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	<title>Neue Rundschau &#187; Wissenschaft &amp; Technik</title>
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		<title>Die Welt der Encyclopédie &#8211; &#8220;Bibel der Aufklärung&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 15:51:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Argusaugen beobachtete die deutsche Intelligenz vor 250 Jahren, was in Frankreich zum aufsehenerregendsten und größten Bucherfolg der Aufklärung werden sollte: das Erscheinen der Encyclopédie von Denis Diderot und Jean Le Rond d&#8217;Alembert. Die Weimarer Klassiker etwa erblickten in dieser Summe der französischen Aufklärung ein bloß sekundäres, ein wiederaufbereitetes Wissen, das die menschlichen Kenntnisse nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Argusaugen beobachtete die deutsche Intelligenz vor 250 Jahren, was in Frankreich zum aufsehenerregendsten und größten Bucherfolg der Aufklärung werden sollte: das Erscheinen der Encyclopédie von Denis Diderot und Jean Le Rond d&#8217;Alembert. Die Weimarer Klassiker etwa erblickten in dieser Summe der französischen Aufklärung ein bloß sekundäres, ein wiederaufbereitetes Wissen, das die menschlichen Kenntnisse nicht philosophisch begründet, sondern nur reproduziert, aufzählt. <span id="more-3326"></span></p>
<div id="attachment_7167" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2012/01/diderot.jpg"><img class="size-full wp-image-7167" title="diderot" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2012/01/diderot.jpg" alt="" width="250" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Während Denis Diderot (1713-84) in seiner skeptischen Periode noch ausgerufen hatte: »O Gott, ich weiß nicht, ob du bist, aber ich will in meinen Gesinnungen und Taten so verfahren, als ob du mich denken und handeln sähest,« erklärt er später: Es gibt nur ein einziges großes Individuum, das Weltall. Das Gehirn, ja die ganze Welt ist ein sich selbst spielendes Klavier. Die Natur bedarf keines persönlichen Gottes, ebensowenig wie der Mensch einer anderen Unsterblichkeit als des Fortlebens im Nachruhm.</p></div>
<p>Der Hofprediger Johann Gottfried Herder monierte 1769:<br />
<em>&#8220;Jetzt macht man schon Encyklopädien: ein D&#8217;Alembert und Diderot selbst lassen sich dazu herunter: und eben dies Buch, was den Franzosen ihr Triumph ist, ist für mich das erste Zeichen zu ihrem Verfall. Sie haben nichts zu schreiben und machen also Abregés, Dictionaires, Histoires, Vocabulaires, Esprits, Encyklopedien, u.s.w. Die Originalwerke fallen weg&#8221;.</em></p>
<p>Ähnlich nörgelte Herders Weimarer Mitbürger Goethe in der Farbenlehre über die Kerntruppe der französischen Aufklärer, die &#8220;Enzyklopädisten&#8221;:</p>
<p><em>&#8220;Da ein Lexikon so wie ein Compendium einer Erfahrungswissenschaft eigentlich nur eine Sammlung des kursierenden Wahren und Falschen ist, so wird man auch von dieser Gesellschaft nichts weiter erwarten&#8221;.</em></p>
<p>Solche Urteile freilich wurden dem enzyklopädischen Monument der französischen Aufklärung in keiner Weise gerecht; offensichtlich tat man sich im zeitgenössischen Deutschland schwer mit dem französischen Modell einer vorbehaltlosen Aufklärung in Form eines enzyklopädischen Wörterbuchs. Zwar wurden auch im Deutschland des 18. Jahrhunderts Enzyklopädien geschrieben: Zwischen 1732 und 1754, also schon vor der französischen Enzyklopädie, erschien Johann Heinrich Zedlers 64-bändiges Grosses vollständiges Universal-Lexicon, und in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurden gleich zwei Großprojekte initiiert: die Fragment gebliebene, sogenannte Deutsche Encyclopädie, die zwischen 1778 und 1807 in 23 Bänden erschien, und Johann Georg Krünitz&#8217; 247-bändige Oeconomisch-technische Encyclopädie, deren Fertigstellung nicht weniger als achtzig Jahre benötigte. Doch keines dieser deutschen Lexika, schon gar nicht die bürgerlichen Konversationslexika des 19. Jahrhunderts à la Brockhaus oder Meyer, keines hatte die moralische, politische und wissenschaftliche Sprengkraft der Enzyklopädie von Diderot und d&#8217;Alembert; keines ist so vorbehaltlos als universale Umsetzung des kritischen Programms der Aufklärung aufgetreten, und keines hatte eine so große wissenschaftliche und gesellschaftliche Wirkung.</p>
<p>Gerade diese Kompromisslosigkeit im Anspruch der Aufklärung aber ist es, die die französische Enzyklopädie 250 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes nunmehr auch in Deutschland feierlich erinnern läßt, mehr noch: ihr eine aktuelle Bedeutung verleiht. Kaum ein Forum könnte dazu geeigneter sein, als Hans Magnus Enzensbergers &#8220;Andere Bibliothek&#8221;. Unter dem Titel Die Welt der Encyclopédie wird hier die &#8220;Bibel der Aufklärung&#8221; für das 21. Jahrhundert wiederentdeckt. Offensichtlich geht es dabei weniger um die Form der Enzyklopädie, als vielmehr um ihr Programm: eben um die Aufklärung. Es ist, als sprängen vom alten, nicht gerade bescheidenen Anspruch der französischen Enzyklopädisten, mit einem Buch die Menschheit verbessern zu wollen, Funken in eine Gegenwart, der Wissen zur bloßen Information, Enzyklopädie zur Datenbank geworden ist. &#8220;Arche Noah in unserer Zeit der beliebig verfügbaren, verlinkten Information &#8211; Orakel auf unserem Weg durchs 21. Jahrhundert&#8221;, so beschwören die Herausgeber die Aktualität der Encyclopédie für unsere Gegenwart.</p>
<p><strong>Was aber ist diese &#8220;Welt der Encyclopédie&#8221;, und was kann sie uns heute bedeuten,</strong><strong> wenn wir sie nicht bloß ins Museum stellen wollen? </strong></p>
<div id="attachment_7178" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2012/01/aufgeklärt-aber-dann1.jpg"><img class="size-full wp-image-7178" title="aufgeklärt, aber dann" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2012/01/aufgeklärt-aber-dann1.jpg" alt="" width="250" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Nun also wären wir aufgeklärt: „Das Leben ist“, frei nach (jetzt sind wir schon ein Stück weiter als Kant) Ludwig Wittgenstein, „wie ein Messer ohne Klinge, dem der Griff fehlt“? Was aber, Clemens P. , fangen wir  damit  an …?</p></div>
<p>Auf die Frage, was denn die &#8220;Welt&#8221; oder der &#8220;Idee&#8221; der Encyclopédie sei, geben programmatische Texte von Diderot, aber auch ein Essay des amerikanischen Historikers Robert Darnton Auskunft. Die Encyclopédie tritt auf, so macht dieser deutlich, mit einem Skandalon; der öffentliche Aufschrei bei ihrer Publikation unterstreicht dies. Was aber war so skandalös an der Encyclopédie ? Die Provokation liegt in der Konzeption: Was 1745 von dem geschäftstüchtigen Verleger André-François Le Breton zunächst als bloße Übersetzung der englischen Cyclopedia (1728) des Quäkers Ephraim Chambers geplant war, entwickelte sich nach der Hinzuziehung von Diderot und dessen Freund, dem Mathematiker d&#8217;Alembert, bald zum Plan einer eigenständigen Enzyklopädie mit ganz neuen Voraussetzungen. Die beiden Herausgeber wollten das Wissen von älteren Hierarchien befreien und neu anordnen.</p>
<p><strong>Die schärfsten Spitzen dieses neuen Wissens richten sich gegen die Kirche, gegen alle Formen religiöser Gängelung überhaupt. </strong></p>
<p>Die Enzyklopädie enthält zudem auch deutliche Ansätze zu einem politischen Programm: Rousseau, Voltaire und Montesquieu plädierten für Pressefreiheit, Gewaltenteilung und konstitutionelle Monarchie; man sah in der Encyclopédie deshalb so etwas wie die ideelle &#8220;Kriegsmaschine der Französischen Revolution&#8221;. Und auch im ökonomischen Bereich war die Encyclopédie bahnbrechend: Führende Physiokraten wie Quesnay und Turgot forderten die Befreiung von Handel und Industrie aus den ständischen und staatlichen Bindungen. Unmittelbar augenfällig ist auch die Aufwertung des Handwerks, der Technik und der Industrie, die in älteren Enzyklopädien meist nur marginal behandelt wurden. Die berühmten elf Tafelbände der Encyclopédie dokumentieren dies auf eindrückliche Weise. Sogar enzyklopädieskeptische Zeitgenossen wie der jungen Goethe waren davon begeistert: In den Tafelbänden zu blättern sei gewesen,<br />
<em><br />
[…] als wenn man zwischen den unzähligen beweglichen Spulen und Webstühlen einer großen Fabrik hingeht, und vor lauter Schnarren und Raggeln, vor allem Aug&#8217; und Sinne verwirrenden Mechanismus, vor lauter Unbegreiflichkeit einer auf das mannigfaltigste in einander greifenden Anstalt, in Betrachtung dessen, was alles dazu gehört, um ein Stück Tuch zu fertigen, sich den eigenen Rock selbst verleidet fühlt, den man auf dem Leibe trägt.</em></p>
<p>Wie sich die Wahrnehmung ändert: was selbst Goethe begeisterte, wird in der jüngsten deutschen Übersetzung leider völlig ausgeblendet: Tausende von Seiten voller Maschinen und Werkzeuge scheinen nicht eine einzige Abbildung wert.</p>
<p>Unvergessen hingegen bleibt ihr befreiender Gestus gegen den absolutistischen Staat und gegen die Kirche. Die Jesuiten und Jansenisten heulten nicht erst auf, als im Juni 1751 der erste Band der Encyclopédie erschien. Der Brief über die Blinden zum Gebrauch für die Sehenden , der nicht nur vom Sehen, sondern auch von den Schwierigkeiten, ja Unmöglichkeiten eines Gottesbeweises handelt, brachte Diderot schon 1749 für drei Monate in das Gefängnis von Vincennes. Spätestens damit wurde klar, daß sich das Programm der Aufklärung nicht selbstverständlich und offen formulieren ließ. Die Enzyklopädie entwickelte deshalb eine Schreibkunst, die die gefährlichen Wahrheiten &#8211; ganz im Sinne von Leo Strauss&#8217; Persecution and the art of writing &#8211; an der Zensur vorbeimanövrieren sollte: die Technik der Verweise und versteckten Anspielungen. In seinem Artikel zum Begriff der &#8220;Enzyklopädie&#8221; gibt Diderot Auskunft über dieses Verfahren: zur Typologie der Querverweise zählt er die sogenannten &#8220;renvois satyriques&#8221;, satirische Anspielungen also, deren Zweck es sei, &#8220;das Lächerliche und das Schlechte&#8221; verdeckt bloßzustellen. So liefert etwa der Artikel &#8220;Eucharistie&#8221; eine scheinbar mustergültige Abhandlung über die heilige Kommunion, nur am Ende findet sich der merkwürdige Hinweis &#8220;siehe Menschenfresser&#8221;. Dass dies nicht etwa ein Versehen ist, sondern System hat, wird wiederum am Ende des Artikels &#8220;Menschenfresser&#8221; deutlich: er schließt mit dem Hinweis &#8220;siehe auch Eucharistie, Kommunion, Altar, etc.&#8221;</p>
<p>Das Erscheinen des ersten Bandes rief dennoch unweigerlich die staatliche und kirchliche Autorität auf den Plan, der König Ludwig XV setzt den Aufseher Malesherbes zur Überwachung der weiteren Publikation ein &#8211; ein Glücksfall, wie sich erweisen sollte, denn dieser warnte Diderot wiederholt vor der Durchsuchung durch seine eigenen Leute, versteckte gar heikle Papiere. Nach dem Erscheinen des zweiten Bandes Anfang 1752 spitzte sich die Lage zu: Die Encyclopédie wurde auf Befehl des Königs verboten, mit folgender Begründung:</p>
<p><em>&#8220;wegen mehrerer Maximen, die darauf abzielen, die königliche Autorität zu zerstören, den Geist der Ungläubigkeit und die Revolte zu befestigen und, mit dunklen und zweideutigen Begriffen, die Grundlagen des Irrtums, der Sittenverderbnis und des Unglaubens zu errichten&#8221;.</em></p>
<p>Malesherbes erreichte, daß die Arbeit dennoch fortgesetzt werden konnte. So entstand unter externen, aber auch internen Kämpfen das Organ der französischen Aufklärung, geschrieben von seiner intellektuellen Elite: Zu Diderots und d&#8217;Alemberts Mitarbeitern zählten u.a. Rousseau, Voltaire, Buffon, Marmontel, Montesquieu, Condorcet, d&#8217;Holbach, Turgot.</p>
<p>Nicht nur trotz, sondern auch wegen den Angriffen von staatlicher und kirchlicher Seite wurde die Encyclopédie zu einem der größten Erfolge des französischen Buchhandels: der Skandal wirkte als Werbung. Ursprünglich wollten die Verleger 1625 Exemplare drucken; im Jahr 1754 waren es 4255, und bis 1789 verdienten die Verleger mit den verschiedenen Auflagen in zunehmend kleineren und erschwinglicheren Formaten viele Millionen Livres. Mehr noch: Die Verleger brüsteten sich nicht nur, den größten Coup in der Geschichte des Buchhandels gelandet, sondern auch die Aufklärung verbreitet zu haben, so die Werbung für die kleinformatige Quartausgabe:</p>
<p><em>&#8220;Niemals hatte ein Unternehmen dieser Art und dieses Ausmaßes einen solchen Erfolg. Sollte es in dieser besten aller möglichen Welten an Aufklärung mangeln, so wird das gewiß nicht unsere Schuld sein&#8221;.</em></p>
<div id="attachment_7168" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2012/01/kant.jpg"><img class="size-full wp-image-7168" title="kant" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2012/01/kant.jpg" alt="" width="250" height="188" /></a><p class="wp-caption-text">Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung (und, nota bene der unsere). Immanuel Kant in: Berlinische Monatsschrift. Dezember-Heft 1784. </p></div>
<p>Eben diesen Anspruch der Aufklärung durch das Buch ist es, den Büchermacher wie Enzensberger aufgreifen. Denn die Aufklärung ist &#8211; wenn sie denn in Deutschland überhaupt stattgefunden hat &#8211; nicht etwa abgeschlossen, sondern ein stets weiterzuführendes Vorhaben. Daß ein Buch es befördert, war immer schon der pädagogische Optimismus der Enzyklopädisten. Wer französisch liest und mal eben 14.875.- Mark übrig hat, mag den kompletten Nachdruck der Encyclopédie in 35 Bänden erstehen &#8211; notabene beim Stuttgarter Verlag frommann-holzboog. Für eine erschwinglichere deutschsprachige Auswahl haben im Jubiläumsjahr gleich zwei Verlage gesorgt: Reclam Leipzig, der eine ältere Ausgabe von 1972 &#8211; leider reduziert &#8211; wieder aufgelegt hat, und die erwähnte Eichborn-Ausgabe in Enzensbergers &#8220;Anderer Bibliothek&#8221;. Während die Reclam-Auswahl eher konzeptlos einzelne jeweils stark verkürzte Artikel vorlegt, zielt die Eichborn-Ausgabe auch auf seine Aktualisierung für unser junges Jahrhundert, das sich als das der digitalisierten Information anschickt. Dem buchlosen Informationswissen vermag das enzyklopädische Buch der Bücher ein engagiertes Wissen entgegenzustellen. Der schöne, bordeaux-rote Leinenband des Eichborn-Verlags feiert aber nicht nur die alte Enzyklopädie im Medium des Buches, sondern auch ihre Qualität eines engagierten Wissens. Neben der Übersetzung einer Auswahl von Artikeln erprobt der Band ihre Aktualität förmlich dialogisch. Dieser Dialog mit der Enzyklopädie wird dadurch erreicht, daß &#8211; allerdings etwas willkürlich &#8211; neuere maximenartige Zitate in die Artikel eingestreut und einzelne signifikante Artikel für die Gegenwart weitergeschrieben werden. Christina von Braun etwa schickt Abbé Mallets &#8220;Adam&#8221; ein &#8220;Ach, Adam&#8221; nach; Alexander Kluge stellt dem Artikel &#8220;Guerre&#8221; des Chevalier de Jaucourt (einer der wichtigsten Mitarbeiter von Diderot) eine differenzierte Reflexion über den &#8220;Krieg&#8221; nach; Enzensberger ergänzt den &#8220;Luxus&#8221;; Lars Gustaffson das &#8220;Nichts&#8221;; Michael Krüger die &#8220;Seele&#8221;; Daniel Cohn-Bendit das &#8220;Vaterland&#8221;, um einige Beispiele zu nennen. Gewiß sind nicht alle dieser Aktualisierungen gleich gut gelungen und gewiß läßt sich über die Auswahl der übersetzten Artikel streiten &#8211; schmerzliche Lücken wird man bei dieser im Verhältnis zur Vorlage immer noch bescheidenen Auswahl leicht finden, man denke etwa an Voltaires Artikel &#8220;esprit&#8221;. Das Vorhaben aber, die Encyclopédie nicht bloß zu feiern, sondern auch ins 21. Jahrhundert fortzuschreiben, ist dem Band des Eichborn-Verlags zweifellos gelungen: das Feuer jenes Buches, das Welt verändern will, ist darin zu finden.</p>
<p><em>Ediert von Anette Selg und Rainer Wieland. Aus dem Französischen von Holger Fock, Theodor Lücke, Eva Moldenhauer und Sabine Müller. Eichborn, 496 S., EUR 77 Andreas Kilcher</em></p>
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		<title>Silvester: Nicht ohne &#8220;Dinner For One&#8221;!</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 07:35:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nonsens vom Feinsten in der Rundschau Kritik Wie alle bedeutenden Stücke Drama, ist auch &#8220;Dinner For One&#8221;  an Facetten ungemein reich. Allein die Vielzahl unterschiedlicher Interpretationen zeigt, wie in jedem Betrachter eine Saite zum Schwingen, eine andere zum Schweigen gebracht wird. Auf diesem 90. Geburtstag der Miss Sophie gibt es nichts Letzthinniges und nichts Ein-für-Allemaliges, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nonsens vom Feinsten in der Rundschau Kritik</strong></p>
<p><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/12/weg-da-du-da.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7077" title="weg da, du da" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/12/weg-da-du-da.jpg" alt="" width="150" height="187" /></a>Wie alle bedeutenden Stücke Drama, ist auch &#8220;Dinner For One&#8221;  an Facetten ungemein reich. Allein die Vielzahl unterschiedlicher Interpretationen zeigt, wie in jedem Betrachter eine Saite zum Schwingen, eine andere zum Schweigen gebracht wird.</p>
<p>Auf diesem 90. Geburtstag der Miss Sophie gibt es nichts Letzthinniges und nichts Ein-für-Allemaliges, und wenn die überwiegende Mehrzahl der Kunstsachverständigen, Essayisten und Liebhaber, die Interesse an einer Kategorisierung des Gesamtstückes oder an einer Analyse einzelner Komponenten haben, für ihre Varianten jeweils Alleinvertretungsansprüche geltend machen, dann ist das erschütternd-bedauerlich.<span id="more-7068"></span></p>
<div id="attachment_7072" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/12/dinner-for-one.jpg"><img class="size-full wp-image-7072" title="dinner for one" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2011/12/dinner-for-one.jpg" alt="" width="250" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Well - I´ll do my very best!&quot;</p></div>
<p>Wiewohl wir nun im folgenden durchaus mit dem Butler (Freddie Frinton gibt ihn unnachahmlich) mitzuhalten versuchen und unsere Interpretationsansätze durchaus auch von gutem Wein begleiten lassen, wollen wir dem Betrachter weder dies mitzutun, noch ein bestimmtes Verständnis vorschreiben.</p>
<p>Wenn wir dabei auf einen wissenschaftlichen Anmerkungsapparat verzichten, tun wir das für diesmal der besseren Lesbarkeit wegen ebenso nicht, wie Verzicht zu üben auf die Darstellung einiger eher abseitiger Lesarten, die nur für Experten von Interesse wären. Lediglich sei hier die Polemik einiger selbsternannter Gourmets erwähnt, welche die Zusammenstellung des Menus kritisieren, vornehmlich die Kombination von Huhn und Champagner.  Ein Stück, das solche gastrosophischen Verbrechen auf die Bühne bringe, könne nichts wert sein? Diese Kritiker haben offenbar ihre Identitätsbildung so entschieden hochgezüchtet, daß sie &#8211; pardon &#8211; offenbar schon wieder auf den guten,  albernen Pawlowschen Hund gekommen zu sein scheinen.</p>
<p><strong>Lehrstick oder Slapstück?</strong></p>
<p>Weder noch, hier lassen sich zwei Richtungen fühlen: ein Lehrstück fast im Sinne Brechts, das, um die &#8211; oder irgendeine &#8211; Situation, Problematik oder Lösung herauszuarbeiten, die Mittel der Farce einsetzt: von Elementen des Slapstücks (Butler James trinkt Blumenwasser), bis hin zu jener Distanzierung des Schauspielers von der Rolle, die sich so fassen lässt, dass er im Verlauf deutlich sichtbar in die Rollen der vier abwesenden Personen schlüpft. Aus gestalttherapeutischer Sicht heraus betrachtet, bietet dieser 90. Geburtstag eine in sich geschlossene Realität.</p>
<p>Hier wird reine Form Inhalt, die Funktion der Darstellung ist hier einzig die Darstellung. Jede Frage nach einem überschreitenden Sinn würde in diesem Sinn selbst zu einer Farce.</p>
<p><strong>Lachen an und für sich</strong></p>
<p>Das zweifelsohne von allen Zuschauern ausgeübte Lachen mag als zeitgeistig coole Distanznahme im Sinne jener Studie über das Lachen verstanden werden, die zum Ergebnis kommt, das Lachen habe keinen größeren Feind als die Emotion. Hiernach wäre unser Lachen also nichts anderes als ein Aus-sich- und Aus-jenem-Herausgehen, das zu etwas sowohl führen will wie auch soll: zur Selbsterkenntnis oder zur Einsicht in die Dekadenz der alternden Oberschicht oder zu dem, was Eugène Ionesco dem Humor zumißt: &#8220;sich der Absurdität bewußt werden und doch in der Absurdität weiterleben&#8221;.</p>
<p>Auch,  dass dies Stück nicht mehr mit einer Differenz zwischen Sein und Sollen arbeitet &#8211; wohingegen ein ungenannt bleiben wollender Heidelberger Philosoph offenbar japanischer Abstammung in seiner unter dem Pseudonym &#8220;Tenno&#8221; veröffentlichten Arbeit über diesen 90. Geburtstag die Frage nach &#8220;Sein oder Haben?&#8221; vermißt, mithin ein Ideal weder propagiere noch fordere, darf wohl so verstanden werden, daß hier Lachen nur als Parodie auf das eigene Selbst gemeint sein könne &#8211; als sozusagen erkanntermaßen ritualisierter Effekt.</p>
<p><strong>Arrangement mit den Herrschenden</strong></p>
<p>Wir haben hier ein zutiefst klassenkämpferisches Portrait einer untergehenden Welt, einer ländlich-städtischen Mittelschicht nebst militärischem und couponschneidendem Anhang, die sich in ihrer Zukunftslosigkeit allenfalls noch an sinnentleerten Festen, am Alkohol und am Traumgebilde  einer längst vergangenen Vergangenheit festhalten kann. Dazu eine nicht minder dekadente Schicht dienender Berufe: der Butler James, entwürdigt von seiner Herrin bis hin zum &#8220;Letzten&#8221; &#8211; eine anglifizierte Variante des Woyzeck also -, der in all seiner Demütigung doch nur das Arrangement mit den Herrschenden sucht, ja nur noch suchen kann, und seinen Stolz unlöslich an die Rationalität des herrschaftlichen Wohlergehens in Börse, Tisch und Bett bindet.</p>
<p><strong>Seele baumelt? Analyse?</strong></p>
<p>Derweil bei etwa Goethe man sich über verschiedene analytische und psychiatrische Interpretationsweisen ja noch streiten könnte, ließe dies Dinner, solcherweise betrachtet, doch ausschließlich das klinische Lesen, Hören und Sehen insofern zu, als Madame vorgeführt werden in frei flottierender Angst mit hypochondrischen Neigungen. Es agieren hier Mischzustände von Wut, Ohnmacht und Hilflosigkeit, Angst vor Liebe ebenso, wie rasches Schwanken zwischen Idealisierung und Entwertung von Objekten. Und, wo die bedauernswerte Frau ihre Scheinwelt am Tisch nicht erkennt, verdrängt sie &#8211; was ja schlimmer ist als beinahe alles Andere.<br />
Und Butler James, der Spiegeltrinker, der sein überhöhtes Alkoholquantum gleichsam gleichmäßig über den Abend verteilt und weitgehend ohne größere Kontrollverluste zu sich nimmt? Ein Deltatyp, der zwangweise wie zwanghaft zugleich in die Situation des Gammatyps versetzt wird, in den Alkoholexzeß. Hier erleben wir einen Menschen, der unmittelbar an der Flasche am Vollbringen eines Selbstopfers zur Befriedigung kommt: an der Überwindung nämlich des Bedürfnisses nach Versagen im oralen Bereich. Eine gefährliche Methode im Gegensatz zu der meist gelebten Form klassischen Asketentums, innerhalb welcher Lust nicht aus der Versagung körperlicher als vielmehr aus der Opferung geistig-seelischer Bedürfnisse gewonnen wird.<br />
Auf also der Grenze zwischen Lehrstück und abgeschlossener Realität gelangen wir hier mit den Protagonisten  in die Rolle von vier vermutlich gestorbenen Personen, die erfolgreich ausgefüllt werden, um deren Welt zur Unsterblichkeit zu versteinern. Schauriger kann die apriorische Trostlosigkeit menschlicher Grundbefindlichkeit kaum deutlich gemacht werden: Kein Weg führt zum Du, keiner zu Sinn und Eigentlichkeit, es bleibt die Einzementierung ständigen Zerfließens in ein dennoch abgeschlossenes Ich in einer isolierenden Vorstellung von Welt, ein sich Überliefern an eine geronnene Aufenthaltslosigkeit.</p>
<p><strong>Des  Essens philosophischer Aspekt</strong></p>
<p>Betrachten wir den Text populärwissenschaftlich, so finden wir hier einen geprüften Willen zu gesellschaftlichem Sein des dem alles überhaupt keine Grenzen Setzenden. Und: Nehmen wir eine Bemerkung Ernst Blochs (Band 3, &#8220;Prinzip Hoffnung&#8221;) über die geglaubte Mechanik im Universum, die sich für ihn, gleichwohl ohne Spaß, wie auch ohne Pantheismus, aber dennoch befriedigend vollzieht, sind wir eher geneigt, in der &#8220;miss-sophischen Verstetigung“ ihrer Freunde einen so freilich nur in der Aristokratie, nicht aber dem bürgerlich geeinzelten Individuum möglichen objektiv-utopischen Vorgriff auf jene von Bloch bezeichnete So-Welt,  als Verschwinden sozusagen des Nichts im sozialistischen Bewußtsein zu sehen.<br />
Dem unüberschreitbaren Zwiespalt durch den  selbstaktiven und eigenkontrollierten Schritt über den Tigerkopf in eine systematische Besessenheit werden wir eine künftige Arbeit widmen.</p>
<p><strong>Emanzipatorische … </strong></p>
<p>Das Verhalten Miss Sophies ist als selbstbewußt-folgerichtiger Schritt zu einer  -  zwar &#8211; in die Jahre gekommenen, zum Selbstbewußtsein erwachten Frau zu verstehen, die Stellung bezieht gegen die Verderbnis und das Reguläre, gegen das Leben sowohl wie auch gegen den Tod, gegen den zu-fälligen (oder haben wir den Butler je fallen gesehen?) Verlauf, all der Drohungen, die einsickernde Perfidie gegen den langsamen Fraß innen und gegen das Verschlungenwerden von draußen. Eine Frau, die alle Enttäuschungsmöglichkeiten hinter sich läßt und auf das klägliche Bild verzichtet, das jene Bindung der Seelenphantasie an die empirische Mannes- oder überhaupt Menschenform, wie sie ja in der sogenannten Wirklichkeit vorkommt, bietet. Nur mehr einer mageren Kulisse bedürftig, die ihr Butler James mit seinen vier Rollen baut, erweist Miss Sophie sich erfolgreich in dem Versuch, einen nichtreligiösen Weg der Liebe zu einem Objekt herzustellen, dem sie sich ohne Beschädigung ihres Ichs, ja gleichsam in Verwirklichung ihrer Autonomie, ganz hingeben kann und &#8211; selbst aus strengst feministischer Sicht, der wir uns ausdrücklich nicht anschließen &#8211; wohl auch möchte dürfen können!</p>
<p><strong>… und komödiantische Aspekte</strong></p>
<p>Gegebenen Anlasses wegen sei hier direkt im Anschluß die Verwandtschaft des &#8220;Dinner For One&#8221; mit der Commedia dell&#8217;arte behandelt. Wir sehen hier einen Entstehungszusammenhang, ja eine &#8211; allenfalls durch Konzessionen an britische Mentalität abgemilderte &#8211; große Übereinstimmung. Wenngleich das Spiel als Spiel nicht durch Masken kenntlich gemacht wird, liegt hier dennoch fast ein (hassenswert wie all solches) Plagiat vor, jedenfalls ist die Rollenverteilung eindeutig: Butler James sei Brighella, Sir Toby Pulcinella, Admiral von Schneider der Capitano, Mr. Pommeroy Tartaglia, Mr. Winterbottom der Dottore, Miss Sophie hingegen &#8211; Frau natürlich &#8211; hat einen superben Hauch von Originalität.</p>
<p><strong>Das Dinner als Gesamtkunstwerk</strong></p>
<p>Was nun aber das Gesamtkunstwerk angeht, meinen wir, dass &#8211; vom Autor zwar wahrscheinlich ungewollt, aber eben darum ganz besonders ernst zu nehmen &#8211; dieser Text in seiner zumal technischen Reproduzierbarkeit, vergleichbar mit Anton Bruckners Generalpause zu interpretieren sein dürfte.<br />
Dies freilich erkennen zu können, setzt voraus jenes Stocken, das uns schwindelnd tragen soll über das Gewohnte hinweg; jener Rhythmus eines uns ureigenen Pulsierens, der nur in einer von allen Zufälligkeiten gereinigten Stille hörbar ist; der vordergründige Lärm, der hier &#8211; einem Saunagang vergleichbar &#8211; nichts anderes als sein Gegenteil herausarbeiten soll; die Bedingung der Möglichkeit zum In-Sich-Gehen also!</p>
<p>Dies alles dürfen wir Zusehenden  am Silvesterabend &#8211; bittet Euch <strong>Jürgen Gottschling</strong> &#8211; nicht vernichten durch vulgäres Lachen, käme dies auch noch so sardonisch oder gar (in memoriam Hans-Georg Gadamer) hermeneutisch verkleidet einher.</p>
<h2><em>Alle Sendetermine am 31. Dezember 2011:</em></h2>
<p><em><strong>15 Uhr 40 DAS ERSTE</strong></em></p>
<p><em><strong>18 Uhr 50 (Original) 21 Uhr 45 (Schweizer Version)  WDR</strong></em></p>
<p><em><strong>19 Uhr 40 und 23 Uhr 35 NDR</strong></em></p>
<p><em><strong>19 Uhr und  am I. Januar 2012 um 0 Uhr 05 BAYERN</strong></em></p>
<p><em><strong>19 Uhr und am 1. Januar 2012 um 3 Uhr 00 SWR/SR</strong></em></p>
<p><em><strong>14 Uhr 55 (Hessisch) 18 Uhr 40 (Hessisch) 21 Uhr 45 (Nordhessisch) HESSEN<br />
</strong></em></p>
<p><em><strong>19 Uhr 00 MDR</strong></em></p>
<p><strong>19 Uhr 05 RBB</strong></p>
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		<title>Das Fest: Der Liebe, der Jungfrauengeburt und überhaupt …</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 03:47:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist ja nicht nur den Unheiligen nichts heilig: Auch die vergleichenden Religionswissenschaften machen sich Gedanken, die &#8211; geht es etwa um die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria &#8211; sich mit jenem Vorkommnis beschäftigen, das eine &#8211; was Wunder &#8211; dem Christentum entfremdete Welt zu Weihnachten feiert und mit dem unsere abendländische Zeitrechnung nun [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ja nicht nur den Unheiligen nichts heilig: Auch die vergleichenden Religionswissenschaften machen sich Gedanken, die &#8211; geht es etwa um die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria &#8211; sich mit jenem Vorkommnis beschäftigen, das eine &#8211; was Wunder &#8211; dem Christentum entfremdete Welt zu Weihnachten feiert und mit dem unsere abendländische Zeitrechnung nun mal beginnt. <span id="more-4069"></span><br />
Sapere aude: Keine wertfreie Kalenderweisheit ist es, sondern immerhin (<a href="http://www.rundschau-hd.de/archiv/dezember2005/NR_November_Seite_3.pdf">siehe: &#8220;Das Wort ist Fleisch geworden&#8221;</a>) die Menschwerdung Gottes, bei der die Geschichte von vorn zu zählen beginnt. In der antiken Mythologie war die Jungfrauengeburt zwar eine alltägliche  Sache &#8211; aber auch in der Realität? Vor Gott Vater gab es Gott Mutter, die Erdgöttin. In einem kurzen, unsicheren Dasein mit hoher Kindersterblichkeit war Fruchtbarkeit die einzige Waffe gegen die Abnutzungsschlacht der nackten Existenz.</p>
<p>Die wenigen Figuren aus dem Steinzeitalter sind denn auch fruchtbare, anonyme Frauengestalten mit ausgeprägten Geschlechtsmerkmalen und dickem Bauch.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Mythen</strong></p>
<p>So beginnt in der griechischen Mythologie die Erschaffung der Welt aus dem Tohuwabohu mit der Erdmutter Gäa, die im Schlaf den Sohn Uranus gebiert. Als Herrscher des Himmels befruchtet er sie mit Regen und bringt als ihr Sohn die Erde zum Blühen. Gäa läßt Uranus nach einem Familienstreit kastrieren, und erst nach Vermählung von Bruder und Schwester wird Zeus geboren. Die Legende siedelt diese Geburt  in Kreta an, in einer Grotte, wo eine Ziege auf das Neugeborene achtgab. Das archaische Bethlehem ist für den Touristen per Esel zu erreichen &#8211; die Parallelen zur Geburtsgrotte im Heiligen Land sind unübersehbar. In allen Metamorphosen der klassischen Mythologie kam es zu wundersamen Geburten, wenn Götter sich mit Sterblichen einließen. Baccus und Apollo sind Produkte von Zeus` amourösen Abenteuern, bei denen er sich als Mensch oder Vogel tarnte, um Nymphen und Königstöchter zu schwängern. Göttliche Abstammung setzte eine Jungfrauengeburt voraus und war dazu angetan, Sterblichen den Glanz der Unsterblichkeit zu verleihen. So glaubten Zeitgenossen, daß Alexander, Platon und Pythagoras durch Jungfrauengeburt auf die Welt gekommen seien, auch wenn alle Tatsachen dem widersprachen. Himmel und Erde aber vereinigen sich, bis das Wunder geboren wird.</p>
<p><strong>„Von einer Jungfau zart &#8230;“</strong></p>
<p>Unsere Zeitrechnung beginnt  mit der Geburt Christi, und die westliche Kultur ist trotz allen Widerstandes im Denken und Handeln ein Produkt des Christentums. Die Kirche, gleich welcher Konfession, hat dabei an der Geburt aus einer Jungfrau festgehalten und diese tausendfach verehrt, angerufen und bildnerisch gestaltet. Indes wird der Jungfrauengeburt in den ältesten Schriften des Neuen Testaments kaum Erwähnung. Im Markusevangelium, dem frühesten der vier, verhält Christus sich Mutter und Brüdern gegenüber gleichgültig, und lediglich Matthäus, der Altes und Neues Testament miteinander verbindet, erwähnt Marias Schwängerung durch den Heiligen Geist. Dies wird deutlich, wenngleich nur indirekt erwähnt, als er auf den Propheten Jesaia verweist, der gesagt habe, daß eine Jungfrau schwanger- und einen Sohn gebären werde, den man Imanuel, &#8220;Gott mit uns&#8221;, nennen würde. Texte &#8211; wie bekannt &#8211; verselbständigen sich: &#8220;Gott mit uns&#8221; zierte einmal den Rand des niederländischen Guldens und die Schnalle des deutschen Koppels. Schriftgelehrte sind heute der Ansicht, Matthäus, der sich auf die griechische Fassung der hebräischen Texte stützte, habe einen Übersetzungsfehler begangen, da das griechische parthenos (Jungfrau), eine zu wörtliche Übersetzung des hebräischen alman (heiratsfähiges Mädchen), sei. In &#8220;Die Andere Bibel&#8221; (Eichbornverlag) ist ein Text aus dem wahrscheinlich nach dem Jahre 150 geschriebenen und in zahlreichen Versionen überlieferten &#8220;Protevangelium des Jakobus&#8221; zitiert, in dessen Zentrum der von Heiden und Juden aufgestellten Behauptung, daß Jesus der außereheliche Sohn eines gewissen Panthera gewesen sei, gezielt widersprochen wird.</p>
<p><strong>Kirchenväter benutzten Maria</strong></p>
<p>Wie auch immer &#8211; die Natur macht Mann und Frau biologisch gleichwertig und voneinander abhängig. Die Mythologie hingegen kennt eine andere Wirklichkeit, die idealisiert, bedichtet und personifiziert wird. In diesem Sinne ist Maria eine wirkliche Dienerin. Jedoch dient sie nicht dem Herrn, sondern der christlichen Theologie. Aus einer beiläufigen Erwähnung in der Bibel hat man (sic) sie groß gemacht, denn die Kirchenväter brauchten sie, um Juden, Griechen und Heiden die gleichzeitig göttliche und menschliche Natur ihres Sohnes klarzumachen. In ihr wurde Irdisches himmlisch, Besudeltes rein und nicht zuletzt das Sexualleben zur sündigen Kehrseite der Jungfrauengeburt. Und genau diese Mythologisierung ist für viele zur Verleugnung und Unterdrückung der Frau im wirklichen Leben geworden. Doch damit ist es (erfreulicherweise allmählich) vorbei. Andere Göttinnen &#8211; die der Liebe, der Vernunft, der Leinwand oder der Popmusik &#8211; nehmen ihren Platz ein, von Madonna bis Mutter Teresa, von Madame Curie bis Marilyn Monroe.<br />
Der Gnade nicht teilhaftig (neudeutsch: gnadenlos), finden wir derzeit allüberall Hinweise auf das Fest dessen, der da kommt. Diese Hinweise jedoch sind nur mit einiger Mühe zu begreifen als auf das Fest der Liebe hinzuführende.</p>
<p><strong>Fest der Liebe ?</strong></p>
<p>Es sind doch, aus „Zweien eins zu werden“ die Menschen bestrebt, seit die Götter die Kugelgestalt des Menschen zerschnitten haben und dieser nun sein Leben als Mann und Frau fristen muß. Dieses auf die Herstellung ihres ursprünglichen Zustandes gerichtete, dieses ihre Kräfte aufbrauchende Verlangen nennen Menschen seither Liebe.   Bereits in diesem Mythos des platonischen Symposions läßt sich im Ursprung der Liebe auch schon  der Mangel ausmachen. Läßt sich meinen, daß da etwas fehle, von dem man glaubt, es besitzen zu müssen, um verlorene Unversehrbarkeit wiederzuerlangen. Etwas wiederzuerlangen, das jenseits von einem selbst ist, und das gerade deshalb die Bedingung dieses Selbstseins ist. Darauf richtet sich der himmlische Eros, die wahre Liebe, die mehr als die bloße Lust ist. Jener Eros, der dazu führt, im Anderen neben seinem Körper sein Wesen und seine Seele zu lieben. Platos Mythos zufolge ist der Andere der fehlende Teil, der auf die verlorene, die androgyne Einheit verweist.<br />
Ganz bestimmt es nicht gerechtfertigt, von einem als Liebe bezeichneten Gefühl auszugehen. Angemessen ist die Rede von vielen unterschiedlichen Gefühlen der Liebe.<br />
Es sei von Liebe auch als der Agape gesprochen, die sich in Christus zeigende Liebe Gottes zu den Menschen, insbesondere zu den Armen, Schwachen und Sündern; es sei dies &#8211; und derer bedürfe sie ja allzumal &#8211; Nächstenliebe auch und Feindesliebe nicht zuletzt &#8230; Auch gibt es doch die Platonische Liebe&#8230;</p>
<p><strong>Platonische Liebe ?</strong></p>
<p>Diesem Plato fügt man aber im Nachhinein sicher Unrecht zu, geht man heute davon aus, daß „Platonische Liebe“ eine Liebe meint, die in keiner Weise zur Erfüllung gelangte. Hingegen sei damit allenfalls gemeint gewesen, dass diese Liebe sich nicht auf den erotischen Besitz des geliebten Menschen richte, sondern auf dessen „charakterliche Werte“. Heute stoßen solch gastmahlige Werte doch eher auf zynische Kokolorismen,  manche Menschen nämlich haben dazu eine ganz eigene Meinung: „Platonische Liebe ist, wenn man zu zweit mit einem Gewehr spielt und feste dran glaubt, es sei nicht geladen“.</p>
<p>Tja, da kann <strong>Jürgen Gottschling </strong>zu guter Letzt nur noch freudig-weihnachtlich-erregten Herzens mit einem munteren: ach, du liebe Liebe und mit einem gemäßigten: ach du liebe stille Nacht grüßen und zusammen mit Vergil wünschen und hoffen, daß er doch bitte recht haben möge in seinen ausgewählten Gedichten, wo er schreibt: „Omnia vincit Amor“ &#8211; „Amor“ (die Liebe) „besiegt alles“. Es sei! In diesem Sinne: Fröhliche Weihnacht &#8211; siehe Artikel unten -  allüberall. Und den Menschen ein Wohlgefallen …</p>
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		<title>Ritual, Philosophie von ebendem, Dinner for &#8211; na ja, Sie wissen schon … Nein? for one natürlich. Schauen Sie doch in den Kalender!</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Dec 2008 03:49:45 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Alle Jahre wieder kommt nicht nur (worauf jedenfalls wir &#8211; älter gewordenen &#8211; gerne verzichten täten) das das aus der unbefleckten Maria entsprungene Jesulein aus dem Stall in unsere Wohnzimmer. Hernach geben  (in allen Dritten Glotzenprogrammen)  uns die Ehre: Miss Sophie und James. Sylvester lieber ohne anderes Knallzeug, denn ohne diese Beiden …Wie immer wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- begin: Toolbox ... --></p>
<p style="margin: 0px;">
<p>Alle Jahre wieder kommt nicht nur (worauf jedenfalls wir &#8211; älter gewordenen &#8211; gerne verzichten täten) das das aus der unbefleckten Maria entsprungene Jesulein aus dem Stall in unsere Wohnzimmer. Hernach geben  (in allen Dritten Glotzenprogrammen)  uns die Ehre: Miss Sophie und James. Sylvester lieber ohne anderes Knallzeug, denn ohne diese Beiden …<span id="more-2418"></span>Wie immer wird James sie mit der vollendeten Höflichkeit eines in ihren Diensten alt gewordenen Butlers zu Tische geleiten.</p>
<p>Wie immmer wird Miss Sophie ihre abwesenden, aber von James galant vertretenen alten Freunde – Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und vor allem ihren «sehr lieben» Mr. Winterbottom – zu ihrer Tafelrunde begrüssen.</p>
<p>Wie immmer wird James servieren und stellvertretend für das Quartett die Gläser leeren.</p>
<div class="advXertXoriXals" title="Vermarktungsplatz">
<div id="attachment_2419" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/12/sylvesterdinner.jpg"><img class="size-full wp-image-2419" title="sylvesterdinner" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/12/sylvesterdinner.jpg" alt="Dazu gibts ein kleines Büchlen. In meiner Klothek leider nicht mehr" width="500" height="500" /></a><p class="wp-caption-text">Dazu gibts ein kleines Büchlen. In meiner Klothek leider nicht mehr … Wer hat es ! ?</p></div>
<p><img class="top borderline-dotted-advXertXoriXal" src="http://www.nzz.ch/static-images/pixel.gif" alt="." /></p>
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<p>Und wie in den vergangenen Jahren wird er Mal für Mal über den ausgestopften Tigerkopf stolpern.</p></div>
<p>Wie im letzten Jahr wird James Miss Sophie immer wieder fragen, im Ganzen nicht weniger als fünfmal, ob «die Prozedur» die gleiche sein solle «wie im letzten Jahr» («the same procedure as last year»).</p>
<p>Wie im letzten Jahr wird Miss Sophie ihn korrigieren, dass «die Prozedur» die gleiche sein solle «wie jedes Jahr» («as every year») – einschliesslich ihres von James begleiteten Ganges zu Bett.</p>
<p>Und wie jedes Jahr werden wir Fernsehzuschauer Miss Sophie alias May Warden und vor allem James alias Freddy Frinton dabei zusehen, wie es ist, wenn «die Prozedur» wie «jedes Jahr» ist.</p>
<p>Längst ist dies Stück Ritual geworden, ist dieses Stück in seiner Fernsehfassung zu sehen, das ein Ritual inszeniert: «Dinner for one». Mindestens einmal muss man es zum Silvesterabend sehen. Und wenn man an einem Mal noch nicht genug hat, schaltet man auch diverse andere Kanäle zur Wiederholung an. Allerdings, allzu häufig darf man das auch nicht tun. Sonst macht man bald die Erfahrung, dass selbst die ewige Wiederkehr sich besser nicht zu oft ereignet.</p>
<p>Was aber erheitert, erfreut uns so daran, dass es auch dieses Jahr wieder wie letztes, wenn nicht wie jedes Jahr zu Silvester wird? Natürlich ist James alias Freddy Frinton der Matchwinner. Als höflicher Butler, nicht ganz sattelfester Trinker, eleganter Stolperer, galanter Stellvertreter von Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und vor allem von dem «sehr lieben» Mr. Winterbottom spielt er alle anderen und auch Miss Sophie an die Wand. Insofern ist das Stück, das eigentlich ein «Dinner for five» ist, tatsächlich eines «for one». Ein virtuos inszenierter Slapstick, an dessen Ende silvestergerecht, aber auch etwas forciert der Gang ins Bett steht.</p>
<p>Aber es gibt auch noch eine andere Ebene des Stücks. Miss Sophie feiert ihren Geburtstag, den neunzigsten. Das klein geschriebene «happy new year», das ihr wiederholt von James gewünscht wird, meint zunächst ihr neues Lebensjahr, erst dann Neujahr. James ist ausserordentlich charmant, wenn er der gerade genesenen Miss Sophie («I am feeling much better») an diesem Abend ein fabelhaftes Aussehen, ja schönste Jugendfrische («you look younger than ever, love!») bescheinigt.</p>
<p>Dann vergewissert sich Miss Sophie, ob zu ihrem Geburtstag auch «alle hier sind». «Alle», das sind die abwesenden vier, deren tatsächlich «hier seiender» Stellvertreter James ist.</p>
<p>Warum die vier nur dank James&#8217; Stellvertreterschaft anwesend sind, erfährt man nicht. Vielleicht sind es ehemalige Freunde, Liebhaber der offenbar unverheiratet gebliebenen Miss Sophie, bevorzugt der nach wie vor «sehr liebe» Mister Winterbottom. Wahrscheinlicher ist indessen, dass sie gestorben sind – was das einundneunzigste «happy new year» von Miss Sophie selber nach dem überstandenen Unwohlsein etwas gefährdet erscheinen lässt. Ob es «wie jedes Jahr», ob es nicht vielmehr «wie das letzte» sein wird, das ist womöglich die Frage.</p>
<p>Eben diese der guten Laune wegen selbstverständlich unausgesprochene Frage ist es, die «Dinner for one» nicht beantwortet, aber auf die es reagiert. Gerade weil es wie «das letzte Jahr» sein könnte, kommt alles darauf an, dass es «wie jedes Jahr» ist.</p>
<p>Das Ritual mag stehen als Gegenmittel für das Verrinnen und Vergehen der Zeit. Im Ritual steht die Zeit still. Deswegen ist die Zeitform des «every year» stattfindenden Rituals ein immerwährendes Präsens, das die nicht vergangene Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft zusammenfasst, während es das «last year» nur zu einer Wiederholung der Vergangenheit bringt.</p>
<p>Die Stillstellung der Zeit gilt auch für das Ritual der Fernsehzuschauer, auch wenn ihre Geburtstage noch nicht so weit fortgeschritten wie der von Miss Sophie sind. «Dinner for one», Dinner for two, Dinner for five, Dinner for all am Fernsehsilvester möglichst mehrfach zu sehen – das ist das Ritual eines Rituals, das der Freude an der Wiederholung, der tunlichst ewigen Wiederkehr des Gleichen entspricht und die Vergänglichkeit für die Dauer eines so heiteren wie hintergründigen Stücks aufhebt. Es bringt, selbst wenn Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und der «sehr liebe» Mr. Winterbottom für alle Zeiten entschwunden sind, Miss Sophie mit ihrem James und den Zuschauern für einen und hoffentlich viele weitere Silvesterabende zusammen. Jedes neue Jahr ist (ist das so ? ,naja) ein glückliches Jahr, wenn es wie jedes Jahr ist. «The same procedure as last year? The same procedure as every year.» <strong>tno</strong></p>
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		<title>Einmaliger Brennpunkt astronomischer Kommunikation</title>
		<link>http://www.rundschau-hd.de/archives/2321/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Dec 2008 23:14:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Klaus Tschira Stiftung und  die Max-Planck-Gesellschaft gründen Haus der Astronomie in Heidelberg – unterstützt von der Stadt Heidelberg, dem Land Baden-Württemberg und der Universität Heidelberg. Heidelberg &#8211; der &#8220;Stadt an Ehren reich&#8221; die von  Ernst Bloch (als hätte er je eine Sitzung des Gemeinderates abgesessen) als Mekka des Geschwätzes benannt wurde, wird, soll, ohne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Klaus Tschira Stiftung und  die Max-Planck-Gesellschaft gründen Haus der Astronomie in Heidelberg – unterstützt von der Stadt Heidelberg, dem Land Baden-Württemberg und der Universität Heidelberg.<span id="more-2321"></span></p>
<p>Heidelberg &#8211; der &#8220;Stadt an Ehren reich&#8221; die von  Ernst Bloch (als hätte er je eine Sitzung des Gemeinderates abgesessen) als Mekka des Geschwätzes benannt wurde, wird, soll, ohne sich auf den derzeit in fast aller Munde bewegten Stern von Bethlehem zu berufen, ein neuer Stern leuchten: Die Klaus Tschira Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft gründen das Haus der Astronomie. Das spektakuläre Gebäude, dessen  Form einer Galaxie nachempfunden ist, wird ab 2009 von der Klaus Tschira Stiftung auf dem Königstuhl direkt neben das Max-Planck-Institut für Astronomie gebaut. Betreiber der Einrichtung wird die Max-Planck-Gesellschaft sein. Ab 2011 soll das Haus Schülern und der allgemeinen Öffentlichkeit die Faszination der Astronomie vermitteln.</p>
<p>Planeten, Sterne, Galaxien – seit jeher zieht das Universum mit seinen Geheimnissen die Menschen in ihren Bann. Nicht nur die Astronomen sondern auch Laien interessieren sich für den Kosmos und moderne Weltraumforschung. “Aus diesem Grund bietet die Beschäftigung mit der Astronomie die große Chance, insbesondere junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern,” meint Klaus Tschira: “Mit dem Haus der Astronomie soll eine Brücke geschlagen werden von der aktiven Forschung in die Schulen.”</p>
<p>Seit einigen Jahren fördert die Klaus Tschira Stiftung das Projekt “Wissenschaft in die Schulen! (WiS!)”, in dem das Max-Planck-Institut für Astronomie und die baden-württembergische Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen zusammenarbeiten. Ihr Ziel ist es, über die Vermittlung aktueller Forschungsergebnisse aus der Astronomie Schüler für die Physik zu interessieren. Mit Räumen, in denen Schulklassen unterrichtet und Lehrer fortgebildet werden können, wird dieses Projekt im Haus der Astronomie seine Heimat finden. Ebenso wird dort die Astronomieschule, die zurzeit in der Landessternwarte beheimatet ist, untergebracht werden, sowie die Redaktion der populärwissenschaftlichen Zeitschrift “Sterne und Weltraum”.</p>
<p>In Heidelberg findet das Haus der Astronomie den idealen Standort: Die Stadt ist international bekannt für ihre Spitzenforschung im Bereich der Astrophysik, der an insgesamt fünf wissenschaftlichen Instituten vertreten ist. Heidelberger Astronomen beschäftigen sich zum Beispiel mit der Entstehung und Entwicklung ferner Galaxien oder der Entdeckung und Untersuchung extrasolarer Planetensysteme. Dabei arbeiten die Heidelberger Forscher mit Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zusammen, auch an der Entwicklung, dem Bau und dem Betrieb von erdgebundenen oder weltraumgestützten Großteleskopen und deren High-Tech-Instrumenten.</p>
<p><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/12/tschirawarzner1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2325" title="tschirawarzner1" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/12/tschirawarzner1.jpg" alt="" width="500" height="339" /></a></p>
<p><em>© KTS, v.L.n.R.: Dr. h.c. Klaus Tschira, Manfred Bernhardt, Prof. Dr. Dr. h.c. Herbert Jäckle, Prof. Dr. Kurt Roth, Prof. Dr. Thomas Henning, Dr. Eckart Würzner</em></p>
<p>Das Max-Planck-Institut für Astronomie und die Landessternwarte liegen eng benachbart auf dem Königstuhl, dem knapp 600 Meter hohen Hausberg der Stadt, der ein beliebtes Ausflugsziel ist. Bereits jetzt sind das MPI und die Landessternwarte für ihre öffentlichkeitswirksamen Präsentationen und ihre Beobachtungsabende  bekannt. “Die Heidelberger Astronomen wollen ihr Engagement an der Schnittstelle zwischen Forschung, Studium, Öffentlichkeitsarbeit und Schule im Haus der Astronomie bündeln und vor allem professionalisieren, denn zur Zeit muss noch viel improvisiert werden,” so der Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, Herbert  Jäckle. “Das Haus der Astronomie wird eine in Deutschland einzigartige Einrichtung sein,” sagt Thomas Henning, Direktor am MPI für Astronomie. Auch der wissenschaftliche Austausch werde unterstützt und gefördert.</p>
<div id="attachment_2323" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/12/modell.jpg"><img class="size-full wp-image-2323" title="modell" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/12/modell.jpg" alt="Der spektakuläre Entwurf des Darmstädter Architekten Manfred Bernhardt (Architekten Bernhardt + Partner) ist der Form und Dynamik einer Spiralgalaxie nachempfunden. In den Spiralarmen des Gebäudes befinden sich unter anderem speziell ausgestattete Praktikums- und Unterrichtsräume für Schulklassen, aber auch Büros. Das Zentrum der “Galaxie”  bildet  ein multifunktionaler Hörsaal mit etwa 100 Sitzplätzen, der mit modernster, multimedialer Technik ausgestattet ist. Hier können Bilder und 3D-Visualisierungen, wie sie die Astronomen aus Beobachtungen und Computersimulationen erhalten, eindrucksvoll gezeigt werden. Ein nachhaltiges Energiekonzept nutzt Sonnenenergie und Erdwärme gleichermaßen.  " width="500" height="306" /></a><p class="wp-caption-text">Der spektakuläre Entwurf des Darmstädter Architekten Manfred Bernhardt (Architekten Bernhardt + Partner) ist der Form und Dynamik einer Spiralgalaxie nachempfunden. In den Spiralarmen des Gebäudes befinden sich unter anderem speziell ausgestattete Praktikums- und Unterrichtsräume für Schulklassen, aber auch Büros. Das Zentrum der “Galaxie”  bildet  ein multifunktionaler Hörsaal mit etwa 100 Sitzplätzen, der mit modernster, multimedialer Technik ausgestattet ist. Hier können Bilder und 3D-Visualisierungen, wie sie die Astronomen aus Beobachtungen und Computersimulationen erhalten, eindrucksvoll gezeigt werden. Ein nachhaltiges Energiekonzept nutzt Sonnenenergie und Erdwärme gleichermaßen.  </p></div>
<p>Die  Klaus Tschira Stiftung wird das Gebäude und dessen technische Einrichtungen finanzieren, die Max-Planck-Gesellschaft die Einrichtung betreiben. Zu den Personalkosten tragen neben diesen Einrichtungen auch die Stadt Heidelberg, das Land Baden-Württemberg und die Universität Heidelberg bei. Darüber hinaus wird die Universität Heidelberg mit ihrem Zentrum für Astronomie Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Lehrerausbildung einbringen. zg</p>
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		<title>Martin Walser &#8211; Über Erfahrungen mit dem Zeitgeist.</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Sep 2008 10:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Wortlaut: Festrede zur Öffentlichen Jahressitzung zum 60jährigen Bestehen der Bayerischen Akademie der Schönen Künste im Juli 2008. Ein Potpourri für Dieter Borchmeyer &#8211; Motto: „ &#8230; das System der Erfahrung ist nichts anderes, als das mit dem Gefühle der Notwendigkeit begleitete Denken &#8230;.“ Johann Gottlieb Fichte. &#8220;Neulich kamen zwei Intellektuelle zu Besuch, ein Gespräch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Wortlaut: Festrede zur Öffentlichen Jahressitzung zum 60jährigen Bestehen der Bayerischen Akademie der Schönen Künste im Juli 2008. Ein Potpourri für Dieter Borchmeyer &#8211; Motto: „ &#8230; das System der Erfahrung ist nichts anderes, als das mit dem Gefühle der Notwendigkeit begleitete Denken &#8230;.“ Johann Gottlieb Fichte. <span id="more-1737"></span></p>
<p>&#8220;Neulich kamen zwei Intellektuelle zu Besuch, ein Gespräch war verabredet, beide<br />
im Journalismus tätig, beide mir schon in ihrem Auftreten, das kein Auftritt war,<br />
sympathisch. Da sie aus einer Redaktion kamen, in der der von mir öfter<br />
bewunderte Johannes Groß gearbeitet hatte, fragte ich, ob sie den noch gekannt<br />
hätten. Ja, der eine von den Beiden war sogar noch eingestellt worden von<br />
Johannes Groß. Er wunderte sich darüber, dass ich<br />
bewundernd von Johannes Groß gesprochen hatte. Und warum? Johannes Groß<br />
war doch, und jetzt zögerte er, war doch ein rechter Intellektueller. Da habe ich<br />
dann wohl mit einem eher schmerzlichen Ausruf reagiert. Dann folgte ein kurzer<br />
Dialog darüber, dass man einen rechten Intellektuellen nicht als einen<br />
Rechtsintellektuellen bezeichnen dürfe, wenn man ihn nicht herabsetzen wolle.<br />
Rechtsintellektuell, das klingt fast unanständig. Und linksintellektuell? Ich habe<br />
mein Leben unter dieser Etikettierung verbringen müssen. Müssen?<br />
Als ich 1957 einen Preis bekam, begann die dazugehörende Dankesrede so: „Ein<br />
Gemeinplatz besagt, der Schriftsteller lebe in kritischer Distanz zur Gesellschaft.“<br />
Ich sagte in meiner Rede, mir seien „beim Schreiben alle Figuren sympathisch“,<br />
da sei „immer etwas wie Liebe im Spiel“. Das Gegenadjektiv zu „kritisch“ war<br />
damals bestimmt ein in Frankfurt produziertes Wort: „affirmativ“. Die erste<br />
Dissertation über meinen Roman „Halbzeit“ kam dann in den Sechzigerjahren bei<br />
allem bemühten Wohlwollen doch zum Schlussurteil: Der Roman ist affirmativ.<br />
Kritisch, das hieß aufklärerisch, die Gesellschaft sollte verändert werden.<br />
Affirmativ hieß: Das Bestehende bestärken. Natürlich sind beide Adjektive gleich<br />
dünn und schwach, aber dem Zeitgeist genügten sie zum<br />
Einteilen alles Erscheinenden. Mehr als ein Entweder – Oder war nicht drin:<br />
kritisch – aufklärerisch oder affirmativ. Schon wenn man Menschen in Linke und<br />
Rechte einteilt, präpariert man sie für die jeweils fällige Zeitgeistbehandlung.<br />
Nachträglich kann ich sagen, dass der Zeitgeist mich immer deutlicher sah als ich<br />
mich selbst. Der Zeitgeist wusste immer mehr von mir als ich. Vielleicht ist das<br />
sogar seine Funktion. Mein Romanheld Anselm Kristlein schwärmte 1966: „Wir<br />
überlassen das Individuum der für Individuen zuständigen<br />
Oberbekleidungsindustrie. In jedem anderen Bezug aber bitten wir um Achtung<br />
vor unserer Dividualität. Also: Vivat Dividuum. Der Tausendfalt. Und bald ein<br />
Hunderttausendfalt. Ist alles schon da im dunklen Parlament unterm Schädeldach.<br />
&#8230; . Soviele Anselme, soviele Meinungen.“ Dieser Anselm Kristlein kann seinem<br />
Autor nicht ganz unähnlich gewesen sein. Der aber wurde genau in dieser Zeit<br />
vom Zeitgeist zum eintönigsten Exemplar, nämlich zum Kommunisten<br />
gestempelt. Wie das? Ich habe zwar Romane geschrieben, die als affirmativ<br />
galten, aber ich habe in diesen Sechzigerjahren Reden gehalten gegen die<br />
bundesrepublikanische Haltung zum amerikanischen Krieg in Vietnam. 1965:<br />
„Wie hältst du’s mit Vietnam?“. 1966: „Praktiker, Weltfremde und Vietnam .“<br />
Auch 1966: „Auskunft über den Protest.“ 1967: „Amerikanischer als die<br />
Amerikaner.“ Auch 1967: „Amerikanischer Irrtum.“ 1969: „Zur neuen Taktik der<br />
US-Regierung.“ Ich war nicht naiv genug, den Amerikanern ihre<br />
Kriegsrechtfertigung zu bestreiten. Ich wollte nur, dass wir diesem Krieg nicht<br />
zustimmten. Ein einziges Zitat, das den die Bundesrepublik damals<br />
beherrschenden Zeitgeist ausdrückt. Unser Bundespräsident Heinrich Lübke<br />
gratuliert, wie es sich gehört, dem amerikanischen Präsidenten Johnson zum<br />
amerikanischen Nationalfeiertag, 1967, er übermittelt seine und „des deutschen<br />
Volkes beste Glückwünsche“, dann kommt er zum einzigen konkreten Inhalt<br />
seiner Adresse: „Möge auch der gegenwärtige Kampf, den Ihr Land als<br />
Vorkämpfer der Freiheit gegen die Mächte der Unterdrückung in Ostasien führt,<br />
von Erfolg gekrönt und es Ihnen bald vergönnt sein, sich ausschließlich Ihrem<br />
großen Friedenswerk zum Nutzen aller Völker der Welt zu widmen.“ Nicht jetzt<br />
alles auf den biederen Sauerländer Lübke schieben. Schon vor ihm hatte<br />
Bundeskanzler Erhard die Bombenangriffe auf Nordvietnam begrüßt. Und da gab<br />
es Tonnenzahlen, die die Bomben-Rekordmonate des 2. Weltkrieges übertrafen.<br />
Außer der BRD lieferten nur noch Franco-Spanien, Portugal und Südafrika solche<br />
Kriegssympathien ab. Der amerikanische Oberbefehlshaber in Vietnam Mc<br />
Namara schrieb später in seinen Memoiren, dieser Krieg sei ein Fehler gewesen.<br />
Zwei Millionen Menschen wurden getötet. Davon waren etwas über<br />
fünfzigtausend US-Soldaten. Unter den getöteten Vietnamesen gab es mehr<br />
Zivilisten als Soldaten. Schon im April 1967 sagte der Friedensnobelpreisträger<br />
Martin Luther King: „Bis jetzt haben wir eine Million dieser Menschen<br />
umgebracht – meistens Kinder.“<br />
Der Zeitgeist hier im Land war vielleicht komplizierter als es sich jetzt anhört.<br />
Viele, die den Krieg guthießen, sagten dazu, dass es ihnen nicht leicht falle, diesen<br />
Krieg gutzuheißen. Golo Mann gab den Rat: „Ein höfliches trauriges Schweigen<br />
scheint mir noch die würdigste Haltung, welche westeuropäische Politik<br />
gegenüber der Vietnam-Tragödie einnehmen kann!“ In meiner Rede<br />
„Amerikanischer als die Amerikaner“ habe ich den Satz zitiert und gefragt: „Wie<br />
macht man das &gt;&gt;höflich und traurig&lt;&lt; schweigen?“<br />
Ich habe in diesen Reden nie östliche Quellen zitiert ; hauptsächlich französische<br />
und amerikanische. Es hieß dann aber, ich sei ein Kommunist.<br />
In der FAZ wurde mein Roman „Jenseits der Liebe“ unter dem Titel „Jenseits der<br />
Literatur“ besprochen. Und zeitgeistgemäß hieß es da „Er (also ich) wandte sich,<br />
die Mode vieler bundesdeutscher Intellektueller flink und graziös mitmachend<br />
dem Kommunismus zu.“ Der Kritiker sieht auch, warum ich Kommunist<br />
geworden bin: „Wenn es mit dem Dichten nicht weitergehen will, ist hierzulande<br />
die Barrikade des Klassenkampfes ein attraktiver und meist auch gemütlicher<br />
Aufenthaltsort &#8230;“. Und weil ich, der Kommunist, jetzt „jenseits der Literatur“<br />
war, musste die Besprechung so anfangen: „Ein belangloser, ein schlechter, ein<br />
miserabler Roman. Es lohnt sich nicht, auch nur ein Kapitel, auch nur eine einzige<br />
Seite dieses Buches zu lesen.“<br />
Der Kritiker erfindet für den Autor dieser reinen Misslungenheit gleich auch noch<br />
eine öffentliche Rolle: „So wurde Martin Walser zum geistreichen Bajazzo der<br />
revolutionären Linken in der Bundesrepublik Deutschland.“</p>
<p>Da wird nicht mehr ein Buch besprochen, sondern eine Person. Aber beides, Buch<br />
und Person, wird gleichermaßen erledigt.<br />
Ich beschäftige mich mit dieser Buchkritik, weil sie den Zeitgeist demonstriert. In<br />
Buchkritiken sieht man gewöhnlich, dass jemand, der schon viel gelesen hat, seine<br />
ganze Leseerfahrung jetzt auf ein einziges, gerade erschienenes Buch anwendet.<br />
Dieser durchaus tonangebende Kritiker formuliert für seine FAZ-Leser das<br />
Greuelmärchen, dass „viele bundesdeutsche Intellektuelle“ sich jetzt dem<br />
Kommunismus zuwendeten. Das kann einen FAZ-Leser nur erschrecken. Ganz<br />
allgemein: Wenn einer so extrem über einen anderen urteilt, dann muss er um so<br />
vernichterisch auftreten zu können, immer den Zeitgeist mobilisieren.<br />
Dazu noch eine Mitteilung, die beweist, dass der Zeitgeist bei uns, auch wenn er<br />
sich selbstherrlich aufführte und so tat, als könne er sich alles erlauben, dass er<br />
doch nie unwidersprochen blieb. Kaum war die Niedermachung in der FAZ<br />
erschienen, stand in einer Zeitung „&lt;&lt;Jenseits der Liebe&gt;&gt; von 26 Kritikern an<br />
die Spitze der Bücher-Bestenliste gewählt. Blitzstart für Walser.“ Vielleicht<br />
haben die 26 Kritiker so kräftig nicht dem Buch zuliebe votiert, sondern weil<br />
ihnen der Zeitgeist-Auftritt in der FAZ auf die ästhetischen Nerven ging. Und eine<br />
letzte Nachricht über dieses unlesbare Buch: in der neunten Auflage hat es 2004<br />
das 107. Tausend erreicht, auch übersetzt ist es worden. Au dela de l’amour, Más<br />
allá del amor usw. Man kann sich auch selber helfen, wenn man zurückschaut in<br />
die Gesellschafts- und Literaturgeschichte.<br />
Alfred Kerr, 1913, über den gerade erschienenen „Tod in Venedig“, von Thomas<br />
Mann. Da steht: „&#8230; ich finde hier einen verhüllten Kitschling &#8230; Wenig Blut und<br />
viel Haltung. Schwaches Deutsch. &#8230;alles im Grunde musiklos &#8230; schleichend<br />
geschoben &#8230; alles zusammengedrockst . &#8230; Bemerkenswert, dass er so oft<br />
Angaben über einen Dichter macht; ohne just ein solcher zu sein.“ Welche Rolle<br />
der Zeitgeist bei diesem Vernichtungsversuch gespielt hat, weiß ich nicht, aber<br />
eins ist sicher: der Thomas Mann-Text allein kann diese Vernichtungsmetaphorik<br />
nicht bewirkt haben. Trotz solcher Trostzufuhr durch den Blick in die Geschichte,<br />
ist es schwer, dem gern auftrumpfenden Zeitgeist in der Wirklichkeit zu<br />
begegnen.<br />
Wenn du als so und so Gemaßregelter abends an einen Tisch kommst, begegnest<br />
du den vom Zeitgeist produzierten Etiketten. Da fängst du an, dich zu verteidigen.</p>
<p>In meinen Tagebüchern steht unterm 19. 3. 1970: Stuttgart. Im Widmer. Kienzle,<br />
Nägele, beide SDR, Schiele, Stuttgarter Nachrichten u.a.<br />
Schiele, immer schon eine Glatze, aber jetzt erst das Gesicht dazu: bedauerlich<br />
verkniffen, den Kopf immer in einer bösartigen Angriffshaltung, die Brille<br />
kältestes Gold. Er ist in die Politik gegangen. Beginnt so: Ich verfolge Sie ja nur<br />
sporadisch, aber es kommt mir vor, als wären Sie enger geworden, nicht mehr der<br />
Walser von 1965, sondern mager, irgendwie geschrumpft. Ich hab da was gelesen,<br />
dass Sie Ihr Ufer am See jedem zur Verfügung stellen wollen, der kommt, und<br />
auch Ihre Frau, also ich könnt’s nicht mehr genau sagen, aber so ähnlich. Ich bin<br />
im Gegensatz zu Ihnen noch Demokrat.<br />
Ich: Wieso, bin ich keiner?<br />
Er: Sie haben doch vorher gesagt, Sie wollten die Demokratie abschaffen.<br />
Ich: Ich habe gesagt, Intellektuelle seien dazu da, die herrschenden<br />
Rechtfertigungen anzugreifen, und dazu gehöre, die Behauptung zu bestreiten,<br />
dass wir schon eine Demokratie seien.<br />
Er: Ach so. Ich entschuldige mich. Ich kann nicht sagen, was ich denke, ich mach<br />
ja bloß so ein Blättle, ich bin angestellt, und da sitzt einer in dem Haus am See,<br />
kann sagen, was er will, ist linksradikal, das muss der einmal bezahlen, denk ich,<br />
wenn ich daran denke.<br />
Kienzle nimmt übel, dass ich ein Sympathietelegramm an das DKP-Präsidium<br />
geschickt habe. Ich frage: Wie, wann? Wir bringen nicht heraus, was er gemeint<br />
haben könnte, da ich nie ein solches Telegramm geschickt habe.<br />
Das ist Zeitgeist pur. Vorschnell könnte man sagen: Zeitgeist, das ist der<br />
Stammtisch der Intellektuellen. Stimmt natürlich nicht, weil dieses andauernde<br />
Meinungsgewoge andauernd gleichermaßen zum Feinsten wie zum Gröbsten<br />
fähig ist.<br />
Dazu noch eine feine Nachricht: Ich war in den Sechzigerjahren mehr als einmal<br />
von Professor Willson eingeladen worden, eine Gastprofessor-Rolle zu spielen in<br />
Austin, University of Texas. Ich musste leider ablehnen, wegen Vietnam. Als der<br />
Krieg zu Ende war, wurde ich wieder eingeladen und konnte dankbar, sehr<br />
dankbar annehmen.<br />
Im Inland wurde mir noch in den Siebzigerjahren gemeldet, den Büchner-Preis<br />
könne ich nicht bekommen, ein Jury-Mitglied habe gesagt, solange er in der Jury<br />
sei, bekomme ein Kommunist den Büchner-Preis nicht. Das sagte ein Gelehrter,<br />
der über Staat und Recht wichtige Bücher geschrieben hat.<br />
Um einer Unterstellung vorzubeugen: Es geht nicht darum, der Kritik ihr Recht zu<br />
bestreiten. Nichts Schöneres als dem Kreuz-und Querfeuer der Rezensenten<br />
zuzuschauen. Hier geht es nur um Kritik, die vermuten lässt, dass der Kritiker im<br />
Zeitgeist untergeht. Oder auch ihm widerspricht.<br />
Ein großes Beispiel dieser Art hat Peter Handke gegeben. Er hat in den<br />
Sechzigerjahren Hermann Lenz gelesen, als dieser Autor für uns, die Engagierten,<br />
die Linksintellektuellen als eine konservative Verschlafenheit der feineren Art<br />
galt. Handke hat mehr als 30 Jahre lang Hermann Lenz gelesen und hat uns, die<br />
wir aktuell benommen waren, in Aufsätzen, die ihrerseits von Genauigkeit<br />
strotzen, mitgeteilt, was für ein Autor dieser Hermann Lenz ist. Ich, zum Beispiel,<br />
war so eingenommen vom Zeitgeist, dass ich auch diese Aufsätze damals nicht<br />
gelesen habe. Peter Handke war für mich in der linken Zeitgeist-Notierung ein<br />
Bewusstseinsabenteurer, dessen Innerlichkeitszirkus ich zur ontologischen<br />
Turnstunde erklärte. Erst sein Buch „Das Gewicht der Welt“, 1978, hat mich<br />
dann, dann aber dauerhaft über ihn unterrichtet. „Es gibt keinen Autor, schreibt<br />
der Österreicher Handke über Lenz, der Deutschland so verlockend macht, als<br />
eine Art Raum zu leben, Familie zu haben, Liebe zu fühlen, Geschichte zu<br />
suchen“. Hermann Lenz wurde durch Peter Handke gerade noch befreit aus einer<br />
nur zu begründeten Verbitterung. Dieter Borchmeyer hat dieses Zeitgeist-Stück<br />
anteilnehmend charakterisiert: „Hermann Lenz hat es bis zum Ende seines Lebens<br />
kaum je fassen können, was Peter Handke für ihn getan hat: dass er in jenem<br />
legendären Zeitungsartikel in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Dezember 1973<br />
den bis dahin im Schatten des Literaturbetriebs sein stilles Wesen treibenden<br />
Hermann Lenz mit einem Schlage ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zog und ihm<br />
nun unaufhaltsam wachsenden Ruhm bescherte.“ Aber er bemerkt auch, dass<br />
„Lenz das Gefühl einstiger Demütigung durch den Literaturbetrieb nie ganz los<br />
wird“. Was Borchmeyer Literaturbetrieb nennt, heißt für mich Zeitgeist.<br />
Ob man´s glauben mag oder nicht, in den Sechzigerjahren versuchte der Zeitgeist<br />
sogar Hermann Hesse zu demontieren, obwohl der doch gerade in Kalifornien das<br />
Signal war für eine friedliche Revolution. Volker Michels, der Hesse im<br />
Suhrkamp-Verlag wahrhaft unverdrossen gegen die Zeitgeist-Zumutungen<br />
verteidigte, mußte sich von jenem tonangebenden Kritiker sagen lassen: Warum<br />
beschäftigen Sie sich nicht gleich mit Ganghofer. So seinen Irrtum feiern kann<br />
jemand nur, wenn aus ihm der Zeitgeist selber<br />
spricht.<br />
Das passiert nicht nur im Kulturbetrieb. Am 24. September 1993 stand in der<br />
ZEIT: „Seit dem 4. April dieses Jahres wird José Ignacio López de Arriortúa in<br />
unserer Presse monoton und monochrom als Schurke dargestellt.“ Geschrieben<br />
von mir. Überschrift: „López gehört ins Feuilleton“. Eine Orgie der<br />
Vorverurteilung von März bis September. Die Verdachtsberichterstattung feiert<br />
Triumphe. Opel stellt Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen<br />
des „Verrats von Betriebsgeheimnissen an die Volkswagen AG, der<br />
Unterschlagung von Unterlagen und wegen Untreue“. Haft bis zu 5 Jahren ist<br />
drin. López hatte schon Opel in Rüsselsheim zur gewinnträchtigsten GM-Tochter<br />
gemacht, dann in Detroit die Verluste um Milliarden reduziert. Weil VW damals<br />
für ein Auto dreimal so lange brauchte wie die Japaner, wollte man López dort<br />
haben. Aber der Zeitgeist hatte ihn zum „Schurken“, zum „Skrupellosen“, zum<br />
„Würger“, zum „Flegel“ gemacht, weil er von Opel zu VW wechselte. Das Motiv<br />
des Basken López für den Wechsel zu VW: VW versprach konkreter als GM, ihn<br />
seinen Traum realisieren zu lassen. Sein Traum war: Eine Fabrik in Amorebieta<br />
im Baskenland, die nach seiner Produktionskonzeption arbeiten sollte.<br />
Es ist nie zu einer Gerichtsverhandlung gekommen, aber der Zeitgeist hatte sein<br />
„Schurkenstück“. Ich habe notiert: “ Bei uns sorgt Beschuldigungseifer für jede<br />
Art von moralischem Expressionismus.“ Das fällt auf. Wenn die Wirtschaft dran<br />
ist, wird der Journalismus moralisch.“Schurke“ wird man im Kulturbetrieb nicht<br />
genannt.<br />
Übrigens hat der ZEIT-Redakteur, als mein Artikel erschienen war, mir gesagt, er<br />
habe einen López- Artikel bei mir bestellt, weil er geglaubt habe, dass ich López,<br />
wie der Zeitgeist es gerade wollte, polemisch behandeln würde. Schließlich war<br />
ich doch ein Linksintellektueller. Neuestens hat die<br />
Verdächtigungsbereitschaft den Siemens-Konzern entdeckt. Oben eine edle<br />
Führung, unten ein Apparat, der sich über das Gesetz stellt. Von Heinrich von<br />
Pierer, zuerst Vorstands- dann Aufsichtsratsvorsitzender, heißt es jetzt: „Pierers<br />
Aufstieg in einem Schmiergeldsystem“. Mit einem schon beeindruckenden<br />
Nachforschungsaufwand wird enthüllt, wie viele Millionen in wie vielen Ländern<br />
aufgewendet wurden, um durch Bestechung große Aufträge zu bekommen. Dass<br />
solche Praktiken bis 1998 nach deutschem Recht nicht strafbar waren, spielt bei<br />
der moralischen Entrüstung der journalistischen Ermittler keine Rolle.<br />
Deutschlands feinster Technologie-Konzern ein Schmiergeldsystem, das sollen<br />
wir zur Kenntnis nehmen. Wir lesen: „Der frühere Anti-Korruptions-Beauftragte<br />
der Sparte Festnetze &#8230; räumte am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht<br />
ein, selbst neue Verschleierungsmethoden für illegale Millionentransfers<br />
ausgelotet zu haben.“ Das wäre in einem Brechtstück eine fabelhafte theatralische<br />
Pointe. Bis zurück ins Jahr 1974 wird zur Zeit geforscht. Kraftwerke für den Iran.<br />
Und einer, der 700 Millionen Bestechungssumme erwartet hatte und nur 400<br />
gekriegt hat, serviert den Ermittlern jetzt in seinem Genfer Quartier seine Anti-<br />
Siemensstimmung. Die „Sonderkommission des Landeskriminalamtes“ meldet so<br />
und so viele Festnahmen, so und so viele Beschuldigte. Die Firma hat 1700<br />
Standorte in 190 Staaten, 400 000 Beschäftigte. Jetzt heißt es: Siemens habe die<br />
technische Entwicklung verschlafen, sei deshalb, um Großaufträge zu bekommen,<br />
auf Bestechung angewiesen. Staatsanwaltschaft und Medien im<br />
Verdächtigungswettbewerb. Und immer der moralische Oberton: So ein feiner<br />
Herr, dieser Herr von Pierer, und so ein feiner Konzern, und dann Schmiere,<br />
Bestechung, Korruption.<br />
Nun wissen natürlich wirklich alle, dass in der ganzen Welt die großen Firmen<br />
ihre Großaufträge durch Bestechung hereinholen. Es handelt sich ja in keinem<br />
Fall um persönliche Bereicherung der Manager. Und vor 1998 konnte man<br />
dergleichen noch von der Steuer absetzen. Aber Staatsanwälte und Medien finden<br />
diese Praxis unter allen Umständen kriminell. Mich erinnert dieser Reinheitseifer<br />
an das katholische Gebot, das den ehelichen Geschlechtsverkehr nur erlaubt, wenn<br />
er stattfindet zur Fortpflanzung. Wie die deutsche Reinheitspflege international<br />
beurteilt wird, zeigt ein Vergleich mit Frankreich. In der Süddeutschen Zeitung<br />
steht, dass es in Frankreich mit Siemens vergleichbare Fälle gibt. „Das stimmt,<br />
heißt es da, und doch tendiert der Empörungspegel in Frankreich gegen null.“ Der<br />
Staatsanwalt, der in Paris die Abteilung für Wirtschaftskriminalität leitet, beneidet<br />
seine deutschen Kollegen; wie in Deutschland die Schmiergeldaffäre im Fall<br />
Siemens aufgearbeitet werde, zeige, dass sich in Deutschland die Demokratie<br />
positiv entwickle. Es wird deutlich: in Frankreich gibt nicht der moralisch erregte<br />
Zeitgeist den Ausschlag, sondern das wirtschaftliche Interesse, der wirtschaftliche<br />
Erfolg. 400 000 Arbeitsplätze wären da wichtiger als ein Reinheitsgebot, das nicht<br />
von dieser Welt ist. Keine Moral, die nicht ihre eigene Heuchelei produziert. Und<br />
dafür sorgt immer der Zeitgeist.</p>
<p>Nach Kulturbetrieb und Wirtschaft noch eine Zeitgeist-Nummer aus der Politik:<br />
die deutsche Teilung.<br />
Fünfundzwanzig Jahre lang nichts gesagt, dann am 30. August 1977, eine Rede,<br />
gehalten zur Übergabe des Stadtschreiberamtes an Nicolas Born in Bergen-<br />
Enkheim. Drei Kapitel, das dritte hieß „Eine aktuelle Aufgabe ausgesprochen für<br />
Leser“ und begann so: „Ich meine Deutschland. &#8230; Ich halte es für unerträglich,<br />
die deutsche Geschichte – so schlimm sie zuletzt verlief – in einem<br />
Katastrophenprodukt enden zu lassen. Ich weigere mich, an der Liquidierung von<br />
Geschichte teilzunehmen. In mir hat ein anderes Deutschland immer noch eine<br />
Chance. &#8230; Wir dürften, sage ich , vor Kühnheit zitternd, die BRD so wenig<br />
anerkennen wie die DDR. Wir müssen die Wunde namens Deutschland<br />
offenhalten.“ Soweit also der „geistreiche Bajazzo der revolutionären Linken in<br />
der Bundesrepublik Deutschland.“<br />
Im Lauf der Jahre verfügte der Zeitgeist, dass man nicht mehr von der Teilung<br />
sprach, sondern von der „deutschen Frage“. Es gab dann Zeitgenossen, die sagten,<br />
wir müssten die deutsche Frage „offen“ halten, das waren die Konservativen; die<br />
Fortschrittlichen wollten von der deutschen Frage wenig bis nichts mehr wissen.<br />
In den Münchner Kammerspielen gab es alljährlich die „Reden über das eigene<br />
Land: Deutschland“. Im Grunde gingen alle diese Reden um die „deutsche Frage“.<br />
Ist sie noch offen oder gibt es sie nicht mehr.<br />
Ein mit Recht auch von Gegnern respektierter SPD-Politiker, ein Vordenker der<br />
SPD sagte gleich im dritten Satz seiner Rede: „Das wachsende Ozonloch, der<br />
Treibhauseffekt, beunruhigen bei uns mehr als die Teilung. Und das zu Recht“.<br />
Und: „Die alte deutsche Frage liegt hinter uns wie die alte Geschichte der<br />
europäischen unabhängigen Nationalstaaten.“ „Jetzt werde das Europäische Haus<br />
entworfen. Wer dabei die deutsche Frage aufwirft, stört Europa. Die Deutschen<br />
dürfen kein Störenfried mehr sein.“ Willy Brandt, so teilte er noch mit, habe<br />
kürzlich die Wiedervereinigung die Lebenslüge der Zweiten Deutschen Republik<br />
genannt. Und was souffliert der Zeitgeist Willy Brandt keine fünf Jahre später:</p>
<p>„Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.“ Das demonstriert die Kraft des<br />
Zeitgeists. Es gab aber auch ganz andere Arten, die deutsche Frage zu<br />
beantworten. Ein Intellektueller, berühmt für seine moralische Intelligenz,<br />
erinnert an die Toten, an die Millionen von ermordeten Juden, und sagte: „&#8230;<br />
schon deshalb, um von anderem zu schweigen, halte ich den Gedanken einer<br />
&gt;&gt;Wiedervereinigung&lt;&lt; für absurd.“<br />
Das war öfter ein Grund, für die Teilung zu sein: Auschwitz, also das deutsche<br />
Verbrechen.<br />
1988 war ich dran. Mein Argument gegen die Teilung war: die Teilung ist keine<br />
Strafe, weil in unserem Namen Verbrechen begangen wurden, die Teilung ist<br />
nicht wegen Auschwitz verhängt, sie ist eine Folge des Kalten Krieges. Und es<br />
gibt auch keine Rückfallgefahr mehr. „&#8230;wer das nicht sieht, habe ich gesagt, der<br />
verneint schlicht unsere letzten 40 Jahre -, also gibt es nur noch ein Motiv für die<br />
Fortsetzung der Teilung: das Interesse des Auslands. In östlichen und westlichen<br />
Ländern“ Das hat mir dann am meisten Schimpf eingebracht.<br />
Wie die nach mir dort Redenden auf mich reagierten, drückte die „Frankfurter<br />
Rundschau“ im Titel ihres Berichts so aus: „Martin Walser wurden die Leviten<br />
gelesen.“ Ein immer durch Scharfsinn glänzender SPD-Politiker, vielleicht der<br />
gescheiteste SPD-Politiker überhaupt, schrieb dann: „Der aufklärerische<br />
Schriftsteller Martin Walser leidet an nationalem Mystizismus.“ Titel dieser<br />
Polemik, veröffentlicht in der ZEIT: „Ein Deutscher kann man überall sein.“<br />
Daraus habe ich gelernt: dieser durch und durch historisch Gebildete kann hundert<br />
Daten mobilisieren, die die Teilung vernünftig erscheinen lassen. Aber seine<br />
Meinung entsteht nicht aus seinen Argumenten, sondern die Argumente sind<br />
mobilisiert, um die schon vorher bestehende Meinung zu fundieren.<br />
Dafür eine Äußerung aus den Achtziger-Jahren. Ein Professor, prominenter<br />
Historiker: „Wenn nicht alles täuscht, so ist die Geschichte der deutschen Frage in<br />
ihre Normallage zurückgekehrt &#8230; nämlich (in) der Existenz einer deutschen<br />
Kulturnation in der Mitte Europas, die in mehrere deutsche Staatsnationen<br />
gespalten ist. Alles spricht dafür, dass die Phase des konsolidierten nationalen<br />
Gesamtstaates von 1871- 1933 eine Episode in der deutschen Geschichte gewesen<br />
ist und dass wir wieder, freilich auf höherer Ebene, den Zustand erreicht haben,<br />
der in Deutschland nach 1815 bestand, nämlich eine Mehrheit deutscher Staaten,<br />
mit gemeinsamer kulturnationaler Zugehörigkeit.“ Wenn ich solche Sätze gelesen<br />
habe, habe ich öfter bedauert, dass es für Sätze keine Spiegel gibt, in die man sie<br />
schauen lassen könnte, dass sie sich sähen. Die DDR-BRD-Geteiltheit eine<br />
Kulturnation, „freilich auf höherer Ebene“. Der Zeitgeist lebt von Wörtern. Die<br />
werden geliefert.<br />
Die für mich schmerzlichste Antwort damals – auch in der ZEIT – ein von mir<br />
immer geschätzter Kollege. Mein Argument, dass nur noch das Interesse des<br />
Auslands die Teilung begründe, stamme aus den Hinterzimmern, in denen<br />
„Versammlungen kleiner Rechtsparteien“ stattfinden. Dann heißt es da:<br />
„Nationalistisches Geschwafel wird ja nicht dadurch erträglicher, dass der Redner<br />
zuvor einige schöne Bücher geschrieben hat. Umgekehrt: Ich muss mich dagegen<br />
wehren, dass mir diese Bücher nicht plötzlich in einem neuen Licht erscheinen.“<br />
Die Überschrift dieses Artikels: „Gedächtnis verloren – Verstand verloren.“ Das<br />
tendiert zur Generalverdammung: „Stammtischgeblöke.“ Tatsächlich wurde mir<br />
mehr als einmal das vorher gebrauchte Du entzogen. „Stamtischgeblöke“ hin oder<br />
her, für den Zeitungsleser wurde damals doch nichts so deutlich wie das Interesse<br />
des Auslands an der deutschen Teilung. Dafür gibt es von Andreotti über<br />
Mitterand bis zu Lady Thatcher jede Menge Aussprüche.</p>
<p>Jetzt noch eine Erfahrung mit dem Zeitgeist über unser Land hinaus.<br />
In den Achtzigerjahren habe ich eine Novelle geschrieben: Dorle und Wolf. 1987<br />
erschienen, geschrieben gegen den Zeitgeist. Es ist mein einziges Prosabuch, das<br />
politisch sein will. Wolf, ein Ost-Spion und seine Frau Dorle, Sekretärin in Bonn.<br />
Ich mobilisierte bis zur Gerichtsverhandlung und zur Verurteilung alles, was ich<br />
über die Teilung ausdrücken wollte. Solche thematischen Absichten sind mir<br />
sonst völlig fremd. Eine Frau in München hat einmal nach einem Vortrag in der<br />
Diskussion gesagt: Herr Walser, in Ihren Vorträgen sind Sie immer so<br />
fortschrittlich, in Ihren Romanen aber gar nicht. Ich habe ihr geraten, mich nach<br />
meinen Romanen zu beurteilen, weil die Vorträge immer nur ein<br />
Meinungssegment eröffneten. Ich hätte auch sagen können: Weil die Vorträge oft<br />
nur das sagen, was der Zeitgeist in mir so oder so anrichtet. Jetzt aber „Dorle und<br />
Wolf“, als vom Zeitgeist provozierte Prosa. Die großen Zeitungen waren sich<br />
sofort einig: „Kein Glanzstück“, „gedankliche Anämie“, ein „lächerlich<br />
unglaubwürdiger Held“, am kräftigsten die Süddeutsche“: „ &#8230; ritzt doch nicht<br />
einmal die Realität, hat alle deutsche Geschichte vergessen, bleibt einfach<br />
schlieriges Gerede“. Ich hätte aus Erfahrung wissen können: nichts ist so sinnlos<br />
wie der Versuch, dem Zeitgeist zu widersprechen. Du musst es dir einfach<br />
gefallen lassen. Gut, es gab auch mildere Reaktionen, aber die großen Zeitungen<br />
bestimmen eben das Klima der Saison. Einen Sonnenstrahl verschaffte mir<br />
allerdings Joachim Kaiser. Meinem Helden Wolf Ziegler kamen einmal auf dem<br />
Bonner Bahnhof die Reisenden plötzlich vor „wie halbe Menschen. Lauter<br />
Halbierte strebten da hin und her. Die anderen Hälften liefen in Leipzig hin und<br />
her. &#8230; Und keiner würde, fragte man ihn, sagen, ihm fehle seine Leipziger Hälfte,<br />
sein Dresdener Teil, seine mecklenburgische Erstreckung, seine thüringische<br />
Tiefe &#8230;“<br />
Diese Stelle wurde in vielen Kritiken gegen das Buch ausgeschlachtet. Joachim<br />
Kaiser schrieb dann eine Glosse in der „Süddeutschen“ und schloss so: „Ob nicht<br />
am allermeisten beraubt diejenigen sind, die ihre Verluste nicht einmal<br />
bemerken?“ Diese unverlangte Glanz-Glosse muss einem Autor ein Quentchen<br />
der Zurechnungsfähigkeit retten, die ihm vom Chor der Einflussreichen<br />
abgesprochen wurde. Zum Glück, konnte ich damals noch sagen, gibt es auch das<br />
Ausland. Zwei Jahre später, zum Beispiel, die amerikanische Presse reagiert auf<br />
„No Man’s Land“. Los Angeles Times: „The satire in No Man’s Land is deadly<br />
and exact … But Walser is something more than a satirist”. New York Times<br />
Review, Empfehlung des Herausgebers: “Dieser packende Roman, der die<br />
Ökonomie und Intensität eines Dramas hat, stellt letztlich einen dramatischen<br />
Monolog im Kopf des Protagonisten Wolf dar – ein geteilter Mensch in einem<br />
geteilten Deutschland, dessen Wiedervereinigung man sich nicht einmal vorstellen<br />
kann.“ Publisher’s Weekley: „In dieser kunstvollen voll und ganz glaubhaften<br />
Geschichte stellt Walser Wolfs ausgebrannte Lage als Bild des geteilten<br />
Nachkriegsdeutschlands vor.“ In allen ausländischen Reaktionen setzt man sich<br />
seriös mit dem Thema des Buches auseinander. Im Inland erlebt man, was der<br />
Zeitgeist vermag.</p>
<p>Keiner, aus dem der Zeitgeist spricht, kann sich selber im Dienst des Zeitgeists<br />
sehen. Auch ich habe mich, wie und wo auch immer ich mit-agiert habe, nie als<br />
vom Zeitgeist erfüllt oder gelenkt gesehen. Jeder hat jeweils selber recht. Ich habe<br />
natürlich auch immer geglaubt, dass ich recht habe. Also ist der Zeitgeist dadurch<br />
charakterisiert, dass er jedesmal recht hat. Da das Leben ein unaufhörlicher<br />
Kinderspielplatz ist, möchte ich gern ausrufen: Aber angefangen habe nicht ich,<br />
angefangen haben die anderen! Nachträglich kann man versuchen, nachzuweisen,<br />
der und der habe, als er, so ganz erfüllt vom Zeitgeist, auftrat, doch nicht nur recht<br />
gehabt. Das nützt nichts. Den Zeitgeist gibt es immer nur in der Gegenwartsform.<br />
Er hat kein Gedächtnis. Er ist immer die Aktualität selbst. Und selbst wenn in<br />
einem Jubiläumsjahr der Zeitgeist von gestern dargestellt werden soll, erfahren<br />
wir mehr über den Zeitgeist von heute als über den von gestern. Der Zeitgeist<br />
untersucht sein Rechthaben nicht selbst. Er hat Kants Kritik der Urteilskraft nicht<br />
gelesen. Mehr recht hat jetzt, wer lauter recht hat. Wer das Medium mit der<br />
höchsten Quote betreibt. Da schlägt Quantität täglich im Konsumenten in Qualität<br />
um. Da wir hier doch als Akademie erscheinen, darf ich schnell einmal bei Kant<br />
einkehren:<br />
Der erste Teil seiner „Kritik der Urteilskraft“ heißt „Kritik der ästhetischen<br />
Urteilskraft“. Darin heißt es „der Geschmack ist also das Vermögen, die<br />
Mitteilbarkeit der Gefühle &#8230; a priori zu beurteilen“. Das heißt die eigenen<br />
Gefühle nicht nur mitzuteilen, sondern auch den Geschmack, der sie produziert,<br />
als solchen zu untersuchen. Wenn „das Geschmacksurteil“, sagt Kant, nicht für<br />
egoistisch, sondern &#8230; notwendig als pluralistisch gelten muss, welches &#8230;<br />
verlangen darf, dass jedermann ihm beipflichten soll: so muss ihm irgend ein &#8230;<br />
Prinzip a priori zum Grunde liegen &#8230;“<br />
Du bist nicht nur deine Tendenz, sondern du weißt auch und sagst es dazu, dass<br />
du deine Tendenz bist. Wenn das so in Politik, Wirtschaft und Kultur geschähe,<br />
dann wäre unser Geistesleben kein Dschungel des Rechthabens, sondern der<br />
Garten ruhig blühender Erkenntnis. Oder ist es überhaupt ungehörig, Kant zu<br />
bemühen? Aber wäre es nicht interessant, wenigstens einen akademischen<br />
Feieranlass-Augenblick lang die zeitgeistbildenden, zeitgeistschaffenden Urteile,<br />
die hier zitiert wurden, daraufhin zu untersuchen, ob die Intellektuellen der<br />
einzelnen Branchen in ihrer Urteils- beziehungsweise Kritik-Praxis dem<br />
Kantschen Anspruch genügen? Gut, sie können sagen: was kümmert mich Kant?!</p>
<p>Aber bevor wir ihn, nicht zum alten Eisen, wohl aber zum alten Gold legen, noch<br />
eine Stelle, in der er die Konsequenz formuliert. Ohne dass jemand Prinzipien<br />
habe, die als solche mitgeteilt werden, sagt Kant, „könnte er unmöglich die Urteile<br />
anderer richten, und über sie, auch nur mit einigem Scheine des Rechts,<br />
Billigungs- oder Verwerfungsaussprüche fällen“. Ich wende diese erlauchte<br />
Syntax an auf unsere bzw. meine Sorgen, das heißt dann: Wenn du über andere<br />
schreibst, sollst du auch ausdrücken, wie sehr du, wenn du über andere schreibst,<br />
auch über dich schreibst. Bei keinem anderen erlebt man das deutlicher als bei<br />
Peter Handke. Wenn er über Hermann Lenz schreibt, heißt es dann: „Lesen ist<br />
gesund, jedenfalls für den berichtenden Leser hier.“ Oder: „Ist es Bedrohung,<br />
frage ich; ich weiß es nicht.“ Das ist Geistesgegenwart.<br />
Zurück in die große Einbahnstraße Zeitgeist, in der der Gegenverkehr geahndet<br />
wird.<br />
Wenn ich mir nicht mehr zu helfen weiß im Zeitgeist-Gelände, egal ob da Politik,<br />
Wirtschaft oder Kultur erscheinen soll, dann flüchte ich mich öfter in die<br />
Hilfsformel: Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr. Das ist eine Trotzreaktion gegen<br />
das Rechthabenmüssen. Das Rechthabenmüssen wie es im Schwange ist, darf sich<br />
ja nicht selbst relativieren. Je vollmündig-selbstsicherer es auftritt, desto mehr<br />
beeindruckt es, gilt es. Ich habe gerade noch ein Beispiel erlebt, das viel von dem,<br />
was ich gesagt habe widerlegt. Widerlegen würde, wenn es nicht nur EIN Beispiel<br />
wäre, ein einzigartiges allerdings. In Aachen durfte ich einen Blick werfen in den<br />
news room der „Aachener Nachrichten“ und der „Aachener Zeitung“. Beide<br />
Zeitungen werden in EINEM Haus gemacht. Die Redakteure der einen Zeitung<br />
sitzen den Redakteuren der anderen Zeitung direkt gegenüber, jeder hat den<br />
Computer vor sich und sie können sich über die Meinungen, die sie produzieren,<br />
verständigen, abstimmen, unterscheiden, wie es gerade nötig ist. Da wird<br />
praktisch bewiesen,: nichts ist ohne sein Gegenteil wahr. So ein Beispiel, und sei<br />
es auch nur ein einziges, kommt mir vor, als sei eine Kultur des<br />
Nichtmehrrechthabenmüssens möglich.<br />
Wie mächtig der Zeitgeist in mir gelegentlich wirkte, will ich noch an einem<br />
indiskutablen Beispiel zeigen, nämlich an einem Traum. Am 4. April 1973 steht<br />
in meinem Tagebuch: Traum:<br />
Gesellschaft in Bonn. Sie landen und starten andauernd. Auf dem Fluss kommen<br />
die Schiffe und legen an. Und Treppen, mit Teppichen belegte, und die Kollegen<br />
mit Heinemann und Brandt. Und die Frauen der Kollegen in den Kleidern. Sie<br />
sprechen Englisch und Portugiesisch und lachen, wenn die Männer noch Deutsch<br />
sprechen. Die Männer braten goldene Würstchen, aber anstatt diese zu essen,<br />
zeichnen sie einander aus damit. Sie benutzen dazu die Olympiapodeste. Günter<br />
Grass, Reinhard Baumgart und Siegfried Lenz werden von Horst Ehmke<br />
ausgezeichnet. Karl Schiller, Willy Brandt und Helmut Schmidt werden von<br />
Günter Grass ausgezeichnet; in diesem Augenblick spuckt Reinhard. Baumgart<br />
aus und schreit: Scheiße, aber die durch die Luft spritzende Spucke fängt seine<br />
Frau rechtzeitig mit einer geübten Handbewegung ab, dass niemand etwas<br />
bemerkt, und das Wort „Scheiße“ wird durch die überall aufgehängten<br />
sogenannten Akustik-Converter umgewandelt in Schleife. Sofort rennt seine Frau<br />
zu ihm hin und bindet ihm seine Schleife neu. Und er sagt noch einmal lauter:<br />
Scheiße. Und wieder hört er auch lauter: Schleife: Und seine Frau sagt: Ich mach<br />
ja schon, jetzt sei doch nicht so ungeduldig.<br />
Jetzt noch eine Behauptung, die ich gern eine Erfahrung nennen würde: Der<br />
Zeitgeist wohnt eine Etage höher als die Meinung. Die Meinung stammt noch aus<br />
einer Erfahrung. Der Zeitgeist stammt nur noch aus Meinungen. Jede dieser<br />
Meinungen mußte einmal recht haben. So ist, könnte man sagen, der Zeitgeist die<br />
Superstruktur des Rechthabens. Aber, und das wäre, wenn es stimmt, das<br />
Entscheidende: Jeder, der eine Meinung formuliert, lässt alles weg, was dieser<br />
Meinung widerspräche. Jeder weiß mehr als er sagt. Ob ein SPD- oder ein<br />
CDU/CSU-Politiker, sie wissen jedesmal, wenn sie ihren Standpunkt vertreten,<br />
damit er wirke, sie wissen jedesmal mehr als sie sagen. Genau so die Journalisten.<br />
Vielleicht sogar die Geistlichen. Vom Philosophen möchte man verlangen<br />
können, auch das zu sagen, was dem, was er glaubt sagen zu müssen,<br />
widersprechen könnte. Wenn das so ist, könnte man die Meinung die Marktform<br />
des Gedankens nennen. Und der Zeitgeist liefert die Karosserie.<br />
Ein Journalist vom Corriere della Sera kam neulich zum Interview, ich frage, wie<br />
ich zur Zeit in Italien beurteilt werde, seine Antwort: Troppo tedesco. Allzu<br />
deutsch also. Jetzt fang einmal an und beweise, dass du dir gar nicht zu deutsch<br />
vorkommst! Lächerlich. Dass du dem Zeitgeist widersprichst, bestätigt ihm nur,<br />
dass er recht hat.<br />
Allerdings, unter anderem ist der Zeitgeist auch ein sich selbst betreibender<br />
Prozess. In Amerika und Frankreich erscheinen jetzt wissenschaftliche Arbeiten,<br />
die mein troppo tedesco klären wollen. Und im Inland hat einer der<br />
wahrnehmungsfähigsten Intellektuellen, der Philosoph Peter Sloterdijk, in einem<br />
Essay mit dem Titel „Theorie der Nachkriegszeiten“ das 8. Kapitel meinen<br />
Erfahrungen gewidmet, Titel: „Deutschland 2007: Der Idiot der europäischen<br />
Familie in der Normalisierungsphase: Die Affaire Walser.“ Darin heißt es: „Zehn<br />
Jahre nach der Rede in der Paulskirche wissen wir, dass Walser auch hierin zu<br />
früh Recht hatte, und das Publikum von damals, das nach der Rede einmütig<br />
stehend applaudierte, wusste es in situ auch. Mit diesem Applaus war man sich<br />
selber ein paar Minuten lang zehn Jahre voraus und gab seine Zustimmung zu der<br />
soeben erlebten rhetorisch glanzvollen Antizipation einer möglichen deutschen<br />
Normalisierung.“<br />
Vielleicht ist eben doch in jedem Zeitgeistmoment das enthalten, was zu seiner<br />
Aufhebung drängt. Ohne diese dialektische Energie wäre es nicht auszuhalten in<br />
hac lacrimarum valle. Kirchenlatein. In diesem Tal der Tränen. Zeitgeistdeutsch:<br />
In diesem Tal der Blößen.</p>
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		<title>Michael Sandel artikuliert sein Unbehagen an der Gentechnik</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Aug 2008 17:07:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Intuitionen und Gefühle sind keine Argumente. Aber sie sind nicht per se vernunftwidrig; im Gegenteil können Gefühle der Vernunft den Weg bahnen, wenn das, was sie «sagen», auch tatsächlich gesagt, wenn es artikuliert wird. Das ist ein alltäglicher Vorgang, auch in der Philosophie. In einem eindringlichen Essay hat Michael Sandel einem allgegenwärtigen Unbehagen Ausdruck verliehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/08/gentechnik.jpg"><img class="size-medium wp-image-1797 alignleft" title="gentechnik" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/08/gentechnik.jpg" alt="" width="66" height="192" /></a>Intuitionen und Gefühle sind keine Argumente. Aber sie sind nicht per se vernunftwidrig; im Gegenteil können Gefühle der Vernunft den Weg bahnen, wenn das, was sie «sagen», auch tatsächlich gesagt, wenn es artikuliert wird. Das ist ein alltäglicher Vorgang, auch in der Philosophie. In einem eindringlichen Essay hat Michael Sandel einem allgegenwärtigen Unbehagen Ausdruck verliehen und die Argumente skizziert, die sich aus diesem Unbehagen gewinnen lassen. Das Gefühl, das er in Worte kleidet, ist das einer Beunruhigung über die bio- und gentechnologische «Optimierung» der menschlichen Natur, die möglich geworden zu sein scheint.</p>
<p>.Wieso – will der in Harvard lehrende Philosoph wissen – stellt sich das Gefühl eines «moralischen Schwindels» ein, wenn der Phantasie eines human engineering freier Lauf gelassen wird?</p>
<p><span id="more-1762"></span></p>
<p>Deshalb vielleicht, weil etwa Kinder, die quasi auf Bestellung und mit bestimmten Eigenschaften ausgestattet in die Welt geholt werden, nicht mehr in demselben Sinne frei und selbstbestimmt wären wie die anderen, auf «herkömmliche» Weise gezeugten und geborenen? Vielleicht. Aber woher kommen dann die Vorbehalte gegenüber erwachsenen Menschen, die sich – aus freien Stücken – biotechnologisch aufpeppen lassen, die beispielsweise mehr Muskeln oder leistungsfähigere graue Zellen wollen?</p>
<p>Wohlgemerkt: Es geht nicht um therapeutische Eingriffe. Oder vielmehr: Es geht um sie und darum, sie von «perfektionierenden» Eingriffen – Heilen von Eugenik – noch zu unterscheiden. Auch wenn diese Unterscheidung medizintechnisch nicht immer zweifelsfrei zu treffen sein mag, so macht sie doch einen moralischen Unterschied und sich als solcher bemerkbar – eben in den beunruhigenden Gefühlen, die angesichts des genetic engineering aufkommen. Um den argumentativen Gehalt, der in diesem Unbehagen steckt, zu bergen, reiche – so Sandel – das in liberalen Gesellschaften gängigste Vokabular, die «Sprache der Autonomie», nicht aus. Selbstperfektionierung lässt sich ja eben als Fall von Selbstbestimmung verstehen und rechtfertigen.</p>
<p>Die Sprache, die Sandel stattdessen empfiehlt, ist die Sprache der Ehrfurcht vor dem Leben – vor dem Leben als «Gabe». Die Wertschätzung des «geschenkten» Lebens – eine Form von Demut bedürfe nicht unbedingt der Religion; sie lasse sich ebenso in «säkulare Begriffe» fassen. Verloren zu gehen drohe, wenn jene Wertschätzung verblasse, die «Offenheit für das Unerbetene» – eine Haltung, die Eltern gegenüber ihren Kindern für gewöhnlich ausbildeten. Diese elterliche Tugend zersetzt sich freilich nicht erst in der «genetischen Revolution». Sandel ist der – nachvollziehbaren – Ansicht, der Unterschied zwischen Eltern, die ihre Kinder früh schon in die Leistungssteigerungsmaschinerie der Wettbewerbsgesellschaft hineinzwingen, und Eltern, die sich Kinder nach Mass gentechnologisch anfertigen liessen, falle moralisch nicht sehr ins Gewicht.</p>
<p>Zwei weitere «Schlüsselelemente unserer moralischen Landschaft» sieht Sandel in Gefahr. Der Sinn für Solidarität – für ein geteiltes Schicksal – verkümmere, wenn Menschen sich ihre einst naturgegebenen Talente als Verdienst zugutehalten könnten. Und auch die Verantwortung werde durch den entfesselten prometheischen Drang tangiert; das Problem sei allerdings nicht ihre Erosion, sondern ihre «Explosion»: Die Verantwortung, die durch genetische Manipulationen eingegangen wird, sprengt die Grenzen des menschlich Verantwortbaren.</p>
<p>Michael Sandel – daran erinnert Jürgen Habermas in einem instruktiven Vorwort zur deutschen Ausgabe des Essays – hat mit seinem Buch &#8220;Liberalismus und die Grenzen der Justiz&#8221; vor einem Vierteljahrhundert eine Debatte in Gang gebracht, die als Kontroverse zwischen Kommunitarismus und Liberalismus in die Annalen der politischen Philosophie eingegangen ist. Illiberal war der «Kommunitarist» Sandel schon damals nicht; dass seine heutige Stellungnahme zur Gentechnik, indes eine – wie Habermas schreibt – dezidiert konservative ist, liegt auf der Hand. Allerdings zeichnet sich in dem «Plädoyer gegen die Perfektion» ab, dass diese konservative Einstellung nicht mit Schicksalsergebenheit verwechselt werden will. Michael Sandel, der drei Jahre Mitglied des President&#8217;s Council on Bioethics war, bricht am Ende noch eine Lanze für die Forschung an embryonalen Stammzellen.<strong> tno</strong></p>
<blockquote><p><em>Michael J. Sandel: Plädoyer gegen die Perfektion. Ethik im Zeitalter der genetischen Technik. Mit einem Vorwort von Jürgen Habermas. Aus dem Amerikanischen von Rudolf Teuwsen. Berlin University Press, Berlin 2008. 175 S., € 24.90.</em><br />
.</p></blockquote>
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		</item>
		<item>
		<title>«Leaves of Grass» &#8211; Walt Whitmans Grashalme</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Aug 2008 08:45:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die «Leaves of Grass» des Amerikaners Walt Whitman (1819-1892) erschienen erstmals 1855. Sie plädieren gegen Rassismus, für den Vielvölkerstaat, für soziale Gerechtigkeit und für unverkrampfte Körperlichkeit. Nicht zuletzt für die USA sind sie damit nach wie vor aktuell.Wir schreiben das Jahr 1951. Auf dem weiß bezogenen, flauschigen Bett ihres Apartments in Los Angeles liegt eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die «Leaves of Grass» des Amerikaners Walt Whitman (1819-1892) erschienen erstmals 1855. Sie plädieren gegen Rassismus, für den Vielvölkerstaat, für soziale Gerechtigkeit und für unverkrampfte Körperlichkeit. Nicht zuletzt für die USA sind sie damit nach wie vor aktuell.<span id="more-1746"></span><img class="size-full wp-image-1784 alignleft" style="margin-left: 10px; margin-right: 10px;" title="walt_whitman2" src="http://www.rundschau-hd.de/wp-content/uploads/2008/08/walt_whitman2.jpg" alt="" width="250" height="311" />Wir schreiben das Jahr 1951. Auf dem weiß bezogenen, flauschigen Bett ihres Apartments in Los Angeles liegt eine schöne blonde Frau von 25 Jahren. Mit dem linken Arm stützt sie ihren Kopf ab. Der Blick ist auf ein geöffnetes Buch gerichtet, das sie in der rechten Hand hält. Die Amerikanerin, die später den populärsten Dramatiker ihres Landes heiratet, liest in einem Band, der als Meilenstein der Literaturgeschichte jenseits des Atlantiks gilt. Sie liest Gedichte, von denen der Lyriker Allen Ginsberg auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs sagt, man solle sie bei einem internationalen Gipfeltreffen vortragen, um die Spannungen abzubauen. Sie liest Gedanken eines Mannes, den Bill Clinton zitiert, als er 1995 Papst Johannes Paul II. begrüßt, im Wissen, daß dieser den amerikanischen Lyriker zu seinen Lieblingsautoren zählt. Kurzum, Marilyn Monroe liest Walt Whitmans «Grashalme».</p>
<p>Es ist das Jahr 1855. Mehrfach geht der gelernte Drucker Whitman von seinem kleinen Haus in Brooklyns Prince Street zum Backsteingebäude an der Kreuzung von Cranberry und Fulton Street, wo die schottischen Immigranten Andrew und James Rome eine winzige Druckerei betreiben. Der Journalist nimmt stets auf einem Stuhl in der Nähe eines Ecktisches Platz und notiert detailliert, was mit seinen zwölf Gedichten jetzt geschehen müsse: in welcher Folge auf wie vielen Seiten sie erscheinen sollten, wie Cover, Illustration oder Schrift auszusehen hätten. Beim Setzen der Lettern hilft der 36-Jährige, und die Druckkosten zahlt er aus eigener Tasche.</p>
<p><strong>Eleganz und Schlichtheit</strong></p>
<p>Als die Texte vorliegen, teilt der damals renommierteste Dichter der Nation, Ralph Waldo Emerson, in einem tagelang ersonnenen Brief an Whitman mit: «Dieses Buch ist an Klugheit und Weisheit der bisher ausserordentlichste Beitrag Amerikas zur Dichtung.» Unvergleichliche Ideen drücke es unvergleichlich aus. «Ich gewahre den Mut einer uns begeisternden und einzig durch weite Begriffe inspirierten Darstellung und grüsse Sie am Beginn einer grossen Laufbahn.» Dies sind gewichtige Worte eines Literaten, der in seinen Publikationen ständig brillante Persönlichkeiten fordert. Was macht die «Grashalme», die derart unterschiedliche Menschen ansprechen, so besonders?<br />
Nimmt man den von David S. Reynolds 2005 herausgegebenen Nachdruck des Originals zur Hand, fällt sofort das formal seinerzeit Unkonventionelle ins Auge. Und dies signalisiert: Whitman will einen maximal weiten Leserkreis erreichen. Als Journalist weiss er, daß die amerikanische Öffentlichkeit entweder Sentimentales bevorzugt, wie es zum Beispiel die «Fireside Poets» um Henry Wadsworth Longfellow schreiben, oder die Sensationen der Boulevardpresse und ähnlich gelagerter Romane. Seinen Weg beschreitet der Debütant, indem er einerseits einen eleganten, dunkelgrünen Umschlag wählt, auf dem sich goldene, verzierte Schriftzeichen und ein goldener Rahmen abheben; überdies erinnert der Titel an Bände, die in besseren Kreisen viele Leser finden, darunter Mary A. Spooners «Gathered Leaves» (1848).</p>
<p>Andererseits besticht im Inneren eine enorme Schlichtheit. Gegenüber der unverschnörkelten Titelseite steht eine 1854 aufgenommene Fotografie Whitmans in seiner geliebten Arbeitskleidung, die aus offenem Hemd, grober Wollhose und einem breiten Schlapphut besteht. Nicht zuletzt der in die Hüfte gestützte rechte Arm unterstreicht: An das Publikum heran tritt ein Mann, der zupacken will und kann. Vor der Einleitung, deren zweispaltiger Abdruck an eine Zeitung erinnert, vermerkt lediglich ein kleiner Hinweis den Verfasser, «Walter Whitman». Die unbenannten Verse in typographisch denkbar simpler Form bilden dann das Herz der Veröffentlichung.</p>
<p><strong>Zornige Reaktionen</strong></p>
<p>Die 23 Kritiken, die sich mit der Erstausgabe beschäftigen, sorgen dafür, daß der Autor vorerst keinesfalls von seiner Poesie zu leben vermag. «Eine Masse törichten Schmutzes», «rücksichtslos und anstössig», «ein Haufen Blödsinn», von dieser Art sind die Urteile der Gazetten. Der heftig Attackierte reagiert mit allerlei Massnahmen: Schnell publiziert er zwei günstige Ausgaben; anonym formuliert er für ihm nahestehende Blätter drei überaus zustimmende Rezensionen; und den Brief Emersons lässt er ohne dessen Erlaubnis in der «New York Tribune» drucken. Bis zu seinem Tod 1892 ergänzt und revidiert Whitman sein Opus magnum, so daß es nach neun Auflagen 383 Gedichte umfasst. Der geniale Verseschmied mit seinen Plädoyers gegen Rassismus, für Vielvölkerstaat, für soziale Gerechtigkeit und für unverkrampfte Körperlichkeit ist da längst eine Ikone.<br />
«Da im Innern rollt Blut. / Das alte, gleiche Blut! (. . .); da sind alle Leidenschaften, Begierden, Strebungen, Inbrunst / (. . .) In ihm harren völkerreiche Staaten und reiche Republiken.» Dieses Zitat aus Whitmans später «I Sing the Body Electric» betiteltem Gedicht bezieht sich auf einen Schwarzen, der bei einer Auktion versteigert wird. daß Afroamerikaner wie Weisse wahre Menschen sind, war für die Sklavenhaltergesellschaft eine provozierende, schockierende Botschaft &#8211; die sich als roter Faden durch die frühen Verse der «Grashalme» zieht. Schon das erste Gedicht, das mit dem berühmten Statement «Ich feiere mich selbst» beginnt, enthält einen langen Passus, in dem das «Ich» einen entflohenen Sklaven im Haus versteckt, wäscht und nährt, ferner das Gewehr an der Tür bereithält, um mögliche Verfolger abzuwehren. An anderer Stelle wird das Ich gar zum «gejagten Sklaven».<br />
Trotz seiner Identifikation mit den Schwarzen, die schon in der draufgängerischen Vorrede spürbar ist, nimmt Whitman hinsichtlich der peculiar institution insgesamt eine nur moderate Position ein. Denn immer wieder wird deutlich, daß ihm die Abolitionisten, diese «närrischen, glühend- heissen Fanatiker», verdächtig sind, da sie seiner Meinung nach die Einheit der Nation gefährden; am Vorabend des Bürgerkriegs sind dies prophetische Überlegungen. In seiner für ihn typischen, von ihm auch ironisierten Widersprüchlichkeit will er klar der Schriftsteller der Sklaven sein &#8211; und natürlich jener der masters. Obendrein möchte er Norden und Süden versöhnen, auf den Hügeln Vermonts genauso zu Hause sein wie auf einer Ranch in Texas. Ja, seine Utopie des Miteinanders geht darüber hinaus.</p>
<p><strong>Amerika und der Restder Welt</strong></p>
<p>In etlichen Strophen seiner gedeihenden Sammlung schildert Whitman nämlich ein Amerika, dessen wirtschaftliche Prosperität und anschwellende Bevölkerung partiell auf nichteuropäischer Immigration fussen. Ob in «This Moment Yearning and Thoughtful», «Salut au Monde!» oder «Passage to India»: Ungewöhnlich ist das Willkommenheissen, Preisen, Feiern der asiatischen Zivilisationen. «A Broadway Pageant» (1860) entwickelt den Ansatz weiter: Es begrüsst die «All-Mutter» Asien, fordert für sie Respekt, umarmt Tibet, China, Malaysia und versteht die in Manhattan gelandeten Japaner nicht allein als Repräsentanten Asiens, sondern zudem als Kameraden Amerikas.<br />
Doch auch diesen Vorstössen nimmt der Reformator die Spitze. Denn was hebt die Lyrik in endlosen Schleifen primär in den Himmel? Die Neue Welt: die Menschen, beispielsweise die «tatenlustigen» Pioniere, die Natur, so den «mächtigen Niagara», die Tiere, darunter den «starkbrüstigen Bullen». Und was betont das Vorwort? «Die Vereinigten Staaten selbst sind im Wesentlichen das grösste Gedicht». Freilich mahnt Whitman denn auch: «Von allen Nationen brauchen die Vereinigten Staaten mit ihren Venen voll lyrischen Materials Dichter am dringendsten»; und die Trennung der Länder durch Meere und jene der Menschen durch Rassen betrachtet er letztlich nur als Vorstufe einer Vereinigung.<br />
Bis es dazu komme, empfindet es der heimatliebende Internationalist als seine Pflicht, auf die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich hinzuweisen. Er brandmarkt die aufstrebende kapitalistische Wirtschaft der USA, die einer klugen, regulierenden Finanzpolitik entbehre, durch Aufschwünge oder Pleiten taumele und von Panik, Arbeitslosigkeit und der Abneigung der Werktätigen gegenüber den Wohlhabenden bestimmt werde. Dabei ist zu bedenken, daß Whitman bescheidenen Verhältnissen entstammt. Sein Vater kämpfte als Tischler und Immobilienspekulant in Brooklyn um jeden Cent. Der Junior versucht sich im selben Handwerk, ausserdem als Lehrer und als Besitzer eines kleinen Schreibwarenladens, stets mit geringem Verdienst. Die Freunde des begeisterten Stadtspaziergängers sind Arbeiter, Leute aus den Gassen &#8211; und denen möchte er explizit seine Stimme leihen.<br />
Gleichwohl mag dies erneut bloss der halbe Whitman sein. Denn überzeugt die ostentative Solidarität mit dem Volk und dessen Ansichten, wenn das fiktionale Ich häufig nicht der Verfasser sein kann? Bereits am Anfang der «Grashalme» etwa beschreibt sich das Subjekt als unordentlich und dem Essen und Trinken ebenso zugeneigt wie den Freuden der Fortpflanzung &#8211; während im realen Dasein des kinderlosen Literaten diese Charakteristika zumindest unbestätigt sind. Fest steht jedenfalls, daß der phantasievolle Avantgardist, der bis ins Alter aussagekräftige Fotos von sich in Auftrag gibt, Metzger, Schiffer oder Strassenjungen verewigen will und dies äusserst empathisch tut. «Walt Whitman, ein Amerikaner, einer von den rauhen Burschen, ein Kosmos» &#8211; so lautet eine weitere Selbststilisierung, die Zentrales unterschlägt: den sexuellen Aufklärer.</p>
<p><strong>Das Hohelied des Körpers</strong></p>
<p>Der Hauptgrund für die meist ablehnende Haltung der ersten Rezensenten war zweifellos die relativ offenherzige Darstellung des Geschlechtsaktes, gewisser Körperteile und Begierden. Der Autor behauptet allerdings, daß seine Formulierungen im Kontrast stehen zu dem, was er als taktlose Behandlung der Sexualität in der Populärkultur wahrnimmt, wo sich alles um das «einfach Erotische», das «nur Laszive» drehe. In den rund 80 Zeilen, welche die «Grashalme» Intimem widmen, heißt es neben anderem: «Willkommen ist mir jedes Organ und jede Eigenschaft und die eines jeden fröhlichen und reinen Mannes.» Ferner wird das Natürliche der Kopulation mit der liebevollen Aufmerksamkeit eines Physiologen oder Bildhauers erläutert.<br />
Die Freimütigkeit reicht manchen dennoch schon aus, um den Intellektuellen mit dem «Free Love Movement» seiner Zeit zu verbinden. Whitman wehrt sich sehr dagegen. Zwar sieht er wie die «Free Lovers» riesige Defizite in den Geschlechterbeziehungen &#8211; die er beheben will, indem er auf natürliche Leidenschaft und Attraktivität verweist. Die Bewegung engagiert sich aber dafür, die Ehe abzuschaffen, da sie «legalisierte Prostitution» in einer Epoche sei, in der Frauen, ausgebeutet und unterbezahlt, oft aus falschen Gründen gezwungen würden zu heiraten. Indes der Nationaldichter der USA die Ehe würdigt: als Basis von Wohlstand, Sicherheit und christlichem Staat. Im Laufe des Lebens hat der ewige Junggeselle übrigens intensive Affären mit Frauen und Männern, die homoerotischen Anspielungen markieren die «Grashalme» nicht zuletzt als Vorläufer der Lesben- und Schwulenliteratur.<br />
Heute, mehr als 150 Jahre nach der Ankunft von Whitmans Wunderwerk, bleiben die Kerngedanken seines Schöpfers auch in unseren Breiten zugänglich. Das liegt zum einen an den Selektionen, die bei Reclam und Diogenes vorliegen. Zum anderen liegt eine neue Übersetzung von Whitmans politischer Analyse «Demokratische Ausblicke» vor, die Preziosen liberaler Bissigkeit enthält (Derk-Janssen-Verlag, Freiburg im Breisgau 2005). Und der Amerikaner Michael Cunningham ließ den Hohepriester der Lyrik von «God&#8217;s own country» gerade etwas plump in seinem Roman «Helle Tage» auftauchen &#8211; was die Freude an den «Grashalmen», dem Schatzkästlein Amerikas, nur steigert. Dabei ist evident: Die Vision eines entspannten Verhältnisses zwischen Rassen, Völkern, Schichten und zum eigenen Körper zu verwirklichen, wird gerade in den streitlüsternen, prüden USA noch viel Arbeit erfordern &#8211; die sich unendlich lohnt.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Jürgen Gottschling</strong></p>
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		<title>Und der ist mit der Milchkanne durch Handschuhsheim gelaufen &#8211; einer, der sich nicht zu schade war, zuzugeben, daß er  (da sind wir doch alle ziemlich hybride) nicht nichts weiß. Aber dies dann doch schon:</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Feb 2008 23:06:16 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Eines Tages werden Maschinen vielleicht denken können, aber sie werden niemals Phantasie haben&#8221;, wusste Theodor Heuss, der heute vor 124 Jahren geboren wurde und am 12. Dezember 1963 starb.<span id="more-1372"></span>Das wars für diesmal auch schon …</p>
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		<title>Jugendsoftwarepreis spornt an: Schüler begeistern Schüler für naturwissenschaftliche Phänomene</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jan 2008 11:48:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Klaus Tschira Stiftung zeichnet Schülerinnen und Schüler für pfiffige und anschauliche Computerpräsentationen und -simulationen aus. „Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen geradlinigen Bewegung, solange keine äußeren Einflüsse auf ihn wirken.“ Nicht jedem erschließt sich die Bedeutung des Trägheitsgesetzes sofort. Patrick Reinbold aus Zimmern, der das Leibniz-Gymnasium in Rottweil besucht, hat sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Klaus Tschira Stiftung zeichnet Schülerinnen und Schüler für pfiffige und anschauliche Computerpräsentationen und -simulationen aus.<span id="more-1349"></span></p>
<p>„Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen geradlinigen Bewegung, solange keine äußeren Einflüsse auf ihn wirken.“ Nicht jedem erschließt sich die Bedeutung des Trägheitsgesetzes sofort. Patrick Reinbold aus Zimmern, der das Leibniz-Gymnasium in Rottweil besucht, hat sich etwas einfallen lassen, um seinen Mitschülern die Grundlagen der Newton-Gesetze auf anschauliche Weise nahe zu bringen. Mehrere Monate bastelte der 17jährige Schüler an Computerprogrammen, erstellte Grafiken und Filme. In seiner interaktiven Präsentation „Physix“ können Jugendliche jetzt in einer Animation sehen, wie verschiedene Kräfte auf Menschen während einer Busfahrt wirken. Für seine Leistung wird Patrick Reinbold heute von der Klaus Tschira Stiftung im Studio der Villa Bosch mit dem Jugendsoftwarepreis ausgezeichnet. Den Jugendsoftwarepreis in weiteren Kategorien erhalten: Stefan Oechslein (Bad Säckingen), Sören Gensmer, Jonathan und Frederic Schanz (Darmstadt), Nicolas Müller (Heidelberg), Tim Biedert (Flörsheim-Dalsheim), Simone Möslinger, Martina Garstenauer, Verena Roidinger und Edith Zöserl (Steyr, Österreich), Sophie Berckhan und Katrin Honauer (Freiburg i.Brsg. und Kehl) sowie Schülerinnen und Schüler der Grund- und Hauptschule Wendelsheim. Sie alle schafften es, naturwissenschaftliche Phänomene spielerisch und leicht verständlich zu erklären.</p>
<p>Der Jugendsoftwarepreis wird jährlich für Schülerinnen und Schüler aller Alterstufen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgeschrieben. Prämiert werden originelle Programme und pfiffige Präsentationen, die anderen Schülern naturwissenschaftliche Inhalte näher bringen. Das Thema der Arbeit kann frei gewählt werden. Es muss aber aus der Physik, Chemie, Biologie oder Mathematik stammen.</p>
<p>In dem 2007 ausgeschriebenen Schülerwettbewerb, für den heute die Preise vergeben werden, beteiligten sich 136 Schüler und Schülerteams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit je 1 000 Euro ausgezeichnet wurden Beiträge in den Bereichen „Interaktive Präsentation (5. – 7. Klasse)“, „Interaktive Präsentation (8. – 10. Klasse)“ und „Simulation“. In den ersten beiden Kategorien wurden zusätzlich zwei mit je 500 Euro dotierte zweite Preise vergeben. Außerdem bedachte die Jury in diesem Jahr drei Beiträge mit einem Sonderpreis von je 1 000 Euro. Die Jury setzte sich zusammen aus Schülern, Pädagogen, Wissenschaftlern und Medienexperten. Die Gewinnerbeiträge werden im Internet präsentiert von Lehrer-Online im Rahmen des vom BMBF geförderten Projektes „Naturwissenschaften entdecken!“. Sie sind zu finden unter <a href="http://www.lehrer-online.de/jugendsoftwarepreis-produkte.php" target="_blank">http://www.lehrer-online.de/jugendsoftwarepreis-produkte.php</a></p>
<p>Gewinner des Jugendsoftwarepreises 2007 in den verschiedenen Kategorien:</p>
<p><strong>Interaktive Präsentation in der Altersgruppe 5. bis 7. Klasse</strong><br />
Mit dem ersten Preis wird die interaktive Präsentation „Optik-Labor“ von Stefan Oechslein – Schüler am Minerva Progymnasium in Basel (Schweiz) – ausgezeichnet. Das Programm des aus Bad Säckingen (Baden-Württemberg) stammenden 13jährigen Schülers führt den Benutzer durch die Welt der Optik. Anhand leicht verständlicher Beispiele werden Grundlagen der Optik – wie Farbenlehre, Welleneigenschaften des Lichtes, usw. – erklärt. Die Jury lobte besonders die anschaulichen und lehrreichen Beispiele, die Stefan Oechslein in seiner Präsentation eingesetzt hat. Der jüngste Einzelteilnehmer beeindruckte sowohl mit dem Umfang seiner Arbeit als auch mit den guten Erklärungen und interaktiven Versuchen.</p>
<p>Den zweiten Preis sicherten sich Sören Gensmer (14 Jahre), Jonathan Schanz (14 Jahre) und Frederic Schanz (11 Jahre) aus Darmstadt (Hessen). „Natur²“ heißt das Programm, das die Jury grafisch und inhaltlich überzeugte. Ihr Thema: Erneuerbare Energien. Aufbauend auf eigenen Experimenten, die die Schüler vom Ludwig-Georgs-Gymnasium in ihrer Freizeit ausprobierten und filmten, entwickelten sie eine leicht verständliche und übersichtliche Präsentation. Sie wollten, so schrieben die Schüler in ihrer Bewerbung, auch den Spaß weitergeben, den sie beim Experimentieren hatten, damit auch Grundschulkinder Lust bekommen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Das, so fand die Jury, ist ihnen überaus gut gelungen. Sogar ein integrierter Chemietrickfilm mit Smarties und die Musikstücke waren selbst ausgedacht und produziert. Dies sei eine beachtliche Leistung und durchweg nachahmenswert, fand die Jury.</p>
<p><strong>Interaktive Präsentation in der Altersgruppe 8. bis 10. Klasse</strong><br />
Was haben der Rückstoß eines Kanonenschusses oder fallende Busfahrgäste beim Bremsen mit Physik zu tun? Dieser Frage widmet sich die interaktive Gewinnerpräsentation „Physix“ des 17jährigen Patrick Reinbold aus Zimmern (Baden-Württemberg). Der Schüler des Leibniz-Gymnasiums in Rottweil entwickelte eine Präsentation, die anhand von Alltagsbeispielen die Newtonschen Gesetze erklärt. Die anschaulichen und einfachen Erklärungen der Wirkung von Kräften, sowie die übersichtliche Menüführung überzeugten die Jury. Im Vergleich zu den Erklärungen in einem Buch ermöglichen die ausgezeichneten Videos und Animationen ein leichteres Verständnis der physikalischen Gesetze. Die Experimente sind gut gewählt und im Unterricht leicht einzusetzen. Besonders gelobt wurde auch die gute sprachliche Ausdrucksweise.</p>
<p style="outline-color: #ff0000; outline-style: solid; outline-width: 1px">Den zweiten Preis erhält der 16jährige Nicolas Müller vom Heidelberger Bunsen-Gymnasium für seinen Beitrag  „Wer sieht was?“. Mit anschaulichen Beispielen werden im Programm die unterschiedlichen Sehweisen von verschiedenen Lebewesen  beschrieben und erfahrbar gemacht. Der Betrachter kann die Welt mit den Augen einer Fliege, eines Pferdes, einer Ameise oder eines Menschen mit Rot-Grün-Blindheit sehen. Zu den Bildern werden die interessanten Erklärungen gleich mitgeliefert. Die Umsetzung dieser eigenen Idee ist einen Preis wert, fand die Jury. Nicolas Müller ist es gelungen, ein faszinierendes Thema für jede Altersgruppe umzusetzen. Die Nutzung ist für Menschen mit verschiedenen Vorkenntnissen möglich und lehrreich. Besonders wurde die gute Benutzeroberfläche gelobt, ebenso wie die große Informationstiefe und die Interaktivität. Als besonderen Clou ermöglicht das Programm nämlich das Einspielen von Bildern, die die eigene Webcam am Computer liefert. Auf diese Weise kann man beispielsweise das eigene Zimmer aus den Augen einer Stubenfliege betrachten.</p>
<p><strong>Simulation Altersgruppe Sekundarstufe II</strong><br />
Den Preis für die beste Simulation erhält in diesem Jahr der 18jährige Tim Biedert aus Flörsheim-Dalsheim, der das Elisabeth Langgässer-Gymnasium in Alzey (Rheinland-Pfalz) besucht. Sein „3D Solar System“ ist eine Simulation unseres Sonnensystems. Es bietet dem Benutzer die Möglichkeit, verschiedene Planetenkonstellationen zwischen den Jahren 3000 v. Chr. bis 3000 n. Chr. zu betrachten. Zudem können die Einflüsse der Gravitation auf künstliche Flugkörper, wie Raketen, simuliert werden. Die saubere Menüführung und die detailreiche und ausgefüllte Simulation des Sonnensystems beeindruckten die Jury. Das Programm ist gut integrierbar in den Unterricht, beispielsweise als Lernstation zum Thema Planetenbewegung.</p>
<p><strong>Sonderpreise</strong><br />
Einen Sonderpreis für ihre interaktive Lernsoftware für Kindergartenkinder und Schulanfänger erhalten in diesem Jahr Simone Möslinger, Martina Garstenauer, Verena Roidinger und Edith Zöserl aus Steyr (Österreich, 19 – 20 Jahre). Das von den Schülerinnen der Handelsakademie Steyr liebevoll gestaltete Programm „KLACK-KS“ regt kleine Kinder dazu an, die vier Kategorien Tiere, Menschen, Form &amp; Farbe sowie Natur spielerisch zu erforschen. Unterstützt von zwei Betreuungslehrern und finanziell gefördert durch den Magistrat der Stadt Steyr konnten bereits alle Kindergärten des Magistrats Steyr mit diesem Programm ausgestattet werden. Die Jury lobte, dass das Programm vor seinem Einsatz mit den Kindern getestet wurde. Erfreulich ist auch, dass es für Kinder geeignet ist, die weniger gut deutsch sprechen.</p>
<p>Ein weiterer Sonderpreis geht an Sophie Berckhan (17 Jahre) und Katrin Honauer (18 Jahre) aus Kehl. Die beiden Schülerinnen, die früher gemeinsam das Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd besuchten, und jetzt Schülerinnen des Rotteck-Gymnasiums Freiburg bzw. des Einstein-Gymnasiums Kehl sind, entwickelten die multimediale und interaktive Lernsoftware „Rinas Wasserwelt“. Begleitet von Rina, dem Regentropfen, können Kinder ab der 3. Klasse die Welt des Wassers entdecken. Detailreich führt das Programm die Benutzer durch verschiede Facetten des Wasserhaushalts. Versuchs- und Bastelanleitungen fördern die praktische Umsetzung des angeeigneten Wissens. Die Jury war beeindruckt von der perfekten Gestaltung, zu der auch die selbst erstellten Zeichnungen beitragen. Auch dieses Programm wurde mit den künftigen Nutzern, Grundschulkindern, auf seine Tauglichkeit getestet.</p>
<p>„Leben in Amazonien“ lautet der Titel des multimedialen Programms der Grund- und Hauptschule Wendelsheim (Rottenburg, Baden-Württemberg). Mehr als 150 Schüler waren an der Gestaltung und Ausführung dieser Arbeit beteiligt, die vielerlei  Informationen über den Regenwald und seine Bewohner liefert. Das außergewöhnliche Teamprojekt begeisterte die Jury. Hier wurde gezeigt, wie eine Präsentation in der Schule gemeinsam mit vielen Beteiligten erstellt werden kann. Verschiedene Projektgruppen, an denen zum Schluss alle Klassen beteiligt waren, erstellten elf Hauptartikel zu biologischen, geografischen, ethnologischen und geschichtlichen Aspekten über Amazonien. Alles wurde selbst produziert und bearbeitet – Filme, Diashows, Effektgeräusche, sogar eine Making-of-Diashow, die zeigt wie die Hintergrundgrafik entstand. Neben der umfangreichen Teamleistung beeindruckte die Jury vor allem die hervorragende multimediale Umsetzung des Themas. Die Software wird heute als interaktive Besucherstation der Amazonien-Dauerausstellung im Linden-Museum in Stuttgart eingesetzt.</p>
<p>Der Jugendsoftwarepreis wird jedes Jahr von der Klaus Tschira Stiftung ausgeschrieben. Der nächste Bewerbungsschluss ist der 20. September 2008. Weitere Informationen unter <a href="http://www.jugendsoftwarepreis.info" target="_blank">www.jugendsoftwarepreis.info</a>.</p>
<p style="outline-color: #ff0000; outline-style: solid; outline-width: 1px">Die Klaus Tschira Stiftung gGmbH (KTS) fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik. Die Stiftung ist darauf bedacht, die Wertschätzung der Öffentlichkeit für diese Fächer zu fördern. Förderschwerpunkte sind: Forschungsvorhaben, Schülerprojekte und die Lehre an staatlichen und privaten Hochschulen. www.kts.villa-bosch.de</p>
<p style="outline-color: #ff0000; outline-style: solid; outline-width: 1px">Fotohinweis: Ein Bild aller Preisträger finden Sie zum Herunterladen im Internet unter http://www.jugendsoftwarepreis.info/preistraeger2007.jpg</p>
<p style="outline-color: #ff0000; outline-style: solid; outline-width: 1px">Als Ansprechpartner stehen gerne zur Verfügung:</p>
<p style="outline-color: #ff0000; outline-style: solid; outline-width: 1px">Renate Ries (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)<br />
Klaus Tschira Stiftung gGmbH, Villa Bosch, Schloss-Wolfsbrunnenweg 33, 69118 Heidelberg<br />
Tel: 06221-53 32 14, Fax: 06221-53 31 98; renate.ries@kts.villa-bosch.de<br />
www.kts.villa-bosch.de</p>
<p>Markus Bissinger (Jugendsoftwarepreis)<br />
Tel: 06221-533 109, Fax: 06221-533 198;<br />
kontakt@jugendsoftwarepreis.info<br />
www.jugendsoftwarepreis.info</p>
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