Grundsorge des Menschen um Essen, Trinken und Kleidung wird ernst genommen, aber nicht so wichtig, dass man damit täglich seine Gedanken- und Gefühlswelt besetzt, sich von Sorge zerfressen läßt, sondern in jener vertrauensvollen Kreatürlichkeit lebt, dass die Erde genug hat – genug hätte jedenfalls – für jeden. So, wie die Lilien auf dem Felde selbstverständlich leben, aufwachsen, blühen und verwelken! Lernt von den Vögeln am Himmel! Lernt von den winzigen, emsigen, fröhlich schilpenden Sperlingen!</p>
<p>Nach der neuen Gerechtigkeit, nach dem großen Ziel des humanen Ausgleichs zwischen allen zu trachten, nach der vollendeten, nach der installierten Gerechtigkeit, in der jeder das Seine tut und jeder das Seine bekommt; wo alle auf dieses große Ziel hin leben, werden auch die kleinen Dinge uns zufallen. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles (was ihr täglich zum Leben braucht) zufallen.“ Leistungsgerechtigkeit und Bedarfsgerechtigkeit sind dort keine Gegensätze mehr.</p>
<p>Lebt nicht sorglos in den Tag – aber lebt ohne Sorge vor dem morgigen den heutigen Tag, ganz und gar. Freut euch an ihm und trefft in eurem Handeln Vorsorge, daß es den nächsten Tag geben kann. In großem Zutrauen.</p>
<p>Die Lebenshaltung, die aus der Bergpredigt spricht, geht den Lebenshandlungen voraus. Wer sie auf einen Moralkatalog hochfahrender Sätze reduziert, hat dies nicht verstanden. Leben, das sich selbst gewinnen will, ist etwas anders als Leben, das auf einen Gewinn orientiert ist. Die Bergpredigt schärft ein, daß man nicht nur für sich selber (und in sich selber) ein „guter Mensch“ sein kann, sondern alles auf das verändernde Handeln von veränderten Menschen zielt. Keine Duldermoral von schlachtbereiten Schafen, sondern sensible, mitempfindende Aktivität, die sich das Leid anderer etwas angehen läßt, die dem Glück der anderen verpflichtet ist – aus einer Haltung inneren Glücks bei allem, was ein Mensch &#8211; Atheist oder Gläubiger &#8211; tut.</p>
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		<title>&#8220;Die Bibel und ich&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 22:55:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Befolgte man wörtlich in 387 Tagen alle rund 800 Gebote der Bibel &#8211; was würde da mit uns geschehen? Der amerikanische Journalist A. J. Jacobs hat den spannenden Selbstversuch dokumentiert. Die pinkfarbene Banderole des Verlages macht deutlich: Dieses dicke schwarze Buch will Satire sein, ist es &#8211; und zugleich eine kluge Religionskritik und ein intellektuelles [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Befolgte man wörtlich  in 387 Tagen alle rund 800 Gebote der Bibel &#8211; was würde da mit uns geschehen? Der amerikanische Journalist A. J. Jacobs hat den spannenden Selbstversuch dokumentiert. Die pinkfarbene Banderole des Verlages macht deutlich: Dieses dicke schwarze Buch will Satire sein, ist es &#8211; und zugleich eine kluge Religionskritik und ein intellektuelles Lesevergnügen.<span id="more-2916"></span><br />
Verschiedene Fotos des Autors verändern ihn &#8211; optisch etwa von einem &#8220;normal&#8221; aussehenden Menschen zu einer rauschebärtigen Prophetengestalt in weißem Kaftan und Sandalen, der in ein Widderhorn bläst. A. J. Jacobs ist Ende 30, verheiratet, hat ein Kind, lebt in New York, ist Redakteur beim &#8220;Esquire&#8221; und hat nach seinem Bestseller-Erfolg &#8220;Die Enzyklopädia Britannica und ich&#8221; nun einen weitaus spannenderen Selbstversuch dokumentiert: In 387 Tagen alle rund 800 Gebote der Bibel wortwörtlich zu befolgen.</p>
<p>Läuft das auf billiges &#8220;Fundi-Bashing&#8221; hinaus? Tut es nicht, wenngleich die Absurdität des Glaubens von ultra-orthodoxen Juden und konservativen Evangelikalen offengelegt und lächerlich gemacht wird, indem man wie der Autor ihn wirklich mal praktizierte, also Ehebrecher steinigte, Schwule verdammte, keine Sitzmöbel benutzt, auf denen eine menstruierende Frau gesessen hat, keine Textilien aus Mischgewebe trägt und hunderterlei Speisevorschriften einhält.</p>
<p>A. J. Jacobsbeweist sichn hier als ein intellektueller Agnostiker und säkularisierter Jude, der unvoreingenommen herausfinden will, warum diese Sammlung von 66 Büchern und Briefen aus Judentum und Christentum seit zwei Jahrtausenden d a s religiöse und moralische Grunddokument der westlichen Welt ist.</p>
<p>Mit hohem Respekt und streng wissenschaftlicher Akribie geht er dabei zu Werke: Er liest die Bibel in zahllosen Übersetzungen, studiert die einschlägige Sekundärliteratur, übt sich in Methoden der Exegese und Hermeneutik, lässt sich von renommierten Theologen beraten, reist zu den Amish People in Kentucky, zu ultraorthodoxen Israelis nach Jerusalem, zu Zeugen Jehovas, zu evangelikalen Kreationisten und chassidischen Derwischen, er besucht konservative Fernsehprediger in ihren Megakirchen, charismatische Wundergläubige und liberale Sozialreformer in ihren Hauskreisen.</p>
<p>So etwas geriete manch deutschem Journalisten zu einem zynischen Zoobesuch im Oberlehrerton, inklusive Grusel- und Lachfaktor. A. J. Jacobs dagegen beschreibt solche Erkundungen in fremde Geistesbiotope als eine grundehrliche, anrührende Reise ins eigene Ich:</p>
<p>&#8220;Mein Gott ist unpersönlich. Es ist der Gott Spinozas. Oder der Gott Paul Tillichs, des protestantischen Theologen, der ihn als Grund-des-Seins verstand. Eine unbestimmte, alles durchdringende Macht. Mein Gott ist nicht jener Gott der Bibel, der interaktiv belohnt und straft, liebt und hasst, mit den Menschen streitet und feilscht. Ich weiß nicht mal, ob er schlechte Laune kennt. Ob ich dem waren Gott der Bibel in diesem Jahr näherkomme?</p>
<p>Die Theorie der kognitiven Dissonanz lehrt, dass sich die Überzeugungen eines Menschen früher oder später seinem Verhalten anpassen. Wenn ich mich monatelang wie ein gläubiger, gottliebender Mensch verhalte, werde ich vielleicht irgendwann ein gläubiger, gottliebender Mensch. Darum will ich Gott jetzt bitten. Aber ich habe mein Lebtag noch nie gebetet. Verstoße ich gegen das dritte Gebot, den Namen des Herrn nicht zu missbrauchen, wenn ich die heiligen Worte noch nicht glaube, die ich jetzt spreche?&#8221;</p>
<p>Jacobs erzählt mit der entwaffnenden Offenheit eines New Yorkers von Hormonbehandlungen, künstlicher Befruchtung und der Zwillings-Schwangerschaft seiner Frau Julie. Von Verwandschaftskonflikten, Ehekrächen und Erziehungsproblemen infolge seines Bibel-Experiments. Vom Staunen über die Weisheit und menschenfreundliche Lebensklugheit vieler Gebote. Von beeindruckenden Menschen, deren Überzeugung er nicht teilt. Und von Überzeugungen, die ihn beeindruckt haben. Die der liberalen, sozialpolitisch engagierte Evangelikalen um Tony Campolo und Jim Wallis zum Beispiel.</p>
<p>&#8220;Die Bibel hat meine Ehrfurcht vor dem Leben noch gesteigert. Schon auf der Hälfte meiner Reise wurde mir klar, wie sehr sich meine Geisteshaltung verändert hatte. Ich glaube nicht unbedingt an einen Gott, doch ich glaube, dass manche Dinge heilig sind. Das Leben, der Sabbat, das Gebet. Es gibt etwas Transzendentes, das über den schnöden Alltag hinausreicht. Wenn ich in meinem Bibeljahr eins gelernt habe, dann dies: Mich in meinen Entscheidungen auf das Wesentliche zu beschränken.&#8221;</p>
<p>Mitten hinein in die hierzulande oft verbissen und erdenschwer geführte Debatte zwischen Atheisten, Christen und Juden kommt &#8220;Die Bibel und ich&#8221; von A. J. Jacobs als eine amüsante Gesellschaftssatire, eine kluge Religionskritik und ein intellektuelles Lesevergnügen gerade rechtzeitig.</p>
<p>Und, zu guter Letzt, lesen wir doch mal in der Bergpredigt, Matthäus 7: «Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.» Das ist doch allemall eine gute Voraussetzung für <a href="http://www.youtube.com/watch?v=B5MkpzMAOZM&amp;eurl=http%3A%2F%2Fwww%2Eshakespeare%2Dand%2Dmore%2Ecom%2Fblog%2F2008%2F11%2Fj%2Djacobs%2Ddie%2Dbibel%2Dund%2Dich%2Ehtml&amp;feature=player_embedded">Jacobs&#8217; Bibelprojekt</a>.</p>
<p><em>A. J. Jacobs: Die Bibel und ich. Von einem, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen<br />
Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr<br />
Ullstein Verlag 2008</em><br />
431 Seiten, 19, 90 Euro</p>
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		<title>Silvester: Nicht ohne &#8220;Dinner For One&#8221;!</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 07:35:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nonsens vom Feinsten in der Rundschau Kritik Wie alle bedeutenden Stücke Drama, ist auch &#8220;Dinner For One&#8221;  an Facetten ungemein reich. Allein die Vielzahl unterschiedlicher Interpretationen zeigt, wie in jedem Betrachter eine Saite zum Schwingen, eine andere zum Schweigen gebracht wird. Auf diesem 90. Geburtstag der Miss Sophie gibt es nichts Letzthinniges und nichts Ein-für-Allemaliges, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nonsens vom Feinsten in der Rundschau Kritik</strong></p>
<p><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/12/weg-da-du-da.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7077" title="weg da, du da" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/12/weg-da-du-da.jpg" alt="" width="150" height="187" /></a>Wie alle bedeutenden Stücke Drama, ist auch &#8220;Dinner For One&#8221;  an Facetten ungemein reich. Allein die Vielzahl unterschiedlicher Interpretationen zeigt, wie in jedem Betrachter eine Saite zum Schwingen, eine andere zum Schweigen gebracht wird.</p>
<p>Auf diesem 90. Geburtstag der Miss Sophie gibt es nichts Letzthinniges und nichts Ein-für-Allemaliges, und wenn die überwiegende Mehrzahl der Kunstsachverständigen, Essayisten und Liebhaber, die Interesse an einer Kategorisierung des Gesamtstückes oder an einer Analyse einzelner Komponenten haben, für ihre Varianten jeweils Alleinvertretungsansprüche geltend machen, dann ist das erschütternd-bedauerlich.<span id="more-7068"></span></p>
<div id="attachment_7072" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/12/dinner-for-one.jpg"><img class="size-full wp-image-7072" title="dinner for one" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/12/dinner-for-one.jpg" alt="" width="250" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Well - I´ll do my very best!&quot;</p></div>
<p>Wiewohl wir nun im folgenden durchaus mit dem Butler (Freddie Frinton gibt ihn unnachahmlich) mitzuhalten versuchen und unsere Interpretationsansätze durchaus auch von gutem Wein begleiten lassen, wollen wir dem Betrachter weder dies mitzutun, noch ein bestimmtes Verständnis vorschreiben.</p>
<p>Wenn wir dabei auf einen wissenschaftlichen Anmerkungsapparat verzichten, tun wir das für diesmal der besseren Lesbarkeit wegen ebenso nicht, wie Verzicht zu üben auf die Darstellung einiger eher abseitiger Lesarten, die nur für Experten von Interesse wären. Lediglich sei hier die Polemik einiger selbsternannter Gourmets erwähnt, welche die Zusammenstellung des Menus kritisieren, vornehmlich die Kombination von Huhn und Champagner.  Ein Stück, das solche gastrosophischen Verbrechen auf die Bühne bringe, könne nichts wert sein? Diese Kritiker haben offenbar ihre Identitätsbildung so entschieden hochgezüchtet, daß sie &#8211; pardon &#8211; offenbar schon wieder auf den guten,  albernen Pawlowschen Hund gekommen zu sein scheinen.</p>
<p><strong>Lehrstick oder Slapstück?</strong></p>
<p>Weder noch, hier lassen sich zwei Richtungen fühlen: ein Lehrstück fast im Sinne Brechts, das, um die &#8211; oder irgendeine &#8211; Situation, Problematik oder Lösung herauszuarbeiten, die Mittel der Farce einsetzt: von Elementen des Slapstücks (Butler James trinkt Blumenwasser), bis hin zu jener Distanzierung des Schauspielers von der Rolle, die sich so fassen lässt, dass er im Verlauf deutlich sichtbar in die Rollen der vier abwesenden Personen schlüpft. Aus gestalttherapeutischer Sicht heraus betrachtet, bietet dieser 90. Geburtstag eine in sich geschlossene Realität.</p>
<p>Hier wird reine Form Inhalt, die Funktion der Darstellung ist hier einzig die Darstellung. Jede Frage nach einem überschreitenden Sinn würde in diesem Sinn selbst zu einer Farce.</p>
<p><strong>Lachen an und für sich</strong></p>
<p>Das zweifelsohne von allen Zuschauern ausgeübte Lachen mag als zeitgeistig coole Distanznahme im Sinne jener Studie über das Lachen verstanden werden, die zum Ergebnis kommt, das Lachen habe keinen größeren Feind als die Emotion. Hiernach wäre unser Lachen also nichts anderes als ein Aus-sich- und Aus-jenem-Herausgehen, das zu etwas sowohl führen will wie auch soll: zur Selbsterkenntnis oder zur Einsicht in die Dekadenz der alternden Oberschicht oder zu dem, was Eugène Ionesco dem Humor zumißt: &#8220;sich der Absurdität bewußt werden und doch in der Absurdität weiterleben&#8221;.</p>
<p>Auch,  dass dies Stück nicht mehr mit einer Differenz zwischen Sein und Sollen arbeitet &#8211; wohingegen ein ungenannt bleiben wollender Heidelberger Philosoph offenbar japanischer Abstammung in seiner unter dem Pseudonym &#8220;Tenno&#8221; veröffentlichten Arbeit über diesen 90. Geburtstag die Frage nach &#8220;Sein oder Haben?&#8221; vermißt, mithin ein Ideal weder propagiere noch fordere, darf wohl so verstanden werden, daß hier Lachen nur als Parodie auf das eigene Selbst gemeint sein könne &#8211; als sozusagen erkanntermaßen ritualisierter Effekt.</p>
<p><strong>Arrangement mit den Herrschenden</strong></p>
<p>Wir haben hier ein zutiefst klassenkämpferisches Portrait einer untergehenden Welt, einer ländlich-städtischen Mittelschicht nebst militärischem und couponschneidendem Anhang, die sich in ihrer Zukunftslosigkeit allenfalls noch an sinnentleerten Festen, am Alkohol und am Traumgebilde  einer längst vergangenen Vergangenheit festhalten kann. Dazu eine nicht minder dekadente Schicht dienender Berufe: der Butler James, entwürdigt von seiner Herrin bis hin zum &#8220;Letzten&#8221; &#8211; eine anglifizierte Variante des Woyzeck also -, der in all seiner Demütigung doch nur das Arrangement mit den Herrschenden sucht, ja nur noch suchen kann, und seinen Stolz unlöslich an die Rationalität des herrschaftlichen Wohlergehens in Börse, Tisch und Bett bindet.</p>
<p><strong>Seele baumelt? Analyse?</strong></p>
<p>Derweil bei etwa Goethe man sich über verschiedene analytische und psychiatrische Interpretationsweisen ja noch streiten könnte, ließe dies Dinner, solcherweise betrachtet, doch ausschließlich das klinische Lesen, Hören und Sehen insofern zu, als Madame vorgeführt werden in frei flottierender Angst mit hypochondrischen Neigungen. Es agieren hier Mischzustände von Wut, Ohnmacht und Hilflosigkeit, Angst vor Liebe ebenso, wie rasches Schwanken zwischen Idealisierung und Entwertung von Objekten. Und, wo die bedauernswerte Frau ihre Scheinwelt am Tisch nicht erkennt, verdrängt sie &#8211; was ja schlimmer ist als beinahe alles Andere.<br />
Und Butler James, der Spiegeltrinker, der sein überhöhtes Alkoholquantum gleichsam gleichmäßig über den Abend verteilt und weitgehend ohne größere Kontrollverluste zu sich nimmt? Ein Deltatyp, der zwangweise wie zwanghaft zugleich in die Situation des Gammatyps versetzt wird, in den Alkoholexzeß. Hier erleben wir einen Menschen, der unmittelbar an der Flasche am Vollbringen eines Selbstopfers zur Befriedigung kommt: an der Überwindung nämlich des Bedürfnisses nach Versagen im oralen Bereich. Eine gefährliche Methode im Gegensatz zu der meist gelebten Form klassischen Asketentums, innerhalb welcher Lust nicht aus der Versagung körperlicher als vielmehr aus der Opferung geistig-seelischer Bedürfnisse gewonnen wird.<br />
Auf also der Grenze zwischen Lehrstück und abgeschlossener Realität gelangen wir hier mit den Protagonisten  in die Rolle von vier vermutlich gestorbenen Personen, die erfolgreich ausgefüllt werden, um deren Welt zur Unsterblichkeit zu versteinern. Schauriger kann die apriorische Trostlosigkeit menschlicher Grundbefindlichkeit kaum deutlich gemacht werden: Kein Weg führt zum Du, keiner zu Sinn und Eigentlichkeit, es bleibt die Einzementierung ständigen Zerfließens in ein dennoch abgeschlossenes Ich in einer isolierenden Vorstellung von Welt, ein sich Überliefern an eine geronnene Aufenthaltslosigkeit.</p>
<p><strong>Des  Essens philosophischer Aspekt</strong></p>
<p>Betrachten wir den Text populärwissenschaftlich, so finden wir hier einen geprüften Willen zu gesellschaftlichem Sein des dem alles überhaupt keine Grenzen Setzenden. Und: Nehmen wir eine Bemerkung Ernst Blochs (Band 3, &#8220;Prinzip Hoffnung&#8221;) über die geglaubte Mechanik im Universum, die sich für ihn, gleichwohl ohne Spaß, wie auch ohne Pantheismus, aber dennoch befriedigend vollzieht, sind wir eher geneigt, in der &#8220;miss-sophischen Verstetigung“ ihrer Freunde einen so freilich nur in der Aristokratie, nicht aber dem bürgerlich geeinzelten Individuum möglichen objektiv-utopischen Vorgriff auf jene von Bloch bezeichnete So-Welt,  als Verschwinden sozusagen des Nichts im sozialistischen Bewußtsein zu sehen.<br />
Dem unüberschreitbaren Zwiespalt durch den  selbstaktiven und eigenkontrollierten Schritt über den Tigerkopf in eine systematische Besessenheit werden wir eine künftige Arbeit widmen.</p>
<p><strong>Emanzipatorische … </strong></p>
<p>Das Verhalten Miss Sophies ist als selbstbewußt-folgerichtiger Schritt zu einer  -  zwar &#8211; in die Jahre gekommenen, zum Selbstbewußtsein erwachten Frau zu verstehen, die Stellung bezieht gegen die Verderbnis und das Reguläre, gegen das Leben sowohl wie auch gegen den Tod, gegen den zu-fälligen (oder haben wir den Butler je fallen gesehen?) Verlauf, all der Drohungen, die einsickernde Perfidie gegen den langsamen Fraß innen und gegen das Verschlungenwerden von draußen. Eine Frau, die alle Enttäuschungsmöglichkeiten hinter sich läßt und auf das klägliche Bild verzichtet, das jene Bindung der Seelenphantasie an die empirische Mannes- oder überhaupt Menschenform, wie sie ja in der sogenannten Wirklichkeit vorkommt, bietet. Nur mehr einer mageren Kulisse bedürftig, die ihr Butler James mit seinen vier Rollen baut, erweist Miss Sophie sich erfolgreich in dem Versuch, einen nichtreligiösen Weg der Liebe zu einem Objekt herzustellen, dem sie sich ohne Beschädigung ihres Ichs, ja gleichsam in Verwirklichung ihrer Autonomie, ganz hingeben kann und &#8211; selbst aus strengst feministischer Sicht, der wir uns ausdrücklich nicht anschließen &#8211; wohl auch möchte dürfen können!</p>
<p><strong>… und komödiantische Aspekte</strong></p>
<p>Gegebenen Anlasses wegen sei hier direkt im Anschluß die Verwandtschaft des &#8220;Dinner For One&#8221; mit der Commedia dell&#8217;arte behandelt. Wir sehen hier einen Entstehungszusammenhang, ja eine &#8211; allenfalls durch Konzessionen an britische Mentalität abgemilderte &#8211; große Übereinstimmung. Wenngleich das Spiel als Spiel nicht durch Masken kenntlich gemacht wird, liegt hier dennoch fast ein (hassenswert wie all solches) Plagiat vor, jedenfalls ist die Rollenverteilung eindeutig: Butler James sei Brighella, Sir Toby Pulcinella, Admiral von Schneider der Capitano, Mr. Pommeroy Tartaglia, Mr. Winterbottom der Dottore, Miss Sophie hingegen &#8211; Frau natürlich &#8211; hat einen superben Hauch von Originalität.</p>
<p><strong>Das Dinner als Gesamtkunstwerk</strong></p>
<p>Was nun aber das Gesamtkunstwerk angeht, meinen wir, dass &#8211; vom Autor zwar wahrscheinlich ungewollt, aber eben darum ganz besonders ernst zu nehmen &#8211; dieser Text in seiner zumal technischen Reproduzierbarkeit, vergleichbar mit Anton Bruckners Generalpause zu interpretieren sein dürfte.<br />
Dies freilich erkennen zu können, setzt voraus jenes Stocken, das uns schwindelnd tragen soll über das Gewohnte hinweg; jener Rhythmus eines uns ureigenen Pulsierens, der nur in einer von allen Zufälligkeiten gereinigten Stille hörbar ist; der vordergründige Lärm, der hier &#8211; einem Saunagang vergleichbar &#8211; nichts anderes als sein Gegenteil herausarbeiten soll; die Bedingung der Möglichkeit zum In-Sich-Gehen also!</p>
<p>Dies alles dürfen wir Zusehenden  am Silvesterabend &#8211; bittet Euch <strong>Jürgen Gottschling</strong> &#8211; nicht vernichten durch vulgäres Lachen, käme dies auch noch so sardonisch oder gar (in memoriam Hans-Georg Gadamer) hermeneutisch verkleidet einher.</p>
<h2><em>Alle Sendetermine am 31. Dezember 2011:</em></h2>
<p><em><strong>15 Uhr 40 DAS ERSTE</strong></em></p>
<p><em><strong>18 Uhr 50 (Original) 21 Uhr 45 (Schweizer Version)  WDR</strong></em></p>
<p><em><strong>19 Uhr 40 und 23 Uhr 35 NDR</strong></em></p>
<p><em><strong>19 Uhr und  am I. Januar 2012 um 0 Uhr 05 BAYERN</strong></em></p>
<p><em><strong>19 Uhr und am 1. Januar 2012 um 3 Uhr 00 SWR/SR</strong></em></p>
<p><em><strong>14 Uhr 55 (Hessisch) 18 Uhr 40 (Hessisch) 21 Uhr 45 (Nordhessisch) HESSEN<br />
</strong></em></p>
<p><em><strong>19 Uhr 00 MDR</strong></em></p>
<p><strong>19 Uhr 05 RBB</strong></p>
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		<title>Ein Prosit auf 2011 &#8211; und auf die Gotteslästerung eines Stadtrates</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 23:01:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zum Jahreswechsel will ich mir mal was sagen: Wenn Du es unbedingt tun musst, dann tu es eben: Aber nein, sage ich  mir, ich muß ja nicht unbedingt. Also, ich will, auch wenn ich  nicht muss? Ich will gewollt haben, was ich muss! Oder will ich mir das Muss versüßen? Ja, ich habe recht, ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Jahreswechsel will ich mir mal was sagen: Wenn Du es unbedingt tun musst, dann tu es eben: Aber nein, sage ich  mir, ich muß ja nicht unbedingt. <span id="more-4077"></span>Also, ich will, auch wenn ich  nicht muss? Ich will gewollt haben, was ich muss! Oder will ich mir das Muss versüßen? Ja, ich habe recht, ich muss vermeiden, gemusst zu haben, ohne zu wollen! Und entgegne mir, man könne doch auch wollen, ohne zu müssen und müssen, ohne zu wollen. Was aber, frage ich mich nun doch erschrocken, ist mit dem Dürfen? Durfte (es geht mir nicht aus dem Sinn) Gemeinderat Lepanto (&#8220;Heidelberg pflegen und erhalten&#8221;) wollen,  Andersdenke der Gotteslästerung zu schmähen. Für mich &#8211; das gilt natürlich auch für ihn (wir kommen noch drauf, sage ich mir und ihm), der Regelfall ist, wollen, ohne zu dürfen, weil dürfen, ohne zu müssen, ist besser, als sollen, ohne zu wollen.. Also, nehmen wir einmal an, Du willst, sollst aber nicht, weil Du nicht darfst. Du musst, Du musst es lassen. Ich will aber! Warum? Weil ich nicht dürfen soll &#8211; deshalb? Neeeiiin …</p>
<p>Zeitungen von heute sind doch morgen Makulatur? Und übermorgen war morgen sowieso gestern. Gestern war gestern vorgestern, heute wird morgen vorgestern. Gestern war morgen heute. Morgen wird gestern vorgestern. Heute ist heute, ist heute, ist heute, derweil jetzt aber auch schon wieder vorbei ist. Immer! Mit diesen letzten Wahrheiten entläßt Sie ins Neue Jahr: <strong>Jürgen Gottschling </strong>und, nachträglich zu schlechter Letzt, sei jenem Heidelberger Gemeinderat  mit in die nächsten Jahre auf den Weg gegeben, dass er jene Gemeinderäte, die sich für einen Erweiterungsbau an die Heidelberger Stadthalle aussprechen, der Gotteslästerung bezichtigt, womit Wassili Lepanto &#8211; legte man seinen Maßstab an, ja aber selber Gotteslästerung betriebe? Betriebe? Betreibt!</p>
<p>Gehen wir aber mal zu seinen Gunsten davon aus, dass er nicht ganz bei Trost und ein wenig mehr als gar nicht meschugge ist. Womit mithin für ihn zu hoffen bliebe, dass bei ihm dann  der sogenannte Gotteslästerungsparagraph § 166 StGB  nicht greift und er sich somit nicht vor einem weltlichen Gericht für diesen Ausrutscher wird zu verantworten haben.</p>
<div id="attachment_6916" class="wp-caption alignright" style="width: 223px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/01/pfaffe-und-puppe.jpg"><img class="size-full wp-image-6916" title="pfaffe und puppe" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/01/pfaffe-und-puppe.jpg" alt="" width="213" height="212" /></a><p class="wp-caption-text">Wassili, mach Dich nicht unglücklich-Gott läßt sich nicht spotten …</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Merke: Kein Gott läßt sich instrumentalisieren &#8211; weder von Josef Ratzinger, noch von Wassili Lepanto. Das mußte nota bene übrigens unbedingt gesagt sein &#8211; das habe ich mir nämlich zum Jahreswechsel versprochen: &#8220;Wahrheit, auch ohne Vino … &#8221; &#8211; und, weil die desaströse Zusammensetzung des &#8220;Neuen&#8221; Gemeinderates gerade mal wieder insofern aktuell ist, als es Rätin Dorothea Paschen immerhin geschafft hat, Ingrid Thoms-Hoffmann zu veranlassen also zu schreiben: &#8220;Aber was tun, wenn sich einzelne dieser Stadträte geradezu der Lächerlichkeit preisgeben, wenn ihre Argumentation im wahrsten Wortsinn von allen guten Geistern verlassen ist? Tja, Ingrid, das wissen wir auch nicht. Dass aber die Zusammensetzung des Gemeinderates desaströs ist, das haben wir ja gleich nach der Wahl schon <a href="http://www.rundschau-hd.de/archives/3219/">prognostiziert</a>! Wie ungern behalten wir manchmal doch recht.</p>
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